Zum Ende der 65. Berlinale (Kommentar)

Die Filmfestspiele in Cannes sind glamouröser, die in Venedig ambitionierter? Na und? Mit über 320.000 privaten Besuchern ist die Berlinale das größte Zuschauerfestival der Welt, mehr als 20 Millionen Euro fließen dadurch in ihre Kasse. Von wegen fehlende Programmatik oder unzureichend kuratiert: In einem Dutzend Sektionen liefen 441 Filme – vom Märchentraum für die ganze Familie bis zum experimentellen Geflimmer, vom Politthriller bis zum Genderporno. Und vor allem jede Menge einfach nur gut erzählte, sehenswerte Filme.

Dazu fanden bei den Festspielen Minderheiten, Unterdrückte und Ausgegrenzte aus aller Welt ein cineastisches Forum. „Durch den Film sind wir mit den Problemen dieser Welt verlinkt“, meinte Festivalleiter Dieter Kosslick. Völlig zu Recht bekam deshalb der im Iran mit Berufsverbot belegte und politisch verfolgte Filmemacher Jafar Panahi den Goldenen Bären für seinen subversiven Wettbewerbsbeitrag „Taxi“. Eigentlich gilt ja für die Beurteilung eines Films, dass eine geniale Idee noch kein gutes Werk ausmacht.

Doch in Zeiten, in denen Künstler für die Freiheit der Kunst sterben, darf auch die Kunst für die Freiheit der Künstler kämpfen. Panahis listiges Meisterwerk ist kein Jammerfilm, sondern zeigt – oft sehr humorvoll – Menschen im iranischen Alltag unter der Mullah-Diktatur. Den silbernen Bären für „einen Spielfilm der neue Perspektiven eröffnet“ bekam „Ixcanul“. Auch dieses Werk verknüpft beispielhaft künstlerische Ambitionen mit politischem Engagement, hier für die diskriminierten Ureinwohner Guatemalas.

An bildgewaltigen oder schrillen Werken fand die „Große Jury“ der Berlinale wenig Gefallen, sondern goutierte ansonsten eher Filme mit ausschweifenden Dialogen. Jedoch waren die Entscheidungen in sich stimmig, peinlich ist lediglich der Silberbär für das zweistündige Kameragewackel im Berlinfilm „Victoria“. Diese Auszeichnung ist wohl eine Reminiszenz an die Gestaltung verweigernde You-Tube-Generation. Doch wie sagte Regisseur Panahi als Taxifahrer in seinem preisgekrönten Werk: „Alle Filme sind es wert gesehen zu werden!“