Die Performance-Trilogie „Leave Paradise“ im Grimm-Haus: „Rotkäppchen“ (Teil 1)

 

Drei Abende lang führt der Sprachkünstler Simon Weiland seine Performance-Trilogie „Leave Paradise“ im Grimm-Haus in Steinau an der Straße auf. Der Ursprung seiner Darbietungen sind Märchen der Brüder Grimm, die er kunstvoll in Szene setzt und radikal auseinander nimmt.

„Was ist, wenn der Wolf im Schafspelz sich ausgibt als der gute Hirte?“ Am ersten Abend geht es um Rotkäppchen, eine Stunde lang schlägt der Mann das Publikum im Grimm-Haus mit seinen Worten in den Bann. Mit intensiver Mimik und Körpersprache, wilden oder sanften Gesängen, Rollentausch und wechselnden Stimmen seziert er das von den Grimm-Brüdern arg gezähmte Märchen. Der Performer ist mal ein komischer, mal Gänsehaut erzeugender Sprachkünstler, der in keine Schublade passt.

Noch relativ konventionell stellt er mimisch dar, was Rotkäppchen im Wald soll, wie es plötzlich krumme Wege mit dem Wolf geht und dabei ihre Unschuld verliert. „Sah ein Knab’ ein Röslein stehn, Röslein auf der Heide.“ Mit seinem Gesang zur Gitarre entlockte Weiland die mächtig erotische Unterströmung des Volkslieds (und Goethe-Gedichts). „Rotkäppchen, wo bist Du?“ heult der einsam zurückgebliebene Wolf, denn „Rotkäppchen wollte nicht auf der Heide bleiben, keine Heidin sein.“ Sie geht nach Rom, dort tragen die Kardinäle ebenfalls rote Kappen…

Kühne Assoziationen, Wortspiele und Gedankensprünge wechseln mit bös grotesken Sequenzen: Weiterlesen