Nachlese zum LAND ART FESTIVAL des KulturWerks in Osthessen (Hutten Heiligenborn)

Als das dritte Land Art Festival zu Ende ging, begann es fürchterlich zu regnen, wieder einmal hatten die KulturWerker in Osthessen mit dem Wetter großes Glück gehabt. Aber auch ansonsten war „Kunst in der Natur“, der Huttener Teil des Kultursommers 2015 der Kreise Main-Kinzig und Fulda, ein großer Erfolg. Aber es waren nicht immer die spektakulären Objekte, etwa die Doppelskulptur des bekannten Bildhauers Ulrich Barnickel oder die fliegende Betonfrau Thomas Kippenbergs, welche die vielen Hundert Besucher begeisterten.

Manche vergnügten sich eher bei den unterhaltsamen Führungen über den Kunst-Parcours, die von Tanzdarbietungen unterbrochen wurden, oder erfreuten sich an den vielen, im Wald oder in Gebüschen versteckten Objekten: Den Holzskulpturen von Martin Kohlhepp und Norbert Blücher oder die riesige Maske von Thomas Kippenberg. Lebhafte Aktionen, wie die Tänze zur norwegischen Polka, wechselten mit einer ruhigen Baummediation oder der Kräuterführung. „Selten war das Festival so abwechslungsreich wie in diesem Jahr“, freute sich eine Besucherin.

Die Naturschutzbehörde hatte strenge Auflagen gemacht und der Besitzer von einigen Wiesen wollte in diesem Jahr mal keine Kunst darauf sehen. Deshalb stand erheblich weniger Raum zur Verfügung, als bei den letzten Festivals, es wurde enger:

„Die Kunst“ konzentrierte sich auf die Wiese beim oberen Weg zum Schwimmbad sowie um das „Bergrestaurant“ und auf das Wäldchen gegenüber. Dieses kleine Gehölz hatten Kids mit gesprühten transparenten Planen in einen Graffiti-Wald verwandelt. Das ergab zwar wunderbare Lichteffekte, wenn die Sonne schien, verdrängte aber die in den letzten Jahren entstandenen leiseren Kunstwerke. Doch Hannah Wölfel setzte dagegen unverdrossen eine spießige Idylle mit Kronleuchtern aus Pappe und umhäkelten Hockern.

Gerwin von Monkiewitsch, der nicht nur ein weiteres Spiegelobjekt gebaut hatte, wünschte sich von Choreografin Monica Opsahl die tänzerische Belebung seiner „Bonbons“. In Plastik verpackte Heuballen hatte er durch Malerei in Süßigkeiten verwandelt, kleine Tanzmäuse trieben darauf ihren Schabernack und hüpften einer Katze auf dem Kopf herum. Etwas weiter hatte die Norwegerin Opsahl, um einen aufgerissenen Heuballen herum, eine zeitweilige Landidylle mit Tänzen ihrer Heimat inszeniert, bei denen zuletzt auch viele Zuschauer Polka mittanzten durften.

Einen ganz anderen Charakter hatte die Chorografie der großen Ballerinen, die sich zu den sphärischen Klängen bewegten, die Markus Gaul seinen gläsernen Klangschalen entlockte. Sein Tonspiel in einer Choreografie war für ihn eine völlig neue Erfahrung. Auch die Tänzerinnen empfanden die Landschaft als Bühne sehr anregend: „Zuerst war der kaum begrenzte Raum sehr ungewohnt“, meinte eine, „aber wir haben sehr schnell auch die Freiheit gespürt und genutzt!“.

Monkiewitsch zitierte als Fazit des Festivals Christian Morgenstern, „Als ob Kunst nicht auch Natur wäre – und Natur Kunst!“ Zur diesjährigen „Enge“ des Festivals fügte er weise hinzu: „Die Natur stellt unbegrenzten Raum zur Verfügung. Nur wir Menschen können ihn einengen. Die Kunst vermag es, unter beengten Verhältnissen neuen Raum zu schaffen…“

In diesem Sinne wird das KulturWerk wohl auch in den nächsten Jahren Räume für die Kunst erobern.

HINWEIS

Der „Spazierweg der Künste“ in Hutten-Heiligenborg ist das ganze Jahr über begehbar, in den nächsten Wochen werden auch noch die flüchtigen und vergänglichen Kunstwerke zu sehen sein.