Drohnen über den Kunstwerken und Bilder to go…


Die Kunststation Kleinsassen in Zeiten der Corona:
Im Dezember wurden zwar die Winterausstellungen der Kunststation eröffnet, mussten aber bald wegen des Lockdowns wieder schließen. Doch die emsige Leiterin Monika Ebertowski und ihr Team ließen sich einiges einfallen, um Kunstinteressierte dennoch mit zeitgenössischen Werken zu erfreuen.

Videoclips zu aktuellen Ausstellungen gab es bereits früher, doch nun werden virtuelle Rundgänge durch jede Ausstellung mit Kommentaren der Kuratorin Dr. Elisabeth Heil oder von Kunstschaffenden auf der Webseite veröffentlicht. 

Der Maler Siegfried Räth präsentiert in seiner Schau „Geführt verbunden“ eigenartige und sehr unterschiedliche Bildwelten von abstrakten Gemälden bis zu figurativen Wimmelbildern. Man muss sie nicht „verstehen“, sondern kann sie wie Träume auf sich wirken lassen. Räth malt intuitiv und assoziativ ohne Vorzeichnen auf die Leinwand. Seine Arbeiten sind komplexe verrätselte Erzählungen, keine in sich geschlossenen, realistische Arbeiten. „Sie sind ein Spiegelbild des Lebens mit seinen Widersprüchen und Ungereimtheiten“, meint Dr. Heil im Video. 

Die Leiterin der Kunststation Monika Ebertowski vor einer Arbeit von Siegfried Räth

Ralf Klement zeigt mit „Element 13“ eine sorgsam angeordnete Töpfe, Kannen und Wannen mit Gebrauchsspuren aus Aluminium, die viele individuelle Erinnerungen bei Betrachtern wecken (siehe Bild oben). Diese riesige monochrome Installation konfrontiert er mit groben, leicht schrulligen Holzskulpturen, etwa einer Ratte die zwischen absperrenden Pylonen ein Schlagloch repariert.
Oder mit großformatigen tachistischen Malereien:

Weiterlesen

Kunst zwischen Streetart und Aktionismus

Die Galerie Kunst im Kutscherhaus zeigt die Ausstellung „Dyne & the Sauti Kuu“. Der Berliner Künstler Dyne präsentiert eigene Werke sowie Arbeiten, die er mit kenianischen Kindern schuf.

Auf farbkräftigen Bildern sieht man Gesichter im Profil, erkennt tanzende oder ineinander verschlungene Wesen. Die Motive changieren zwischen figürlicher Darstellung und Gegenstandslosigkeit, manche Gestalten lösen sich völlig in Formen und Farben auf. Diese Kompositionen des Künstlers Dyne, im Format 80 x 80 Zentimeter, kann man wohl im weitesten Sinn Art Brut zuordnen: oft wirken sie rau und bedrohlich, manchmal naiv und freundlich.

Man merkt, dass Michael Mieth (43), der sich jetzt Dyne nennt, seine Wurzeln in Streetart und Graffiti hat. Er erzählt, dass er mit einem Freund in Berlin einst illegal Wände und Züge besprühte. Doch eines Tages ermunterte ihn der Maler Vicente Moll, Vater seines Kumpels, „endlich mal richtig auf Leinwänden zu malen.“ Vincent wurde Mentor für den Künstler, der richtig stolz darauf ist, nicht studiert zu haben und Autodidakt zu sein. Seit zwei Jahrzehnten arbeitet er als selbständiger Künstler und verkauft seine extrem unterschiedlichen Werke in Ausstellungen.

Auf einen bestimmten Stil will er sich nicht festlegen lassen: „Ich bin Multimedia-Künstler“, sagt er, denn seine Arbeiten bewegen sich zwischen Malerei, Aktionskunst und Bildhauerei. Dyne fährt auch schon mal mit einem Trabi durch Farbe und dann über Leinwände, die er anschließend zerschneidet und weitergestaltet. Eines dieser älteren Werke ist auch im Kutscherhaus zu sehen.

Neben jedem seiner oben beschriebenen Arbeiten steht eine Weinflasche, deren Etikett dem jeweiligen Bild ähnelt. Sein Förderer Vicente schuf für einen sehr bekannten mallorquinischen Winzer Label für Weinflaschen und ermunterte Syne es ihm gleichzutun.

Weiterlesen

Kunst in der Waechtersbacher Keramikfabrik

Wieder einmal beleben Kunstschaffende der Region die Waechtersbacher Keramikfabrik. In der alten Werkskantine inszenieren sie mit diversen künstlerischen Mitteln die Ausstellung „Rituelle Herzen“.

Der Kunstraum weist kräftige Spuren seiner Nutzung auf, doch viele Kreative lieben die Herausforderung, gegen den Verfall zu arbeiten. So auch Britta Schäfer-Clarke (Birstein) und Matthias Kraus (Hasselroth), deren Werke dadurch quasi mit der Firmengeschichte korrespondieren. Beim Besuch ist die Schau noch nicht vollständig aufgebaut. Schäfer-Clarke befestigt gerade ein geschichtsträchtiges Mobile, das auf bewegte Frauen in der Waechtersbacher Historie verweist: sowohl auf die vielen Arbeiterinnen als auf die wenigen Gestalterinnen. Im Hintergrund hängen ihre riesigen Holzschnitte von Tänzerinnen und in großen schwebenden Schachteln tummeln sich kleine Ballerinen als anmutige Wachsfiguren oder plumpe Stoffgestalten. „Tanz im Karton“ nennt sie die Installation (anstatt „Ruhe im Karton“) , die auf das klassische Ballett verweist: Das fordert zwar reichlich Bewegung, presst die Tänzerinnen aber in ein enges Formkorsett.

Das Thema Bewegung führt die beiden Kunstschaffenden seit langem zusammen. Darum heißt der Untertitel ihrer Ausstellung auch „Tanz in der Fabrik“, obwohl dort nicht wirklich getanzt wird. Lediglich eine Videoprojektion der auch als Lehrerin tätigen Schäfer-Clarke zeigt experimentellen Tanz: Mit ihren Schülerinnen suchte sie nach Choreografien, um trotz Corona- Abstand über das digitale Kachelformat von Videokonferenzen als Ensemble weiter zu tanzen.

Kraus spielt grafisch mit Paaren von Hutfrauen auf Platten, die sich sanft hin- und her bewegen. Seine seriell dargestellten Männer in Tütü-Röckchen oder Balletteusen auf Schaukelpferden suggerieren dagegen nur Bewegung.

Weiterlesen

Lesung von Volker März in seiner unordentlich angeordneten Kunst

Am letzten Sonntag trug der Künstler kritisch-skurrile Erzählungen inmitten seiner Figuren, Bilder und Installationen vor. Wie in vielen  Texte wählte er dazu die Befragungen eines Menschen im Schlamm durch einen Außenstehenden: Was siehst Du? In der folgenden, vollständig veröffentlichten Befragung, macht März die Kunststation und die eigene Lesung zum Thema.

Lesung und Lösung (c) Volker März

– Was siehst du heute Abend in deinem Schlamm!
Ich sehe und höre eine Lesung in einem Gebäude In dem kreuz und quer sehr unordentlich angeordnete Kunst rumsteht und rumhängt. Das Licht ist gedämpft. Ein einzelner Mensch Menschen versucht mit Worten an einem besonderen Ort, das trotz Pandemie wohl erhaltene Publikum zu erreichen. Das Haus ist eine Art KUNSTSTATION – so nennt es sich – es liegt an einem Hang mit viel Grün außen herum.“

– Sind wieder einmal nur Frauen anwesend bei der Lesung?!
Nein, ich sehe auch Männer die leicht vor sich hin dösen.

– Was ist der Inhalt der Lesung? Warum bist du vor Ort?!
Es geht um unsere Rundumwahrheiten, um mich und mein Leben im Schlamm. Es geht um deine Fragen und unsere Antworten und warum …

– Halt! Das kann nicht sein! woher wissen die Leute das? Lesen sie aus einem Buch?!

Nein, der Sprecher, der uns vertritt, hat lose Blätter aus denen er vorträgt und die er nach und nach fallen lässt.

– Woher kennt der Lesende unsere Geschichten!
Es hat sich herumgesprochen – die Zeiten haben sich geändert. Weiterlesen

„In The Cities“

Wenn man schnell durch die Ausstellung Detlef Waschkaus in der Kunststation Kleinsassen geht, denkt man, ah ja, Großstädte, Straßenszenen, Menschen… „In The Cities“ heißt bezeichnenderweise auch sein Beitrag zur Herbstschau des Kunsthauses.

Geht man näher an ein Bild heran und betrachtet es länger, etwa „New York“ (Foto), dann sieht man eine Collage mit unterschiedlichen Leuten und vielfältigen, aber kaum einordbaren Situationen in einer Metropole: Eine flüchtige Momentaufnahme aus New York. Selten sind in den ausgestellten Arbeiten des Künstlers die Menschen so sehr im Vordergrund. Doch die Dargestellten sind kaum (noch) individuell erkennbar, sie verschwinden durch die übrigen Bildelemente, welche die Hektik und Vielfältigkeit einer Großstadt suggerieren.

Das Werk ist deutlich gerastert, manche Ebenen liegen tiefer oder höher, das Bild ist also letztlich eine dreidimensionale, aber sehr flache Skulptur. Waschkaus „malerische Holzreliefs“, wie er seine Arbeiten selbst nennt, haben Schichtholzplatten aus Pappelholz zur Basis. Die oberen Schichten trägt er zum Teil mit Beiteln ab und trägt ständig – im Wechsel mit der Holzbearbeitung – Farbe auf. Waschkau versteht sich als Bildhauer und Maler zugleich, seine Gebilde sind ein Mix aus künstlerischen Techniken. Als Vorlage für diese Objekte nutzt er von ihm aufgenommene Fotografien.

Die Bedeutungen seiner Reliefs sind nicht eindeutig: Sie können einerseits kritisch auf die Durchgliederung und Normierung, die „Rasterung“, unserer Großstädte verweisen. Andererseits zwingen sie uns, gerade durch die Rastertechnik, unsere Wahrnehmung zu hinterfragen, die ja Details immer wieder (begrifflich) zusammenfasst: Ah, ja, New York… Und doch: Waschkaus Halbreliefs sind mehr als ihre handwerklich-künstlerischen Raster, sie entführen uns in faszinierende dynamische Welten und behalten ihren unwägbaren Rest.

INFO:
Detlef Waschkau „In The Cities“ noch bis zum 24. November in der Kunststation Kleinsassen. In der Winterzeit nur Donnerstag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet.
www.kunststation-kleinsassen.de

FOTO:
„New York“ © Nikolaus Netzer

Ausstellung „Von Fischen und anderen Gräten…“

Unter dem Titel „Von Fischen und anderen Gräten“ präsentiert die Fuldaer Künstlerin Martina Theisen neue Arbeiten: Ihre maritimen Bilder in der kommunalen Galerie der Stadt Gersfeld sind eine Gradwanderung zwischen angewandter und freier Kunst.

Auf dem Plakat zur Ausstellung zeigt ein Wal Yoga-Übungen. „Geldhaie“ saugen an ihren Zigarren. Ein säuerlich guckender Fisch, hinten schon ein wenig in Scheiben geschnitten, begrüßt uns als „Zitronenhai“. In einer Ölsardinendose schlafen kleine Fische. Aufrecht stehend in Matrosenanzügen salutieren in der „Doraden-Parade“ aufgekratzte Goldbrassen. Die Idee zu ihrer Schau entstand auf der von Meerestieren umgebenen Insel Spiekeroog, wo sich die Künstlerin gerne aufhält. Soll man ihr tatsächlich glauben, dass es diese Wesen alle in Wirklichkeit gibt, wie sie behauptet? Die diversen Grätenviecher sind jedenfalls nicht realistisch gezeichnet oder gemalt, fast immer wirken sie unwirklich, ja grotesk, wie Karikaturen oder Comics.

Alle abgebildeten Seekreaturen sind mehr oder weniger vermenschlicht und bleiben doch Meerestiere: Daraus entsteht die Komik, die in der ernsthaften Bildenden Kunst einst nicht so beliebt war. Theisen spielt auch mit ihren Titeln, einerseits weisen sie Wege zum Verständnis und provozieren lachende Erkenntnis, andererseits sind sie gelegentlich auch Wortspiele: „Der Wal trägt einen Schal mit Aal“, heißt ein Werk. Oder Schweine, also Meerschweine, nutzen einen fetten Delphin als Tauchboot: „We all live in a yellow submarine“, möchte man da fröhlich mit den Beatles singen.

Theisens Arbeiten sind durch Mischtechniken entstanden, sie malt und zeichnet mit Stiften, Kohlen und Kreiden auf farbiges Tonpapier. Die Künstlerin nennt sich Illustratorin, bereits als Kind hat sie ihre Puppen mit Filzstiften angemalt und dann mit ihnen Indianer gespielt. In Mainz studierte sie Kommunikations-Design, seit 2001 illustrierte sie bisher über 60 Kinder- und Erwachsenenbücher für renommierte Verlage. „Mein großes Körperbuch“ von Professor Dietrich Grönemeyer weist Ihre bekanntesten Illustrationen auf.

Bescheiden bezeichnet sie selbst ihre Bilder als angewandte Kunst, doch eigentlich sind die in Gersfeld gezeigten Arbeiten freie Kunstwerke und (bis jetzt) keine Illustrationen. Aber in ihnen schlummern nicht erzählte Geschichten, die zum Erzählen und Nachfragen provozieren: Ist der Aal auch erkältet? Was küsst den Delfin? Weiterlesen

„Das Roadstories Projekt“ – über das Künstlerbuch von Leonie Hochrein

Ein Jahr lang zog die junge Künstlerin Leonie Hochrein durch die Welt und stellte jede Woche einem ihr bekannten oder fremden Menschen drei Fragen zu Glück, Heimat und einigen prägenden Ereignissen im bisherigen Leben. Zu den notierten Antworten fertigte sie jeweils ein Fotoporträt von dem Menschen, der an die nächste Person eine eigene vierte Frage stellen sollte:

„Beschreibe das Gefühl jemanden innig zu lieben“, wollte eine wissen, andere fragten, „Was ist deine Kunst?“ oder „Welche Bedeutung hat Sexualität in deinem Leben?“ Mit diesem Projekt begann Hochrein noch vor dem Abschluss ihres Kunststudiums an der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Ihre „Roadstories“ sind kein distanziertes Interviewprojekt, in dem sie Befragte zum Objekt macht. Stattdessen destillierte sie 51 intensive Vignetten aus ihren offenen Gesprächen. Im 52. Interview wollte sie selbst zu Wort kommen, doch während der Nachbearbeitung der authentischen Begegnungen verunglückte die Künstlerin (23) tödlich mit ihrem Lebensgefährten auf einer alpinen Bergtour. Mit zwei Redakteurinnen aus dem Freundeskreis setzte Ihre Mutter die geplante weitere Arbeit fort. 2018 stellte sie das Projekt bei den Dirloser Kunsttagen vor und veröffentlichte vor kurzem „Das Roadstories Projekt“ als englisches und deutsches Künstlerbuch.

Das Werk ist grafisch gut gestaltet, großzügig aufgemacht, angenehm anzufassen, schön anzusehen und gut zu lesen – trotz seiner strengen Systematik: Ganz knapp erzählt Hochrein zunächst jeweils von ihren eigenen Beobachtungen und Gefühlen im Gespräch, bleibt also nicht außen vor. Es folgt ein ganzseitiges, stark angeschnittenes Bildporträt der Befragten, danach deren meist nachdenkliche Antworten und die Frage an die nächste Person.

Weiterlesen

Zur Herbstausstellung in der Kunststation Kleinsassen/Rhön

Am Wochenende begann in der Kunststation die neue Schau dreier Kunstschaffender ohne ein gemeinsames Thema. Es sind eigentlich drei verschiedene Ausstellungen in einer, die dennoch hervorragend miteinander verbunden und überzeugend kuratiert sind.

„Dominium terrae“ („Unterwerfung der Erde“): Dieser, von Robert Kunec selbstgewählte biblische Titel seiner Installation, könnte allerdings das Herbstprogramm überschreiben, meint Kuratorin Dr. Elisabeth Heil in der Vernissage.

Mitten in der größten Halle der Kunststation hat Bildhauer Kunec zwei nackte Lehmfiguren platziert: Ein derber männlicher Neandertaler begegnet einem afrikanisch aussehenden weiblichen Homo Sapiens. An der Stirnseite der Halle befindet sich ein aufrecht gestelltes Doppelbett, das wie ein Flügelaltar oder ein kultisches Triptychon wirkt. Der Grundriss der Halle scheint eine Wohnung zu sein, in den verschiedenen, nur mit einigen Lehmziegeln angedeuteten Räumen, befinden sich mehr oder weniger rätselhafte Objekte: Eine angedeutete Feuerstelle. Gestapelte Wasserflaschen. Ein mit Stroh verkleideter Fernseher.

Obwohl sich die Bedeutung dieses recht kargen Arrangements nicht ohne weiteres erschließt, wird man stark emotional berührt und empfindet Gefühle, die man hinterfragen und zulassen sollte. Man fühlt sich wie in einer religiösen oder weltlichen Kultstätte, wie in einem Kirchenschiff oder im Lichthof eines Museums. Aber nichts gleite hier ins Banale oder Kitschige ab, sagt die Kuratorin, Künstler und Besucher könnten sich durchaus über Zeichen aus christlicher Tradition verständigen. Diese Installation gerate „nicht zu einem kirchlichen Glaubensmanifest“, stattdessen würden existentielle Fragen aufgeworfen.

Egal durch welchen der zwei Eingänge man diesen Ort erreicht, man muss an großstädtisch anmutenden Bildern vorbei, bis man sozusagen nach Hause kommt. Weiterlesen

Im „Garten der irdischen Freuden“ in Berlin

In der Ausstellung „Garten der irdischen Freuden“ verwandeln 22 internationale Künstlerinnen und Künstler den Berliner Gropius Bau in eine außergewöhnliche Gartenkolonie. Doch beim Rundgang durch die individuellen Parzellen im Museum erlebt man kein fürstliches Gartenfest, sondern diverse künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Motiv des Gartens, an dem Kunstschaffende seit Jahrhunderten arbeiten.

Bereits im großen Lichthof des Hauses bildet ein mit meterhohen Metallregalen abgetrennter Raum einen zivilisierten Garten: In die Fächer des Regals sind einst wilde Pflanzen ordentlich eingetopft, hier ist üppige Natur gezähmt und in Ordnung gebracht. Während der Eröffnungstage dringen aus dem Gewächshaus, in dem ein Musiker sitzt, laute dramatische Synthesizerklänge. Symbolisiert die verstörende Kakophonie unbändige Naturgewalten oder den raschen Klimawandel? Hört man die bedrohliche Unterströmung unter der dünnen Decke unserer Zivilisation? Mit solchen Fragen geht man auf den Parcours.

wpo_rashid_johnson_antoinesorgan.jpg

Ein Saal mit drei riesenhaften Plastiktulpen ist vollständig mit großen verschiedenfarbigen Punkten auf strahlendweißer Oberfläche bemalt, sogar Fenster und Decke. Man darf nur mit übergroßen Filzpantoffeln durch diese Skulptur schlurfen, die man zunächst witzig und unterhaltsam findet. Doch je länger man darin verweilt, umso mehr spürt man Beklemmung in dieser künstlichen Pop-Art-Welt.

Im Dunklen liegt man auf dicken weichen Stoffschlangen und schaut den an die Decke projizierten Film. Fast ohne visuelle Grenzen verschmelzen in einem Paradiesgarten zwei nackte Evas mit Blumen, Pflanzen und Wasser. Die traumartigen Bilder gleiten sanft ineinander, wechseln ständig zwischen Nahaufnahmen und Blicken durch Kaleidoskope. Weiterlesen

Kunst und Spiel in Kleinsassen

Zum 40. Geburtstag lädt die Kunststation Kleinsassen mit ihrer Ausstellung „KunstSpieleKunst“ das Publikum zum Mitmachen ein. Während das Spielen mit Kunstwerken gewöhnlich streng tabuisiert ist, wird es hier in den nächsten Monaten ausdrücklich erwünscht sein.

Bereits vor dem Kunsthaus empfängt die Besucherinnen und Besucher die Skulptur „Promenade der Elementarteile“, in der etwa eine gelbe eiserne Sonne oder ein blaues Eisenherz vom Wind bewegt werden. Sind die Böen aus der Rhön zu schwach um die Figuren zu drehen, kann das Publikum die Elemente selbst in Bewegung setzen.

Zunächst fallen beim folgenden Streifzug durch die Ausstellung natürlich als erstes solch spektakuläre Mitspielobjekte auf: Das Fahrrad, mit dem seine Benutzer eine riesige Maske wachsen lassen können oder eine mächtige Klangskulptur, die ständig von Leuten mit einer Vielzahl von Schlagwerkzeugen beklopft und erkundet wird. Zu einem sanften Klangteppich vom Band im Hintergrund entstehen so häufig ungeplante musikalische Performances.

wpo-spiel-2225.jpg

Das sensationellste Kunstwerk ist zweifellos der gigantische atmende Zylinderballon „transForm“ in der großen Halle: Mal hängt die silbrige Hülle halbschlaff von der Decke, dann bläst sie sich parallel zum Dachbalken wieder auf: Es wechseln Prallheit und Erschlaffung, Fülle und Leere, Kraft und Schwäche: „So werden auch emotionale Situationen allegorisiert“, sagt Künstler Ambech über seine Arbeit. Weiterlesen