In zwei „Kesseln Buntes“ und einem Teil der Galerie zeigt der Kunstverein Fulda „Präsenz“ (Ausstellungstitel) im Museum Modern Art in Hünfeld/Ost-Hessen. 25 Kunstschaffende wurden in das alte Gaswerk eingeladen, die bei den Aufgaben des Vereins besonders engagiert waren.
Eine Plane mit der Frau, die mit der Stirnlampe nach Kunst sucht, markiert den Eingang zwischen den Kesseln. Bereits im ersten Tank begegnet man einem gigantischen Wal im blaugefärbten Ozean, gemalt mit Ölpastell und Acryl auf Leinwand. Darunter – quasi auf dem Meeresgrund – lagern skurrile Wesen, rote oder oxidierte Stahlskulpturen, die mit den verrosteten Wänden korrespondieren. Sowohl deren Patina, als auch das Blau des Meeres setzt sich in den links angrenzenden dunklen Gemälden fort.
Deren mythologische Motive – etwa „Die Göttin“ oder „Eruption“ – regen die Fantasien an. Dazwischen ein Mobile aus Kupferplatten, die sich in die Anmutung der Figuren und Rostwände einklingen. Es steht für Gleichgewicht und Leichtigkeit, mildert die etwas dunkle Wirkung der Ecke. Rechts von der „Begegnung mit dem Wal“ zwei Bilder wie Bullaugen. Man schaut hinaus aufs Wasser. Weitere ozeanische Blicke folgen bis zu dem Mann, der in seinem Werk eine Wand wasserblau streicht. Nun weiß er: „Beinahe am Meer zu sein“. Begrenzt wird das Wasser zu den folgenden Landschaften mit drei weißen Stelen.
Auffällig ist die hervorragende und ungewöhnliche Kuratierung – viele Beiträge beziehen sich aufeinander und den umgebenden Raum. In den Kesseln bricht diese Ausstellung konsequent das White-Cube-Konzept. Sie hebt die Kunstwerke nicht aus dem Alltag, lässt sie nicht autonom erscheinen oder für sich sprechen.
Noch stärker, geradezu als körperlich erfahrbares Eintauchen (Immersion) ist das im zweiten Behälter spürbar: Das Environment wird zum Erlebnisraum jenseits des White Cube. Von der Decke hängen zahlreiche „Himmel / Hirngespinster“, kleine textile und metallische Dinge, die den Blick auf eine sinnliche Serie von sechs großen schwarzweißen Akten oder kühne Objekte aus Bauschutt mit Gips („Mutter und Kind“) beeinflussen.
Je nach Standpunkt werden die Sichtweisen ständig verändert, aber wenn man näher herangeht, kann man die Arbeiten auch individuell betrachten. Ebenfalls die weiteren Aktbilder und Figuren im Rund.
Im gebogenen, lichtdurchfluteten Gang von den Tanks zur Galerie hängen an der rostigen Wand kleiderartige Gebilde mit aufgestickten Empfindungen wie „gelähmt“, „gereinigt“, „verknotet“, „verengt“ – also festgehaltenen Spuren innerer und äußerer Auseinandersetzungen. Farbige Flecken auf den Textilien erinnern an diese Prozesse.
Dann erreicht man die Galerie, wo etliche Malereien und Skulpturen thematisch gruppiert sind. Zu sehen sind „Akte“, „Köpfe“ oder Darstellungen von Menschen. Dazwischen 24 textile Collagen, die wie Steine und Kiesel anmuten, zwei flammenartige Holzgebilde und weitere abstrahierte Plastiken. Das große grüne Gesicht – „Mit Frühlingsgefühlen nach dem Coronawinter“ – blickt uns an. Eine kokett wirkende „Traumtänzerin“ verweist auf das Ende der Ausstellung.
Mit 101 Objekten sind die Fuldaer Kunstschaffenden im Museum Modern Art sichtbar präsent. Sie haben kein Sammelsurium angehäuft, sondern ihre Arbeiten überzeugend zusammengestellt. Durch die bunte Vielfalt wird begreifbar, wie mannigfaltig Präsenz sein kann: „Kraftvoll oder zurückhaltend, laut oder leise, unmittelbar oder fragend. Präsenz zeigt sich in Material, Form, Geste – im Verhältnis zum Raum ebenso wie im Blick der Betrachtenden“, so die erste Vorsitzende des Kunstvereins, Anne Härtel-Geise, zur Eröffnung.


Geradezu ein körperlich erfahrbares Eintauchen ist im zweiten Behälter spürbar

Bereits im ersten Tank begegnet man einem gigantischen Wal im blaugefärbten Ozean


„Mit Frühlingsgefühlen nach dem Coronawinter“ und 24 Texttilcollagen


Suchen nach der Kunst und Kleiderartige Gebilde mit aufgestickten Empfindungen
Service:
Öffnungszeiten Donnerstag bis Sonntag 15 – 18 Uhr
Künstlergespräch, gemeinsamer Ausstellungsrundgang und sommerliche Drinks
am 3. August 2025, ab 14 Uhr.
Weitere Infos: