
Heute stellen wir die Künstlergruppe „Die Spinne“ vor, die in der Kunststation die zweite Herbstausstellung unter dem Titel „Ansichtssache“ zeigt. Ihr Name leitet sich nicht von Spinnentieren ab, sondern von der „Alten Spinnerei“ im bayerischen Kolbermoor. An der dortigen privaten Akademie lehrt der bekannte Künstler Markus Lüpertz – in seiner Meisterklasse fanden sich die neun Kunstschaffenden zusammen. Alle brachten bereits künstlerische Erfahrungen mit oder übten vorher sogar andere hochqualifizierte Berufe aus.
Der „Meister“ versucht die Studierenden nicht stilistisch zu beeinflussen, sondern unterstützt sie, eigene Wege zu finden. Eine deutliche Nähe zu seinen Werken zeigen die fragmentierten menschlichen Figuren von Daniel Sommergruber. Die Gesichter sind verhuscht, die grellfarbene Kleidung mal ausgearbeitet, mal flüchtig hingetupft; die Füße in High Heels oder Sneakern dagegen riesig. Sie changieren zwischen Körper und abstrakter Komposition – eine Spannung, die auch für Lüpertz‘ Malerei wichtig ist.
Im Eingangsbereich begegnen sich alle neun mit jeweils drei quadratischen Bildern in der Größe von Langspielplatten. Bereits hier wird ihre Vielfalt deutlich; manche Malereien und andere Gestaltungen verweisen auf ihre größeren Arbeiten. Denn Lüpertz bildet ganz offensichtlich keine kleinen Lüpertze aus:
Bei den Berglandschaften von Kerstin Stechl sind die Motive noch gut erkennbar, kantige Farbflächen beginnen sich zu verselbständigen. Barbara Münstermann löst ihre dramatisch anmutenden Landschaften viel stärker auf. Erde, Himmel oder Horizont lassen sich vielleicht erahnen, in anderen Werken brausen wilde Farben durch- und übereinander.
Fast verschwunden ist das Gegenständliche ebenfalls bei Miriam Saric. Etwa in ihrem großen Bild über dem Schriftzug zur Ausstellung am Eingang schieben sich helle und dunkle Flächen ineinander, durchzogen von Linien und gestischen Spuren. Die dunklen „Kosmischen Reflexionen“ von Barbara Scholz-Evans lassen mit Lichtflecken und leuchtenden Eruptionen an unendliche Räume denken. In Claudia Seilers Arbeiten schließlich werden Farbe, Licht und Atmosphäre selbst zum Motiv.
Doch die Schau führt keineswegs immer weiter in die Abstraktion. Astrid Trost zeigt erzählerisch-realistische Arbeiten, etwa den „Mann auf der Bank“, umgeben von bildhaften Erinnerungen aus seinem Leben. Draga Kuzmanovic präsentiert eigenwillige Porträts, deren Gesichter durch ungewöhnliche Farben, Raster oder Übermalungen verfremdet werden.
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