Nicht nur Baden, Wandern oder Bergsteigen: Zeitgenössische Kunst auf Teneriffa (2)

Teil 2: Puerto de la Cruz

Schon bei der Parkplatzsuche in Puerto de la Cruz oder bei ersten Irrwegen in der Altstadt, fallen riesige Wandmalereien an den Fassaden alter Häuser auf:

Große Porträts einzelner Menschen eingehüllt in ihre malerisch angedeuteten Gefühle und Träume. Eine Gitterwand, die uns von einer paradiesischen Landschaft trennt. Wunderbar anzusehende, aber sehr verrätselte naive oder surreale Szenen, faszinieren und machen neugierig.

Im Zuge der – nennen wir es ruhig – „Gentrifizierung“ Puertos durch den Tourismus, wurde auch das schmuddelige alte Fischerviertel aufgehübscht. Westlich vom alten Hafen kam die Gegend durch anspruchsvolle Gastronomie und Mural Art, also Kunst an den Mauern, zu neuem Glanz. Die Street-Art-Objekte von spanischen und einigen internationalen Kunstschaffenden wurden von der Stadt gefördert. Ein offizieller Flyer erklärt die 13 Wandbilder, die sich bei einem etwa einstündigen Rundgang näher erschließen.

Wir wohnten am Alten Hafen und sahen vom Balkon direkt auf das restaurierte Zollhaus aus dem 17. Jahrhundert (Foto). Darin ist die Touristeninfo untergebracht und in der oberen Etage seit 1953 das kleine Museum der Moderne Westerdahl. In mehreren Sälen werden frühe surrealistische und andere klassisch-moderne Arbeiten – nicht nur von kanarischen Künstlern – gezeigt. Der Museumsgründer Eduardo Westerdahl rief auch eine Künstlergemeinschaft ins Leben, deren Mitglieder hier im Haus gerne arbeiteten. Liebevoll führt uns die ehrenamtliche Leiterin González Pérez durch die Ausstellung, erläutert die Werke und ihre kunstpädagogische Arbeit mit jungen Menschen.

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Nicht nur Baden, Wandern oder Bergsteigen: Zeitgenössische Kunst auf Teneriffa

Teil 1 Santa Cruz

Fast ganz Europa war ein Risikogebiet, als wir im November nach Teneriffa kamen, jedoch die Kanarischen Inseln gehörten damals noch nicht dazu. Wir wollten nicht nur Cabra und Conejo, Ziegen und Kaninchen essen, die Sonne genießen und in Teresitas baden – sondern vor allem moderne und zeitgenössische Kunst entdecken.

Zweimal verlängerten wir unsere Kunstreise auf insgesamt sechs Wochen. Unterstützt wurden wir bei unseren Entdeckungen vom spanischen Fremdenverkehrsamt und dem Kulturgarten Mariposa. Zwölf Tage lang lebten wir zunächst direkt am Meer in einem kleinen Apartment, von dem aus wir mit dem Leihauto auf abenteuerlichen Serpentinen über die Berge nach Santa Cruz fahren konnten.

Wenn man vom Süden über die Autobahn in die Hauptstadt Teneriffas kommt, fährt man zunächst an der alten Raffinerieanlage mit zum Teil kräftig bemalten Öltanks vorbei. Rechts zum Atlantik hin liegt etwas weiter das gewaltige futuristische Gebilde AUDITORIO mit einem gigantischen Betonbogen darüber (Foto oben), was einen wirklich zum Staunen bringt. Während der moderne Bau drei Kongress- bzw. Konzertsäle beherbergt, ist der mächtige Bogen völlig funktionslos: Er ist einfach nur kühn, spannend und fantasieanregend: wie eine große Welle, die vom Ozean in die Stadt schwappt, oder wie eine gewundene Brücke, die Stadt und Atlantik verbindet, oder wie ein riesiger Vogelschnabel.
Hier glaubt man, dass die Architektur früher als Königin der Künste galt.

Die Oberflächen des Gebäudes sind mit Millionen von weißen Kachelbruchstücken versehen, eine Hommage an die Mosaikkunst des katalanischen Baumeisters Antoni Gaudí. Per se ist dieses Werk des international arbeitenden Architekten Santiago Calatrava ein Ruheort. Als Tempel der Künste schirmt er die Besucher*innen von dem nahen Hafen, den Autostraßen und dem neuen Hochhausviertel ab. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt die von Caesar Manrique gestaltete Badelandschaft Parque Maritimo.

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Zunächst enttäuschend…

Soeben erschien „Der Solist“ von Jan Seghers, sein drei Jahre lang erwarteter Roman, der eher eine kleine Novelle geworden ist.

Auf dem Weg zum Sondereinsatz in Berlin fährt der coole Frankfurter Kommissar Neuhaus bei seiner Mutter vorbei. Die kannte er früher nur vom Telefon, weil sie jahrelang als RAF-Terroristin inhaftiert war und immer so tat, als telefoniere sie aus Afrika mit ihm. Einen Autobahnstau umfährt er durch die Wetterau und erlebt in „Onkel Toms Hütte“, dem Imbiss der dunkelhäutigen Miriam, übelsten Rassismus. Später in der Hauptstadt wird der erfolgreiche Kriminalist und interner Ermittler distanziert von der „Sondereinheit Terrorabwehr“ (SETA) empfangen, die nach dem Attentat des Terroristen Anis Amri auf einen Weihnachtsmarkt gegründet wurde.

Der eigensinnige Neuhaus kommt im Laufe der Zeit lediglich mit der deutsch-türkischen Kollegin Grabowski gut klar. Wie der Maulwurf Grabowski im gleichnamigen Kinderbuch ist sie stark kurzsichtig. Mitten in Berlin geschehen brutale Morde mit terroristischen Motiven, die Neuhaus und Grabowski aufklären sollen. Bei ihren gefährlichen Ermittlungen tun sich ständig neue, unfassbare forensische und politische Abgründe auf! Mehr wird hier von der kurzen Geschichte nicht verraten. Am Ende fährt der Kommissar nach Frankfurt zurück und hält noch einmal in der Wetterau an, doch Miriams Hütte ist abgebrannt…

Jan Seghers aktuelles Buch ist eine illusionslose Novelle aus einer düsteren Welt. Auf nur 240 Seiten geißelt er muslimischen Antisemitismus, aggressive Araber, geduldeten Rechtsradikalismus, Schwulenhass, vertuschte Polizeigewalt, kriminalistische Schlamperei und nicht zuletzt das „Kalifat des Veganismus“ der Hipster. Eigentlich will sich der „Solist“ aus allem heraushalten, er will nur seine Arbeit machen…

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Drohnen über den Kunstwerken und Bilder to go…


Die Kunststation Kleinsassen in Zeiten der Corona:
Im Dezember wurden zwar die Winterausstellungen der Kunststation eröffnet, mussten aber bald wegen des Lockdowns wieder schließen. Doch die emsige Leiterin Monika Ebertowski und ihr Team ließen sich einiges einfallen, um Kunstinteressierte dennoch mit zeitgenössischen Werken zu erfreuen.

Videoclips zu aktuellen Ausstellungen gab es bereits früher, doch nun werden virtuelle Rundgänge durch jede Ausstellung mit Kommentaren der Kuratorin Dr. Elisabeth Heil oder von Kunstschaffenden auf der Webseite veröffentlicht. 

Der Maler Siegfried Räth präsentiert in seiner Schau „Geführt verbunden“ eigenartige und sehr unterschiedliche Bildwelten von abstrakten Gemälden bis zu figurativen Wimmelbildern. Man muss sie nicht „verstehen“, sondern kann sie wie Träume auf sich wirken lassen. Räth malt intuitiv und assoziativ ohne Vorzeichnen auf die Leinwand. Seine Arbeiten sind komplexe verrätselte Erzählungen, keine in sich geschlossenen, realistische Arbeiten. „Sie sind ein Spiegelbild des Lebens mit seinen Widersprüchen und Ungereimtheiten“, meint Dr. Heil im Video. 

Die Leiterin der Kunststation Monika Ebertowski vor einer Arbeit von Siegfried Räth

Ralf Klement zeigt mit „Element 13“ eine sorgsam angeordnete Töpfe, Kannen und Wannen mit Gebrauchsspuren aus Aluminium, die viele individuelle Erinnerungen bei Betrachtern wecken (siehe Bild oben). Diese riesige monochrome Installation konfrontiert er mit groben, leicht schrulligen Holzskulpturen, etwa einer Ratte die zwischen absperrenden Pylonen ein Schlagloch repariert.
Oder mit großformatigen tachistischen Malereien:

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Buchbesprechung

Den poetischen Titel „Gesang der Flusskrebse“ trägt das empfehlenswerte Buch, weil das einsame Mädchen Kya im Grenzgebiet von Zivilisation und wildem Marschland die Flusskrebse singen hören kann.

„Sie sank auf seine Matratze, sah den Rest des Tages die Wand hinabgleiten. Das Licht hielt auch nach Sonnenuntergang noch eine Weile an, wie es das immer tut…“ Nachdem Kyas Mutter für immer fortging, verschwinden bald auch ihre älteren Schwestern sowie ihr geliebter größerer Bruder. „Sie wollte ihn anflehen, sie nicht mit Pa allein zu lassen, aber die Worte blieben ihr im Hals stecken.“

Nun lebt die Sechsjährige allein mit dem versoffenen, brutalen Vater – der häufig wochenlang weg ist – in einer abgelegenen, heruntergekommenen Hütte im sumpfigen Schwemmland. Die Menschen, die dort in Armut leben, werden als „Sumpfgesindel“ beschimpft und diskriminiert. Kya hält es nur einen Tag in der Schule aus und ist ansonsten einsam auf sich gestellt. Mit der Zeit lernt sie Muscheln und Fische gegen andere lebensnotwendige Dinge wie Maismehl oder Schiffsdiesel einzutauschen.

Die Jahre bis zum Erwachsenwerden verbringt sie in engem Kontakt mit der Landschaft, aus der sie Federn, Knochen oder anderes sammelt und sich mit den Möwen anfreundet. Noch vor ihrer Pubertät lernt sie auf romantische Weise den etwas älteren, ebenfalls sehr naturverbundenen Tate kennen, der sie Lesen und Schreiben lehrt: „Sie hatte noch keinen Menschen gekannt, der sich so gelassen bewegte, so gelassen redete. Sicher und entspannt. Schon in seiner Nähe zu sein und nicht mal richtig nah, hatte ihre Anspannung gelöst.“ Die beiden lieben sich, doch nach der Schule verschwindet Tate zum Biologie-Studium in einer fernen Stadt und meldet sich nicht mehr.

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Buchbesprechung

Wie aufgrund des Titels zu erwarten, beginnt Jonas Jonassons Roman zunächst in Afrika und erzählt weitschweifig die Familiengeschichte des Medizinmannes Ole Mbatian. Der litt zwar daran, dass er von seinen zwei Frauen jeweils nur vier Töchter bekam, ansonsten aber guter Dinge war: „Nichts deutete darauf hin, dass Ole Mbatian der Jüngere in nicht allzu ferner Zukunft in Stockholm, Europa und auf der ganzen Welt für einigen Wirbel sorgen würde.“ 

Knapp 8000 Kilometer nördlich fragte sich der schwedische Rassist Victor: „Was sollte man mit den ganzen Arabern? Und Iranern. Irakern. Jugoslawen?“

Aber in der populistischen Partei, die eine nationale Revolution vorbereitete, wollte er nicht ganz unten anfangen. So schleimte er sich bei einem erfolgreichen Galeristen ein, heuchelte „Begeisterung für die ganze abscheuliche moderne Kunst“ und seine kleine Tochter Jenny. Dadurch erarbeitete er sich das „Spitzen-Sprungbrett“ für gesellschaftlichen Einfluss. 

Doch kurz bevor Victor Jenny heiraten und die Kunsthandlung übernehmen wollte, bedrängte ihn eine seiner Prostituierten, die er häufig besuchte. Bereits todkrank konfrontierte sie ihn mit ihrem kleinen Kevin: „Er ist dein Sohn.“ „Sohn? Scheiße, der ist doch schwarz.“ „Wenn Du mich genau ansiehst, geht dir vielleicht auf, wie es dazu kommen konnte.“ 

Um einen Skandal zu vermeiden, erkannte er die  Vaterschaft an und verpflichtet sich, für den Jungen zu sorgen. Er vermied jeglichen Kontakt und finanzierte nur eine Wohnung und ausreichend Pizza. Bevor die Hochzeit mit Jenny anstand, wollte Victor den unerwünschten Sohn in Kenia entsorgen und ließ ihn dort nachts in der Savanne zurück.

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Geisteskranke Frauen? Über den einfühlsamen Roman „Die Tanzenden“

„Die Tanzenden“ – der Debütroman von Victoria Mas war in Frankreich ein viel gelobter Bestseller  und erschien vor einiger Zeit auch bei uns. Das Buch über „verrückte Frauen“ entführt seine Leser in die berühmte Pariser Irrenanstalt Salpêtrière im späten 19. Jahrhundert. Es lässt sie am Alltag der Eingesperrten und ihre freudige Vorbereitung für das alljährliche Karnevalsfest in der Anstalt teilnehmen.

Auf dieser karnevalistischen Lustbarkeit in der Salpêtrière drängelt und schubst sich die Pariser Hautevolee, um die „exotischen Tiere besser betrachten zu können.“ Die feinen Leute sind fasziniert von den exzentrischen weiblichen Pierrots, Musketieren und Kolumbinen, Reiterinnen und Zauberrinnen, Troubadouren und Matrosen, Bäuerinnen und Königinnen. Doch zugleich gruseln sie sich vor der Fremdartigkeit der tanzenden Wesen und lauern begierig auf das Schauspiel eines hysterischen Anfalls. 

Mit solch einer hysterischen Darbietung beginnt der Roman: der berühmte Nervenarzt Jean-Martin Charcot führt Medizinern, Schriftstellern, Journalisten und Studenten regelmäßig die junge Louise und andere Frauen vor. Unter seiner Hypnose werden ihre Anfälle künstlich erzeugt, „um deren Symptome genauer zu untersuchen.“ Doch die Besucher „haben weniger den Eindruck einer psychischen Störung beizuwohnen als einem verzweifelten erotischen Tanz. Die verrückten Frauen waren nicht mehr angsteinflößend, sie faszinierten.“ In den sogenannten Lehrveranstaltungen stahlen sie den Stars an den Boulevardtheatern die Show. Louise selbst erlebt die demütigenden Aufführungen vor gierigen Männeraugen als ihren „Moment des Ruhms und der Anerkennung“ und fühlt sich als Schauspielerin.

Seit drei Jahren lebt die Sechzehnjährige aus der Unterschicht in der Anstalt, nachdem sie gedemütigt, vergewaltigt und misshandelt wurde. Beaufsichtigt wird sie neben Hunderten anderer, angeblich geisteskranker Frauen von der strengen wissenschaftsgläubigen Oberaufseherin Geneviève. Seitdem die aus der Auvergne nach Paris kam, hütet sie ein Geheimnis, das sich im Laufe der Lektüre erschließt.

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Das Spital als Bühne – Der neue Roman von Meyerhoff

Wenn jemand ein „gutes“ Buch lesen möchte, will er wohl kaum etwas über Schlaganfälle wissen. Zwar erzeugt dieses gesundheitliche Desaster dramatische Gefühle, aber sind die Stoff genug für gute Literatur? Ja, das zeigt uns der unvergleichliche Schauspieler und Literat Joachim Meyerhoff in seinem fünften Roman.

Wie es ist, „wenn man vom Spielfeld der Junggebliebenen geschubst wird.“ Bei dem Fünfzigjährigen in Wien wird ein erschreckender Schlaganfall  „zu einem Schlagerl, das a bisserl bamstig macht“, wie seine Ärztin wienert. Der in Norddeutschland aufgewachsene Autor freut sich, dass eine Katastrophe bereits dadurch milder wird, wenn die Worte andere sind. Die Symptome seines Schlagerls und die erste Hilfe beschreibt er zunächst assoziativ, schnell und atemlos (fast) ohne Punkt und Komma.

Doch nach der Ankunft im Spital wird es ruhiger. In der ersten Nacht legt er sich ungeachtet der Schläuche und Herzkabel vorsichtig auf die geschädigte taube Seite. Dadurch „stellte sich ein frappierendes Gefühl ein: Ich schien zu schweben. Zwischen der unversehrten Körperhälfte und der Matratze lag eine Pufferzone aus tauber Materie. Jetzt war meine gelöschte Körperhälfte zum Luftpolster geworden, durch das heiße Partikel strömten.“ 

Neun Tage lang bleibt der Autor im Spital und verwandelt mit seinem schrägen Blick das Innere des Krankenwagens, die morgendliche Intensivstation oder später den Speisesaal in Theaterbühnen. Hier tritt das kranke oder medizinische Personal auf und stellt groteske Geschichten dar – und der Autor bleibt nicht außen vor, sondern ist darin verwickelt. So nimmt Meyerhoff schreibend Distanz, gerade zu seinen eigenen Ängsten und Kränkungen in beklemmenden Situationen. Ohne larmoyant oder zynisch zu werden. 

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Ein Münsterer Tatort im Zwischenreich: „Limbus“

So viel ist sicher: Dieser 37. Tatort aus Münster wird nicht nur die Fans von Börne und Thiel irritieren, sondern auch die Tatort-Gemeinde spalten. Statt der ewigen Frotzeleien zwischen den beiden Kontrahenten, erleben die Zuschauer eine irrsinnige Geschichte, in der es wenig zu lachen gibt.

Lange, dunkle unterirdische Gänge. Altmodische Paternoster. Knöcheltiefes Wasser in düsteren Büros. Nach einem schweren Autounfall findet sich Professor Börne  im Limbus wieder, in der Vorhölle zwischen Leben und Tod – während er zugleich im Krankenhaus im Sterben liegt. „Wir sind froh über jede Stunde, die wir ihn noch am Leben erhalten können“, sagt die Ärztin seinen Münsterer Kolleginnen und Kollegen. Noch am Vorabend hatten sie in einer Kneipe vom Professor Abschied genommen, weil der sich eine Zeitlang beurlauben ließ, um ein Buch über den Tod zu schreiben. 

So viel können wir hier von diesen surrealen Ereignissen bereits verraten, weil die makabre Mischung – von Tatort-Krimi und Börne als Wiedergänger im Zwischenreich – nach fünf Minuten des TV-Films klar sind.

Kommissar Thiel glaubt nicht an Börnes schweren Unfall mit 180 km/h auf der nächtlichen Landstraße: „Das ist nicht seine Art! Außerdem war er stocknüchtern, als er die Kneipe verließ.“ Während der Kommissar gegen den Willen der Staatsanwältin Klemm klassisch ermittelt, versucht der Professor verzweifelt als Untoter die Ermittlungen zu beeinflussen und seine Assistentin Frau Haller („Alberich“) zu kontaktieren. Jedoch zwischen der realen Welt und dem Limbus ist keine Kommunikation möglich, allenfalls kann Alberich ihren Ex-Chef vage spüren, wenn der seine Hand auf ihre Schulter legt. Erst als sie kurzzeitig selbst dem Tod nahe ist, kann der Wiedergänger mit ihr Kontakt aufnehmen und sie warnen.

In der Zwischenwelt trifft der Untote auch auf die Ermittlerin Nadeshda aus Münster, die vor einiger Zeit im Tatort „Das Team“ ermordet wurde. Sie befindet sich ebenfalls noch im Limbus, hat sich dort aber verlaufen. „Der sieht ja aus wie Thiel“, sagt sie über den Geschäftsführer (den man früher Teufel nannte), der Börnes nahenden Tod bearbeitet und ebenfalls von Axel Prahl gespielt wird.

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Interview mit Nina Hoss

„Pelikanblut“ und „Schwesterlein“ – erst jetzt kommen zwei Filme mit Nina Hoss in die Kinos, die bereits vor der Corona-Pandemie anlaufen sollten. In „Pelikanblut“ spielt sie Wiebke, eine Mutter, die mit allen Mitteln um das Vertrauen ihres zweiten Adoptivkindes Raya kämpft. Der Streifen „Schwesterlein“ zeigt sie als Lisa im Ringen mit dem Tod des kranken Zwillingsbruders (siehe Filmbesprechungen). In beiden Filmen hat man das Gefühl, dass die Schauspielerin selbst an ihre Grenzen geht. Aber gar nicht durch dramatisches oder exzessives Spiel, sondern durch spürbare Einfühlung in die Figuren und die Authentizität ihrer Darstellung.

Beide von ihr gespielten Frauen kämpfen (scheinbar) mit fehlender instrumenteller Vernunft und akademischer Logik – ohne Rücksicht auf ihr mahnendes Umfeld – gegen ein unabänderliches Schicksal. Im Gespräch geht Nina Hoss tief in die Details, sagt aber viel Allgemeines über die von ihr dargestellten Frauen und ihre Arbeit.

Frage: 
Sind die beiden Figuren besessen oder sind sie voller Glaube, Liebe, Hoffnung?

(lacht) Ich kann die Kraft beider Frauen individuell erklären: Wiebke weiß in „Pelikanblut“ als „Horsemanship“-Frau,hier sagt man fälschlich Pferdeflüsterin, dass Tiere trotz schlechter Erfahrungen mit Menschen wieder Vertrauen gewinnen können: Ohne Druck und Gewalt. Was sie da verstanden hat, will sie auch mit ihrem neuen Adoptivkind verwirklichen. Sie ist ja eine unglaublich einfühlsame Frau, die Vertrauen herstellen kann. 

Den beiden Mädchen aus Bulgarien, nur da darf man sie als alleinerziehende berufstätige Frau adoptieren, will Wiebke auf ihrer „Ranch“ größtmögliche Freiheit und Entwicklungsmöglichkeit gewähren. Jetzt funktioniert das aber nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Was heißt das, wenn ich auf Widersprüche, auf Hindernisse stoße? Wie schnell sage ich, ach, das lasse ich sein und gebe den anderen auf… 

Frage 
…das ist in Wiebkes Leben nicht vorgesehen?

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