Neues von der Berlinale (3)

„Schau für uns mit!“, schrieb ein Freund als Widmung in den Berlinale-Roman „10 Tage im Februar“, den er mir zum Abschied schenkte. Die Ich-Erzählerin und „echte“ Filmkritikerin Heike Melba-Fendel, wird für die Zeit der Festspiele von ihrem Mann verlassen. Sie stürzt sich in den Rummel und reflektiert zugleich ihre Beziehung zu ihm – den sie nur „der Mann“ nennt und am Ende verlässt. In ihren Erinnerungen verweben sich Geschichten und Filme der letzten Berlinalen, an die auch ich mich gut erinnere. Es war die Zeit, als Anke Engelke noch selbst in den Pressekonferenzen kluge Fragen stellte oder behauptete, Schlaf werde auf der Berlinale überschätzt.

Schon sehr spät sah auch ich gerade, „Es war einmal in Deutschland“ mit Moritz Bleibtreu. Er spielt in diesem wunderbar melancholischen und zugleich humorvollen Film einen Juden, der durch seine Schlitzohrigkeit, vielleicht aber auch durch Verrat das Lager überlebt hat.

Wie viele andere wird wohl auch dieser Streifen aus der Panorama-Sektion nicht in Osthessen laufen. Es kommen ja nicht einmal alle Wettbewerbsfilme in die deutschen Kinos. Zum Glück hat das ZDF diesen Film mitfinanziert, so dass er bei uns wenigstens im Fernsehen zu sehen sein wird. Sehr viele Kino-Filme werden neben der Länder- und Bundesfinanzierung mit fast 400 Millionen Euro im Jahr vom öffentlich-rechtlichen TV mitfinanziert und wenigstens irgendwann von ihnen ausgestrahlt.

Neulich las ich, die deutsche Filmwirtschaft habe nicht nur diese kulturelle, sondern auch große wirtschaftliche Bedeutung: In der Branche werden von 160.000 Beschäftigten jährlich fast 25 Milliarden Euro erwirtschaftet, die Hälfte vom Fernsehen.

Doch allein 260 deutsche Filme im letzten Jahr, wer soll die alle sehen, fünf Streifen pro Woche? Wir machen mit unserer Auswahl bei der Berlinale „quasi kulturelles Marketing“, meinte Festivaldirektor Dieter Kosslick.

Quelle Zahlen:
Bundeswirtschaftsministerium nach FR 3.2.17

Foto: Abends bei Vollmond nach Hause kommen…