„Barfuß in Paris“

Unzählige Filme zeigen Menschen, die in Paris auf Abwege geraten, sich dort verlieren oder anderen Unbilden ausgesetzt sind. Mit solch einem Abenteuer geht der französisch-belgische Spielfilm „Barfuß in Paris“ auf ganz besondere Weise um.

Die Erlebnisse der Kanadierin Fiona, die ihrer alten, bedürftigen Tante in der Seinestadt zur Hilfe kommen möchte, ist eigentlich ziemlich banal. Doch wie diese leicht surreale und tragikomische Geschichte erzählt wird, das ist einfach großartig.

Schon der Beginn des Streifens ist umwerfend komisch – als die Bibliothekarin Fiona (Fiona Gordon) aus dem Schneesturm in die Bücherei kommt, werden alle Personen durch die Luft gewirbelt, bis sie die Tür wieder schließt. „Ich fahre nach Paris“, verkündet die unglaublich manieriert wirkende Filmfigur, nachdem sie die Post durchgesehen hat. Dort in der französischen Hauptstadt sehen wir sie dann mit einem riesigen Rucksack, auf der ein kanadischer Wimpel steckt. Bald landet sie beim Selfie vor dem Eifelturm ziemlich clownesk in der Seine, verliert im Wasser alle ihre Sachen, Papiere und Geld, die bald darauf der ziemlich schräge Obdachlose Dom (Dominique Abel) findet. Tanta Martha (Emmanuelle Riva, ja, die alte Dame aus „Liebe“ von Michael Haneke) ist verschwunden und Fiona ist recht verzweifelt, bis sie ihrem Retter Dom begegnet, der mit – ihrem – Geld nur so um sich wirft. Bis beide nach unzähligen Slapsticks endlich der verschwundenen Tante begegnen, ist der Film auch schon fast um.

Kollegen haben an den Film der beiden Regisseure und Theaterkomiker Gordon & Abel – die quasi sich selbst spielen – kritisiert, dass die aneinandergereihten Pantomimen den Film nicht tragen. Also, Pantomimen kommen in dieser cineastischen Burleske überhaupt nicht vor, wohl aber viele surreale, humorvolle und auch tragische Momente. Dadurch erinnert er ein wenig an den legendären Streifen „Delicatessen“, die Darsteller*innen wiederum wirken wie Fellini- oder Kaurismäki-Figuren. Dem Regieduo ist ein wunderbarer, sehenswerter Film gelungen, der, wie sie selbst sagen, sich dem Zeitgeist verweigernd einfach fröhlich ist.

„Barfuß in Paris“, F/B 2016, 83 min. Bereits angelaufen (Filmstart 7. September 2017)
Regie Gordon & Abel mit Emmanuelle Riva, Gordon & Abel, Pierre Richard und anderen

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