„Kaspar Hauser“ in Darmstadt / Wiesbaden“, „Penelope wartet“ in Gießen
Zum Frühlingsanfang präsentieren einige hessische Bühnen neue Tanzstücke mit alten Themen. Das Staatsballett Darmstadt-Wiesbaden zeigt „Kaspar Hauser“, im Stadttheater Gießen gibt es „Penelope wartet“ auf Odysseus.
Ein Ensemble aus griechischen Skulpturen und eingefrorenen Tänzerinnen bildet die Rückwand der Gießener Theaterbühne. Über die Zuschauer hinweg krabbelt ein Tänzer zur Rampe, eine Ballerina löst sich aus der Kulisse, beide paaren sich tanzend. „We are going back to Ithaka“, brüllen weitere Tänzer, die nach vorne drängen und mit Tänzerinnen seltsame Soli, Paar- und Gruppentänze zwischen Akrobatik und klassischen Schritten zelebrieren. Begleitet werden die Rückkehrer von live gespielter, percussiver Minimal Musik.
„Penelope wartet“ zeigt nicht Odysseus Abenteuer, sondern die Gefühle seiner wartenden Frau in Ithaka. Choreograf Tarek Assam präsentiert assoziative Tableaus, die viel Raum für Fantasien der Zuschauer lassen. In Penelopes Träumen von Begierde und Sehnsucht taucht der verschwundene Odysseus auf. Mit beklemmenden Tänzen wird sie von Freiern und ihren Untertanen zur erneuten Heirat gedrängt. Spannende Soli Penelopes wechseln mit Formationen der Compagnie. Oft tanzt sie mit einem Helfer, der ganz großartig, ohne weitere Verkleidung als Hund, Wächter oder Bettler agiert. Irgendwann nervt die facettenreiche, aber durchgehende Minimal Musik. Man wünscht sich, mal das Quietschen der Bretter, das Keuchen der Tanzenden oder Stille zu erleben – es ist, als traue Assam dem Tanz nicht.
Nach der Pause ist die kleine Bühne vollgestopft mit zahlreichen griechischen Bildwerken, einem Wagen mit riesigen Pauken und den Tanzenden. In einem Inferno aus Kampftänzen, wechselndem Licht und dröhnender Musik geht alles, was Assam vorher kunstvoll choreografisch aufgebaut hat, den Bach runter… Weiterlesen