„Unter deutschen Betten“ – eine nette Buchverfilmung mit Veronica Ferres

Vor einigen Jahren war Justyna Polanskas Buch „Unter deutschen Betten“ ein Bestseller. Jetzt kommt dieses Tagebuch einer polnischen Putzfrau, inhaltlich stark verändert, mit Veronica Ferres in die Kinos.

Das Buch hat keine durchgehende Handlung, keinen Erzählfluss, sondern ist eine Sammlung humorvoller, gelegentlich auch bitterer Beobachtungen beim Putzen um und unter deutschen Betten. Polanskas Erlebnisse sind nicht direkt verfilmt, sondern die überdrehte Komödie fantasiert eher nebenbei, wie das Buch entstand und an die Öffentlichkeit kam.

Also: Zunächst ziemlich klamaukig versucht die alternde Schlagersängerin Linda (Veronica Ferres) ein Comeback. Doch bei der Darbietung ihres lang erwarteten neuen Songs stürzt sie von der Bühne – und fällt auch im Leben tief: Ihr Manager und Lover Friedrich (Heiner Lauterbach) macht sich mit einem jüngeren Sternchen aus dem Staub, ändert vorher aber noch den Zugangs-Code für seine Villa. Linda versucht in das Anwesen einzudringen, um im hauseigenen Tonstudio einen neuen Hit zu produzieren. Doch dabei bleibt sie in der Katzenklappe stecken, kommt nicht vor und zurück – ihr prächtiger Hintern wird von einem aufgeregten Hund besprungen.

In der Früh wird Linda von ihrer ehemaligen Putzfrau Justyna (Magdalena Boczarska) befreit und landet, nach einem Zickenkrieg mit ihr, in deren multikultureller Wohngemeinschaft. Mit dem dort lebenden libanesischen Taxifahrer, der eigentlich Arzt ist, arbeitet sie an ihrem neuen Song. Der Reinigungskraft hilft sie beim Putzen, um heimlich das Studio nutzen zu können. Da sich die blasierte Linda bisher immer nur im Kreis dekadenter reicher Leute bewegte, geschehen ihr fortlaufend slapstickartige Missgeschicke im Alltag: Sie bleibt nicht nur in der Katzenklappe stecken, sondern saugt beim Putzen mit dem Staubsauger einen Goldhamster auf, bleicht einen sündhaft teuren roten Koi oder steckt ein Badezimmer in Brand. Als sie mitbekommt, dass Justyna ein interessantes Tagebuch über ihre Putzarbeit schreibt, versucht sie gegen deren Willen einen Verlag zu finden… Weiterlesen

Bazon Brock setzt Besucherschule in Wittenberg fort – Kunstausstellung bis zum 1. November 2017 verlängert

Im Alten Gefängnis der Lutherstadt Wittenberg setzten sich bekannte zeitgenössische Künstler wie Ai Weiwei oder Markus Lüpertz mit dem Reformator auseinander. Dazu lädt der Ästhetik-Professor Bazon Brock in eine Besucherschule zur Ausstellung ein.

„Sie müssen ja dumm sein, wenn Sie nur hierher kommen um zu sehen, was Sie bereits kennen.“ Mit diesen Worten entlässt Brock (81) nach seiner eineinhalbstündigen hochinteressanten Vorlesung die Besucher in das düstere Gemäuer, das für einen gemeinsamen Rundgang viel zu eng ist. 66 Künstler haben eine Zelle gewählt und als Kunstwerk umgestaltet oder die Flure und den Hof für ihre Installationen genutzt. „Die meisten“, so Brock, „setzten sich auf vielfältige Weise mit dem Ausstellungs-Thema ‚Luther und die Avantgarde’ auseinander, nur wenige präsentieren das, was sie immer zeigen.“ Jonathan Meese etwa ruft mit einer Videobotschaft in seinem wild bemalten Kabuff wieder einmal „Die Diktatur der Kunst“ aus.

Ohne weitere Sinndeutungen sind manche Installationen berührend, die sich direkt auf den tristen Ort beziehen, der von 1906 noch bis 1965 in Betrieb war. Eine Künstlerin installierte auf dem blanken Boden eine große nackte Schaufensterpuppe, wittenberg-face-2-2.jpgdie ab und zu mechanisch ihren Hintern heben und anbieten muss. Weiterlesen

„Körper und Seele“ – Der Gewinnerfilm der Berlinale 2017 im Kino

Von Menschen, die sich in ihren Träumen treffen

Eine Liebesgeschichte im Schlachthof? Nie bin ich missmutiger in eine Pressevorführung der Berlinale gegangen. Doch dann wurde der Film „Körper und Seele“ zu meinem Favoriten für den Goldbären. Der ungarische Streifen gewann tatsächlich den Wettbewerb, erhielt auch den Publikumspreis und kommt jetzt bundesweit in die Kinos.

Ein Hirsch und eine Hirschkuh streifen zärtlich miteinander durch einen verschneiten Winterwald. Mit dieser sehr langen Einstellung fängt der Film an, doch nach einem harten Schnitt beginnt die angekündigte Liebesgeschichte im Schlachthaus. Dort hat die unbeholfene Maria (Alexandra Borbély) ihren ersten Arbeitstag als Qualitätsprüferin, ihr Chef Endre (Géza Morcsányi) setzt sich in der Kantine zu ihr, aber diese erste Begegnung misslingt. Zu schroff weist Maria den Betriebsleiter zurück, doch abends zu Hause spielt sie ihr Erlebnis mit Salz- und Pfefferstreuer nach. Nach und nach wird deutlich, Maria ist nicht arrogant sondern kann mit Gefühlen und Beziehungen nicht umgehen, dafür wird sie auch bald mächtig von ihren Kollegen gemobbt.

Immer wieder, insgesamt achtmal, wird der Filmfluss durch die poetische Szene mit dem Hirschpaar unterbrochen. Nach einem Diebstahl im Schlachthof versucht eine Psychologin, dem Täter auf die Spur zu kommen… Weiterlesen

„Barfuß in Paris“ – ein hinreißender Film

Die Erlebnisse der Kanadierin Fiona, die ihrer alten, bedürftigen Tante in der Seinestadt zur Hilfe kommen möchte, ist eigentlich ziemlich banal. Doch wie diese leicht surreale und tragikomische Geschichte erzählt wird, das ist einfach großartig.

Schon der Beginn des Streifens ist umwerfend komisch – als die Bibliothekarin Fiona (Fiona Gordon) aus dem Schneesturm in die Bücherei kommt, werden alle Personen durch die Luft gewirbelt, bis sie die Tür wieder schließt. „Ich fahre nach Paris“, verkündet die unglaublich manieriert wirkende Filmfigur, nachdem sie die Post durchgesehen hat. Dort in der französischen Hauptstadt sehen wir sie dann mit einem riesigen Rucksack, auf der ein kanadischer Wimpel steckt. Bald landet sie beim Selfie vor dem Eifelturm ziemlich clownesk in der Seine, verliert im Wasser alle ihre Sachen, Papiere und Geld, die bald darauf der ziemlich schräge Obdachlose Dom (Dominique Abel) findet. Tanta Martha (Emmanuelle Riva, ja, die alte Dame aus „Liebe“ von Michael Haneke) ist verschwunden und Fiona ist recht verzweifelt, bis sie ihrem Retter Dom begegnet, der mit – ihrem – Geld nur so um sich wirft. Bis beide nach unzähligen Slapsticks endlich der verschwundenen Tante begegnen, ist der Film auch schon fast um.

Kollegen haben an den Film der beiden Regisseure und Theaterkomiker Gordon & Abel – die quasi sich selbst spielen – kritisiert, dass die aneinandergereihten Pantomimen den Film nicht tragen. Also, Pantomimen kommen in dieser cineastischen Burleske überhaupt nicht vor, wohl aber viele surreale, humorvolle und auch tragische Momente. Dadurch erinnert er ein wenig an den legendären Streifen „Delicatessen“, die Darsteller*innen wiederum wirken wie Fellini- oder Kaurismäki-Figuren. Dem Regieduo ist ein wunderbarer, sehenswerter Film gelungen, der, wie sie selbst sagen, sich dem Zeitgeist verweigernd einfach fröhlich ist.

„Barfuß in Paris“, F/B 2016, 83 min. Bereits angelaufen (Filmstart 7. September 2017)
Regie Gordon & Abel mit Emmanuelle Riva, Gordon & Abel, Pierre Richard und anderen

FOTO filmkinotext

Performance „Baby was a black sheep“

Performance während der Kunstwoche
auf der Wiese neben der „Kunststation“ Kleinsassen (Rhön)

Mit zwölf weißen Kunstschafen und einem schwarzen Schaf zeigen Hannah Wölfel und Hanswerner Kruse einige kleine Performances neben der „Kunststation“ Kleinsassen. Mal gruppieren sie die weißen Tiere bedrohlich um das schwarze, mal führt das schwarze Schaf mutig die weißen an. Durch kleine Veränderung in den Beziehungen der Geschöpfe zueinander können sich auch die Gefühle der Zuschauer verändern – die können schwanken zwischen Mitleid, Empörung oder fröhlicher Überraschung.

Wie verändern sich diese Tableaus wenn die beiden Performer selbst als Kunstfiguren zwischen den Schafe agieren, sich daneben legen oder dazu stellen? Wie verhalten sich die Kunstwerke auf der Wiese und die Schafe zueinander? Wölfel und Kruse wollen das Entstehen neuer lebender Bilder ausprobieren und zeigen die Performance:

baby was a black sheep…“ am Samstag 19. August während der Kunstwoche
um 16 und 17 Uhr auf der Wiese neben der „Kunststation“ Kleinsassen
Eintritt frei!

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Foto:
Performance „baby was a black sheep…“ in Steinau vor dem Museum Grimm-Haus

Die beiden Performer Wölfel und Kruse leben in Schlüchtern und Berlin. Als „Gruppe Prompte Rührung“ arbeiten sie mal intensiver, mal sporadisch als Aktionskünstler zusammen. Ihre erste Performance inszenierten sie 1987 auf dem Frankfurter Römer.

„The Rite of Spring“ als Tanz-Triptychon im Kasseler Staatstheater

In einem Tanz-Triptychon beschäftigen den Choreografen Johannes Wieland ausgegrenzte, um Halt ringende, nach neuen Wegen suchende Menschen.

Wie immer im Kasseler Tanztheater zeigt die Compagnie kein Erzählballett mit Synchrontänzen. Stattdessen werden die Besucher durch ein Gesamtkunstwerk aus Bewegung, Musik, Licht und Bühnenbild zu eigenen Assoziationen herausgefordert. Die Choreografie ist kein Gefühlstheater, sondern lässt Emotionen in kurzen, schnell wechselnden Bildern aufblitzen:

Ein Tänzer stürzt in einen engen Betonschacht, Stahlleitern führen ins Nirgendwo. Er rennt im Kreis, geht (wörtlich) die Wände hoch. Allmählich kommen Männer und Frauen dazu. Paare finden sich in kurzen gemeinsamen Bewegungen. Tänzer wickeln sich Tänzerinnen um den Hals, hängen selbst mal wie Affen an eisernen Sprossen. Immer wieder sind die Akteure einsam. Zwischendurch ist die Solo-Violine mit einer Partita (Nr. 2 d Moll) von Johann Sebastian Bach zu hören.

Im zweiten Tableau des Triptychons sind die Betonwände auseinander gezogen, das Ensemble hat mehr Platz. Breitbeinig, manchmal bis zum Spagat, agieren die Tanzenden oft nur mit Oberkörpern und Armen. Dazu lautlose Schreie, gebremste Bewegungen, zeitlupenhafte Veränderungen. Ineinander verwobene, sirrende Klänge von Györgi Ligeti („Ramifications“) setzen ein, aber es ist, als seien diese Töne längst vorher in die Körper der Tanzenden gefahren.

Nach der Pause folgt Igor Strawinskys „Sacre de Printemps“, im englischen „The Rite of Spring“ (Frühlingsopfer), das dem Tanzabend den Namen gibt. Der Verfasser dieser Zeilen fürchtete, die Kasseler Compagnie könne die Herausforderung nicht bewältigen. Die dissonanten Klänge des „Sacres“ waren, nach Strawinskys Wiederbelebung des Erzählballetts („Feuervogel“ und „Petruschka“, ein riesiger Skandal. Weiterlesen

„Die Heilige Johanna auf dem Scheiterhaufen“ – eine außerordentliche Inszenierung in Frankfurt

Die Frankfurter Oper beendet ihre Spielzeit mit einer außerordentlichen Inszenierung des szenischen Oratoriums „Die Heilige Johanna auf dem Scheiterhaufen“ (Jeanne d’Arc au Bûcher)

Zunächst träumt eine Frau im Himmel, zu den spätromantischen Klängen Claude Debussys („Die Auserwählte“), hoffnungsvoll von ihrem irdischen Geliebten. Sie sehnt sich, hier bald mit ihm vereint zu werden: „All das wird sein, wenn er kommen wird.“

Übergangslos erklingt nun die sphärische Musik des Oratoriums. „Finsternis lag über dem Land“ intoniert der stark erweiterte Chor der Oper, „es war ein Mädchen namens Jeanne.“ In einem Lift schwebt sie aus dem Himmel, der durch eine zweite, gläserne Bühnenebene gebildet wird. Bald schreit und singt der Riesenchor, der sie eben noch hochleben ließ, als aufgehetzter und ihren Tod fordernder Mob: „Hexe“ und „Ketzerin“. „Bin ich das?“, fragt fassungslos Jeanne, verkörpert durch Schauspielerin Johanna Wokalek. In zehn Bildern erinnert sie sich dann an Szenen aus ihrem Leben.

Die großartigen üppigen Tableaus, die fast immer vom gesamten Chor dargestellt und besungen werden, zeigen das Glücksspiel dekadenter Herrscher um Jeannes Leben, wilde heidnische Freudenfeste oder den Empfang ihres siegbringenden Schwertes durch Erzengel Michael. Schauerlich das Tribunal und die angedeuteten Folterszenen auf einem Schrottplatz. Der Vorsitzende des Gerichts ist ein ordinäres Schwein, die vulgären Beisitzenden blöken als Schafe „mäh, mäh.“ Zum Schluss findet die Totgeweihte zu sich und verliert ihre Angst, „Du bist nicht alleine“, ruft eine Stimme vom Firmament.

„Jeanne d’Arc au Bûcher“ ist keine Oper… Weiterlesen

F°-LAB – Das erste Performance-Festival in Frankfurt

Im Frankfurter Gallusviertel präsentiert das LAB, eine mit dem Mousonturm verbundene experimentelle Spielstätte, sein erstes Performancefestival. Das Programm vom 22. Juni bis zum 1. Juli wurde in einer Pressekonferenz vorgestellt.

Die riesige weiße Halle 1 im LAB ist durch einen transparenten Vorhang geteilt. Am Rand liegt Alltagskleidung der Tanzenden herum, dazwischen Äpfel, Wasserflaschen, Aufzeichnungen. Eine größere Gruppe probt hier eine längere Choreografie. Hinter dem Vorhang empfängt ein junges Paar in seltsamen Blümchen-Anzügen die Pressebesucher. Zu sanfter Klaviermusik klammern sie sich aneinander, verschmelzen, lösen sich, begegnen einander erneut: Ein Pas de Deux so freundlich wie ihre farbenfrohe Kleidung. In Halle 2 geht es dagegen düsterer zu, hinter einer Absperrung aus weißer Gaze wuseln Wesen in weißen Anzügen, davor bewegt sich gelegentlich ein Tänzer zu elektronischer Musik, mal ganz wild und flatternd, dann wieder ruhig und entspannt.

Hier eine schlichte, fast neoromantische Choreografie, dort eine verrätselte aber bedrohliche Inszenierung. So unterschiedlich wie die beiden Tanzstücke ist auch das Festival-Programm. Professionelle, bereits bekannte Performer des Ensemble Moderns und der Dresden Frankfurt Dance Company begegnen zehn Tage lang Absolventen aller hessischen Hochschulen für Theater, Tanz und Musik. Der Gießener Komponist und Professor Heiner Goebbels schrieb zum Geleit ins Programmheft: „Wenn Kunst nur im Kopf entsteht, reproduzieren wir, was wir schon wissen.“ Neue Kunst aber brauche ungewöhnliche Orte und interdisziplinäre Begegnungen.

Täglich gibt es also mehrfach tänzerische, musikalische und theatralische Darbietungen, die meist in Grenzbereichen des Gewohnten angesiedelt sind. Weiterlesen

„Baby was a black sheep“ – Performance in Steinau am 11. Juni

Performance „baby was a black sheep…“ am Sonntag 11. Juni im Garten des Museums Brüder Grimm-Haus um 15, 16 und 17 Uhr. Eintritt frei!

Mit zwölf weißen Kunstschafen und einem schwarzen Schaf zeigt die Gruppe Prompte Rührung ( Hannah Wölfel / Hanswerner Kruse) einige kleine Performances im Garten des Museums Brüder Grimm-Haus. Mal gruppieren sie die weißen Tiere bedrohlich um das schwarze, mal führt das schwarze Schaf mutig die weißen an. Durch kleine Veränderung in den Beziehungen der Geschöpfe zueinander können sich auch die Gefühle der Zuschauer verändern – die können schwanken zwischen Mitleid, Empörung oder fröhlicher Überraschung.

Wie verändern sich diese Tableaus wenn die beiden Performer sogar selbst als Kunstfiguren zwischen den Schafe agieren, sich daneben legen oder dazu stellen? Wölfel und Kruse wollen das Entstehen neuer lebender Bilder ausprobieren und zeigen.

Einige Schlüchterner werden sich bestimmt freuen, wenn die Schafe wieder da sind. Wochenlang standen die Kunst-Tiere in unterschiedlichen Situationen auf der Schlüchterner Brache zwischen Fuldaer und Breitenbacher Straße. Alle vorbeikommenden Kinder mussten unbedingt die Schafe streicheln, viele Spaziergänger nahmen Anteil, als das schwarze Schaf geklaut wurde. Aber schnell wurde von den weißen Schafen, wie im wirklichen Leben, ein neues schwarzes Schaf ausgeguckt.

Die beiden Performer Wölfel und Kruse arbeiten als „Gruppe Prompte Rührung“ mal intensiver, mal sporadisch als Aktionskünstler zusammen. Ihre erste Performance inszenierten sie 1987 auf dem Frankfurter Römer.

„Berlin Syndrom“ – ein düsterer Hauptstadtfilm

Der Autor dieser Filmkritik hat ein Wochenende in der Nähe der Berliner U-Bahn-Station Kottbusser Tor („Kotti“) in einer Fortbildung verbracht. Obwohl das, stark sanierte Kreuzberg in der Nähe beginnt, gilt die Gegend immer noch als gefährlich. Durch die massiven Polizeieinsätze in der letzten Zeit sind aber die Raubüberfälle und Körperverletzungen zurückgegangen, berichtete die Berliner Zeitung.

Freitagabend bahnt sich der Filmkritiker seinen Weg durch aggressive jugendliche Drogendealer am U-Bahn-Ausgang. Samstagfrüh watet er unten in der U-Bahn durch Erbrochenes und frische Blutlachen, mittags sitzt er direkt auf dem Platz beim Vietnamesen, blinzelt in die Frühlingssonne. Auf einem ehemaligen Telefonhäuschen hockt ein attraktiver Mann und trinkt Bier, irgendwo schläft ein anderer auf einem herumstehenden Sessel. Zwischen den vielen Türken, asomäßigen „Weißen“ und dealenden Jugendlichen drängen sich mit großen neugierigen Augen zahllose Backpackerinnen.

Im Film „Berlin Syndrom“ begegnet hier eine von ihnen, die junge australische Rucksackreisende Clare (Teresa Palmer), dem gepflegten deutschen Mann Andi (Max Riemelt). Von dem Englischlehrer lässt sie sich Kreuzberg zeigen und verbringt mit ihm eine wilde Liebesnacht in seiner nahe am Kotti gelegenen Wohnung. Morgens ist er bereits zur Arbeit verschwunden – und sie merkt, dass sie nicht aus seiner verschlossenen Wohnung herauskommt… Als Andi nach Hause zurückkehrt, empfindet sie ihren Einschluss noch als Versehen. Doch bald wird ihr klar, dass sie in dem ansonsten menschenleeren Kreuzberger Haus seine Gefangene ist und aufgrund seiner Sicherungsmaßnahmen keine Chance hat, zu entkommen. Weiterlesen