Zwischen Groteske und Zumutung: Udo Breitenbach in der Kunststation
Die dritte Winterausstellung in der Kunststation gestaltet Udo Breitenbach mit weiterbearbeiteten Fundstücken. Vor gut zwei Jahren gewann er mit einem seiner poetischsten Werke diese Einzelschau. Jetzt zeigt er „Sich selbst im anderen sehen“ noch einmal. Zwei identische Köpfe – einer ist weiß, der andere dunkelhäutig – betrachten sich in Spiegeln. Wenn man um das Objekt herumgeht, wird das weiße Antlitz dunkler oder das dunkle heller.
In der damaligen Gemeinschaftsausstellung „Make Art AND Friends“ reagierten Kunstschaffende mit ihren Beiträgen auf die documenta 15 und deren unsägliche Forderung „Make Friends NOT Art“. Breitenbachs Werk schließt Freundschaften UND ist Kunst.
Bereits im Eingang zur Schau wird die Bandbreite seiner Arbeiten deutlich: „Party ist over in Europe“ ist das kleine Überbleibsel eines Wohnwagens, der auf dem ganzen Kontinent herumfuhr. Dieses unbearbeitete Fundstück vom Sperrmüll symbolisiert für den Künstler den Zustand Europas. Das Gebilde daneben setzt Fundstücke als Assemblage zusammen: Der traurige Puppenkopf ist mit einer Weltkarte beklebt, in die ein Vogel piekt. Die Welt piept wohl nicht richtig, könnte man meinen. Aber die Bezeichnung des Objekts verweist ebenfalls auf den Titel der Ausstellung: „Noch zu retten?“
Gleich in Breitenbachs großer Halle liegt eine gefundene zerstörte Jesusfigur auf einem Eisenbett, eine Trauerschleife um seine kaputte Brust verkündet: „Unser Pazifismus / Ruhe in Frieden“. Im Hintergrund hängen feingerahmte Bundeswehrdecken mit der Inschrift: „Bundeseigentum“. Eine „Notunterkunft“ aus alten Landkarten, die früher in Schulen verwendet wurden, ist auf ein Zeltgestänge montiert. Ein Bett darin ermöglicht vielleicht von alten Zeiten zu träumen, als Deutschland noch größer war. Den Künstler erinnert seine Installation jedoch an Flucht und Vertreibung.
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