Neues von der Berlinale (6)

„Das Wochenende der starken Frauen“, schrieb eine Berliner Zeitung. Ich denke, vielleicht wird es ja sogar ihr Festival. Man hat vergessen, dass im frühen Hollywood Frauen ja die erfolgreichen Filme machten, bis die Männer die cineastische Goldgrube entdeckten.

Im Wettbewerb haben mich zwei osteuropäische Streifen von Regisseurinnen sowie ihre Schauspielerinnen stark berührt: Sie sind meine Bärenfavoriten. Im ungarischen „Testről és lélekről“ wechseln zunächst sanfte Bilder von Hirschen im Wald mit Szenen aus dem Schlachthaus. Zwei dort Arbeitende haben, ohne es zu wissen, immerzu den gleichen Traum als Hirsch und Hirschkuh. Behutsam verlieben sich diese beiden, vom Leben verletzte Menschen ineinander. Was zunächst brutal, später auch esoterisch wirkt, wird mit unglaublichen Bildern erzählt.

Ich habe noch nie einen Film gesehen, in denen eine bereits gute Geschichte mit solch durchkomponierten Tableaus erzählt wird. Dieses Werk wird von den Kritikern sehr gelobt, doch seine außerordentliche Ästhetik kaum erwähnt. Der übersetzte Titel, „Seele und Körper“ provoziert ansonsten auch die Frage, ob Tiere eine Seele haben.

Heftig bestreitet das ein katholischer Pfarrer im polnischen Streifen „Pokot“ (Spur) und denunziert es als Blasphemie. Der Verfilmung liegen Worte William Blakes, zugrunde, hier in der düsteren Landschaft, die von ihm erdacht sein könnte, werden Tiere bestialisch gejagt. Möglicherweise schlagen diese Kreaturen zurück und töten allmählich alle brutalen Machos einer Jagdrunde. Aber tun sie das wirklich? Der Streifen ist kein Fantasy Film, sondern changiert zwischen Psychothriller, Ökofilm und Märchen.

Auf die etwas dusselige Frage eines Reporters, ob nun die gequälten Tiere Menschen töten sollten, meinte die Regisseurin recht grundsätzlich: Filme seien doch keine Propaganda, sondern Kunst, die Fragen aufwerfe. Die Tiere seien im übrigen auch eine „Metapher für die Schwächsten in der Gesellschaft.“

Foto aus „Testről és lélekről“ © Berlinale 2017

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