„Verräter wie wir“ Unbeteiligte im Fadenkreuz von Russenmafia und Geheimdienst

Prolog: Der Filmkritiker düst unvorbereitet in die Pressevorführung, weiß nichts über den Film oder seinen Titel – doch im Kino ist er schnell fasziniert von einem Streifen, dessen dramatische Struktur ihn an spannende Romane John le Carrés erinnert.

„Verräter wie wir“ IST die Verfilmung von Le Carrés gleichnamigem Buch. Regisseurin Susanna White hat die typische Dramaturgie des britischen Kultautors in großartigen Bildern eingefangen. Mit wenigen Nahaufnahmen entführt der Film in die Welt der russischen Mafia: Tanzbilder aus dem Schwanensee-Ballett. Vertragsabschlüsse. Eine Kamerafahrt über die Schneelandschaft. Schnelle Morde. Blut im Schnee…

Nach dem Vorspann ein harter Schnitt auf ein schmusendes Liebespaar im Bett. „Das wird nichts“, sagt die Frau und steht abrupt auf. Die Rechtsanwältin und der Literaturprofessor aus London sind in einem marokkanischen Edelhotel und wollen ihre Ehe kitten. Doch nun geraten die beiden in eine fremde, unwirkliche Welt. Der russische Geschäftsmann Dima (Stellan Skarsgård) lädt die sie zu teuren Drinks ein, entführt sie auf eine wilde Party und steckt Professor Makepeace (Ewan McGregor) einen USB-Stick zu, den er einfach nur britischen Zollbeamten aushändigen soll. Der Russe will aus der Mafia aussteigen, für die er als Geldwäscher arbeitet, und hat keinen anderen Helfer als den soeben kennengelernten Briten. Seine Frau Gail (Naomie Harris) findet das zwar überhaupt nicht gut, lässt sich aber dennoch in die düstere Geschichte verwickeln.

Die beiden Unbeteiligten werden in eine riesige Verschwörung hineingezogen und möglicherweise zwischen Mafia, Politikern und Geheimdienst zerrieben. Denn die britischen Agenten setzen ohne jede Rücksicht oder Skrupel ihre Interessen durch und erpressen eiskalt den Professor und die Anwältin…

Der Film ist – auch durch seine kühlen Farben, radikale Schnitte und eigenartige Musik – durchgehend sehr, sehr spannend. Die komplizierte Handlung ist durchaus glaubwürdig, seit der NSA-Affäre und der Flucht Edward Snowdens traut man Politikern und Geheimdiensten schließlich jede Schweinerei zu. Eine gelungene Literaturverfilmung und ein sehenswerter Film! Weiterlesen

„Tangerine LA“ Ein cooler und doch bewegender Film aus der Subkultur transsexueller Huren

Heiligabend in Los Angeles. Zwei schrille dunkelhäutige Weiber kreischen herum, fallen sich in die Arme, feiern lautstark ihr Wiedersehen.

Beide sind transsexuelle Prostituierte, die eine, Sin-De (Kitana Kiki Rodriguez) war einen Monat lang im Knast. Ihr Zuhälter Chester (James Ransone) habe sie mit „einer echten weißen Möse“ betrogen, erzählt Freundin und Kollegin Alexandra (Mya Taylor). Die Transsexuelle ist außer sich vor Wut, will Rache nehmen und schreit im coolen Slang: „Ich bin echter als echt, eye, ich hab’ auch ’ne Möse wenn ich mir die Eier wegklemme.“ Parallel erfahren die Zuschauer die Erlebnisse des armenischen Taxifahrers Razmik, dem das Auto vollgekotzt oder sonst wie der Job schwer gemacht wird. Er ist verheiratet, hat eine kleine Tochter, liebt aber den Sex mit den transsexuellen Weibern der 17. Straße. Als er schnelle Liebe in der Waschanlage machen will, entpuppt sich die Transe als „Pussy“ und er ist entsetzt, weil sie nichts in der Hose hat..

Wütend streift Sin-De in glühender Hitze durch die Boulevards in LA, bis sie endlich, zu dramatischer Opernmusik, Chesters Adresse bekommt. Die Musik geht in Hip Hop über, die Rächerin rast mit dem Bus durch die Stadt und erwischt endlich die „weiße Möse“, ein dünnes verhärmtes Ding. Im Donut Shop treffen sie dann irgendwann alle aufeinander, die runden sinnlichen transsexuellen Huren, Chester, der coole Zuhälter, die mickrige Konkurrentin. Schließlich kommt noch der geile Razmik, der es Heiligabend zuhause nicht aushält, seine Schwiegermutter, die ihn zur Rede stellen will – und schließlich auch seine schöne junge Frau mit dem Baby, die längst alles weiß…

Der bekannte Independent Filmer Sean Baker hat den Streifen mit dem I-Phone 6 gedreht, aber natürlich im Studio professionell nachbearbeitet. Dadurch wirkt diese Tragikomödie mit ihren warm-blassen Farben wie ein authentischer 70er-Jahre-Film mit dennoch, manchmal atemberaubenden Bildern: Die Liebe in der Waschstraße wird in voller Länge mit nur einer einzigen Kameraeinstellung auf die Frontscheibe vom Hintersitz aus gezeigt. Sinn-De ruht mal kurz in einem Café aus, während riesige Augen (der Werbung auf einem Bus), sie eine Zeitlang anschauen und verschwinden…

Tangerine LA ist ein durchgehend schräges Subkulturdrama… Weiterlesen

„Ein ganzes halbes Jahr“ – Die indiskutable Verfilmung des Bestsellers von Jojo Moyes

 

Jojo Moyes Buch „Ein ganzes halbes Jahr“ stand lange auf den internationalen Bestsellerlisten, jetzt startet bundesweit eine typisch US-amerikanische Verfilmung dieses Werks:

Lou (Emilia Clarke ) wohnt noch bei ihren Eltern in der Nähe Londons, lässt sich ziellos durchs Leben treiben und hat eine miese Beziehung mit dem sportbesessenen Patrick. Als sie ihre Arbeit im Café verliert, muss sie einen Pflegejob annehmen. „Ihm den Arsch abwischen?“, giftet sie empört, als das Job-Center sie zu dieser Beschäftigung zwingt. Völlig überraschend entpuppt sich Will (Sam Claflin), der erwartete senile Pflegefall, als ein reicher junger Mann, der vom Hals abwärts gelähmt ist.

Sie solle eher dessen Freundin als seine Pflegerin sein, erklärt Wills Mutter, aber der attraktive Mann bringt die junge Frau zur Verzweiflung. Er hat mit dem Leben abgeschlossen, geht zynisch und abweisend mit ihr um. Mit der Zeit nähern sich die beiden natürlich einander an, lachen viel und unternehmen Ausflüge. Auf der Hochzeitsfeier von Wills Ex- Freundin führen sie einen erotischen Rollstuhl-Tanz auf. Will mag Lous exzentrische Klamotten, ermuntert sie, sich mit Mode zu beschäftigen, konfrontiert sie mit ihr unbekannten Büchern und Filmen.

Eines Tages erfährt Lou, dass Will einen Deal mit seinen Eltern hat: Sollte er in einem halben Jahr keine Lebensfreude wieder finden, wollen ihn seine Eltern beim Freitod unterstützen. Lou will empört kündigen – entscheidet sich dann jedoch, Wills Lebenslust zu wecken. Sie entwirft „Projekte“, die aber meist scheitern wie ein Besuch beim Pferderennen. Irgendwann verbringen die beiden wunderbare Wochen auf Mauritius und ihnen wird klar, was der eifersüchtige Patrick und die Zuschauer längst wissen: sie lieben sich. Ob das überhaupt gehen kann und Will sich weiterhin umbringen will, wird hier nicht verraten.

Im Kino werden die wichtigsten Ereignisse des Romans erzählt, aber deutlich wird nicht, wie Will sich gegen die Überfürsorge seiner Mutter wehrt, welche Schmerzen er aushalten muss, wie verzweifelt der im Film ewig lächelnde Mann oft ist und wie sich das ungleiche Paar wechselseitig beeinflusst. Weiterlesen

„Hannas schlafenden Hunde“

Eine großartige Literaturverfilmung des Romans von Elisabeth Escher

Familie Berger im österreichischen Wels bewahrt ein düsteres Geheimnis. Zwanzig Jahre nach Kriegsende tarnen sich die Juden immer noch als Katholiken, die nichts von ihrer Vergangenheit preisgeben wollen. Der verfilmte Roman kommt jetzt in die Kinos.

„Bloß nicht auffallen“, lautet das Credo der hysterischen und traumatisierten Mutter (Franziska Weisz) in der beklemmenden Atmosphäre der Kleinstadt Wels. Die versuchte Vergewaltigung ihrer zwölfjährigen Tochter Hanna (Nike Seitz) durch einen ehemaligen Nazi-Blockwart versucht Frau Berger ebenso herunterzuspielen wie die brutalen Misshandlungen ihrer Schwester durch deren Ehemann. Immer wieder ahnen wir Zuschauer, sie will keine schlafenden Hunde wecken…

Tür an Tür wohnen die Überlebenden des Holocausts mit den einstigen Tätern im „noch schwer naziverseuchten Wels“, wie Regisseur Andreas Gruber den Ort bezeichnet, an dem er selbst aufwuchs. Die einstigen Nazis fühlen sich als Opfer, die nach dem Krieg zu Unrecht verfolgt wurden: Sie hätten ja nur ihre Pflicht getan und müssten nichts bereuen.

Hanna ist üblen Schmähungen in der Schule ausgesetzt, von einer Lehrerin wird sie sogar als „Judenbalg!“ beschimpft. Ständig spürt sie die Abgründe in ihrer Familie und will deren düsteres Geheimnis herausfinden. Doch darüber kann sie nur mit ihrer blinden Großmutter (Hannelore Elsner) sprechen. „Bin ich denn Jüdin?“ fragt sie eines Tages die Oma, die ihr erklärt: „Natürlich, aber das ist kein Grund, solch einen Zirkus zu veranstalten. Jeder soll sein was er ist!“

Wie die nach den schlafenden Hunden suchende Hanna erkennen auch wir Zuschauer die Wahrheit nur stückweise, dadurch ist der Film spannend wie ein Krimi. Gleich zu Beginn sieht man Hanna als Schatten hinter weißer Bettwäsche auf der Leine, das symbolisiert wohl die dunkle Seite der Familie. Weitere Zeichen verweisen auch auf ihre Vergangenheit – die Maulwürfe, die mit Motorrad-Abgasen getötet werden, der betrunkene Blockwart neben der Tafel „Gas Haupthahn“. Weiterlesen

Neues deutsches fantastisches Kino?

Zwischen Rotkäppchen und Froschkönig:  „Der Nachtmahr“ und „Wild“

Vor einiger Zeit kam der Film „Wild“ der Berliner Regisseurin Nicolette Krebitz in die Kinos, nun folgt „Der Nachtmahr“, ein ähnlich surrealer Streifen des Berliner Filmemachers Akiz. Sind die Filme „Neues Deutsches Fantastisches Kino“ aus der Hauptstadt?

In „Der Nachtmahr“ begegnet ein Teenager kurz vor ihrem 18. Geburtstag einem seltsamen Wesen. Zunächst hat eine Smartphone-App ihr Selfie in ein blindes Ungeheuer – eine Mischung zwischen ET und Embryo – verwandelt. Dann begegnet Antonia dieser Kreatur wirklich, also letztlich sich selbst oder vielleicht nur im Wahn? Die Eltern schicken das verängstigte Mädchen zu einem Psychiater, der sie zur Kommunikation mit dem Geschöpf ermuntert. Widerstrebend nimmt sie Kontakt auf, versorgt es mit Essen und lässt es – wie den Froschkönig – in ihrem Bett schlafen. Eltern und Freundinnen halten das Mädchen für wahnsinnig, doch irgendwann sehen auch sie dieses Tier und rufen panisch die Polizei. Nehmen die Außenstehenden wirklich ein Monster wahr oder ist das nur ein weiteres Hirngespinst Antonias? Am Ende des Films sitzt das Wesen am Steuer eines geklauten Autos und rast mit Antonia durch die Nacht. Ihre Erlebnisse sind weder eine Horrorgeschichte noch ein sanftes Märchen, aber am Ende bleibt offen, ist das nun Realität, Fantasie oder Wahn?

Ähnlich verwirrt verließ man bereits den Film „Wild“, denn der Titel meint ein wirklich wild gewordenes Rotkäppchen. Durch eindringliche Bilder und suggestive Klänge lässt er uns Zuschauer an der Obsession einer, mit ihrem Leben unzufriedenen jungen Frau teilnehmen. Roh und triebhaft verfällt die schüchterne Anias einem echten Wolf. Zunächst fängt sie das wilde Tier und hält es in ihrer Wohnung, die in wenigen Tagen verwüstet wird und – man glaubt es im Kino zu riechen – bestialisch stinkt. Das ungleiche Paar liebt einander und schließlich entfernt Anias sich aus der menschlichen Zivilisation: In einer bizarren Landschaft schlabbert sie mit dem Wolf Wasser aus einer Pfütze und frisst roh die von ihm gefangene Maus. Und wieder die Frage, ist das nun Wirklichkeit, Einbildung oder Irrsinn? Weiterlesen

„Ente gut. Mädchen allein zu Haus“

Ein hinreißender Kinderfilm, der auch als Buch erscheint

Weil ihre Mutter plötzlich für einige Zeit nach Vietnam muss, versinken die Töchter Linh und Tien tief im Schlamassel. Mit dem Titel „Ente gut – Mädchen allein zu Haus“ kommen ihre aufregenden Abenteuer bald als Film ins Kino und erscheinen zeitgleich auch als Buch.

Um die kranke Oma in der fernen Heimat zu versorgen, muss die alleinerziehende Vietnamesin Thuy ihre Mädchen sich selbst überlassen, denn einen Vater oder nahe Verwandte gibt es nicht. Nun managt die elfjährige Linh (Lynn Dortschack) den von der Mutter gepachteten Asia-Imbiss, organisiert den Haushalt und quält sich mit ihrer bald neunjährigen, ziemlich chaotischen Schwester Tien (Linda Phuong) herum. Aus Frust über die so kurz vor ihrem Geburtstag verschwundene Mutter, richtet Tien ein fürchterliches Desaster an – sie löst Feueralarm in der Schule aus und macht mit größeren Skaterjungs in der Wohnung Party, bei der die Imbiss-Einnahmen verschwinden.

Zu den beiden Mädchen gesellt sich die feuerrothaarige Pauline (Lisa Wihstutz), ein im Gymnasium gemobbtes Klempnerkind. Die elfjährige „Spionin“ weiß alles, was im Plattenbau passiert und will eigentlich die beiden Mädchen erpressen: „Ich gehe zum Jugendamt, wenn Ihr mir kein Geld gebt.“ Doch neugierig geworden, freundet sie sich schnell mit ihnen an und nimmt am vietnamesischen Alltagsleben teil. Sie staunt über gebratene Hühnerfüße ebenso wie über die seltsame buddhistische Art zu beten. Die ernste Linh, die so früh erwachsen sein muss, lacht durch Paulines Einfluss wieder und lernt bei ihr Fahrrad fahren. Doch als die Schule ihrer kleinen Schwester Ärger macht, Polizei und Jugendamt die Mutter der Kids suchen, eskalieren die Ereignisse.  Weiterlesen

„Die Kommune“ – Starkes Drama mit ärgerlichem Bruch…

Der dänische Film „Die Kommune“ zeigt, wie drei Menschen in einer vielköpfigen Wohngemeinschaft versuchen, eine Dreierbeziehung zu leben. Der bei der letzten Berlinale prämierte Film kommt jetzt bundesweit in die Kinos.

Es gab einmal eine Zeit, da wurden in Kommunen neue Lebensformen mit unterschiedlichen Ansprüchen probiert. Der dänische Regisseur Thomas Vinterberg sagt über seine Kindheit in einer dieser Gruppen: „Für mich war jeder Tag dort wie ein Märchen.“ In dieser Zeit, den 1970er-Jahren, siedelt er das Liebesdrama „Die Kommune“ an:

Der arrivierte Architekt Erik (Ulrich Thomsen) erbt eine Riesenvilla, die ihm aber viel zu teuer ist, um darin zu leben. Seine Frau Anna (Trine Dyrholm), eine bekannte TV-Moderatorin, möchte jedoch unbedingt drin wohnen. Sie gewinnt Freunde und Bekannte für das Zusammenleben, um die Kosten zu teilen. Nun kommt ein Haufen Leute zusammen, die sich Kommune nennen und oft gemeinsam am Küchentisch feiern. Als sich Erik „draußen“ in die junge Studentin Emma (Helene Neumann) verliebt, schlägt Anna vor, trotz ihrer Eifersucht das Leben zu dritt im Haus zu versuchen: „Es kann spannend werden“, meint sie tapfer. Doch nachdem Annas Rivalin eingezogen ist, bringt sie das Liebesgestöhne aus dem Nachbarzimmer bald an ihre Grenzen. Die drei tragen heftige Streitereien am Küchentisch aus, Anna beginnt zu trinken, um durchzuhalten…

Eigentlich zeigt der Streifen eine melodramatische Ménage-à-trois, eine Dreierbeziehung. Die Kommune spielt für die Entwicklung oder Lösung des Dramas keine Rolle, sondern bildet lediglich die pittoreske Kulisse. Die Charaktere und Beziehungen der übrigen Kommunarden werden allenfalls oberflächlich oder flapsig angedeutet: Wir wissen, es gibt eine Frau, die mit vielen Männern schläft, eine weitere Paarbeziehung, einen armen Flüchtling. Doch lediglich von Annas und Eriks Tochter Freja (Martha Hansen) erfahren wir Zuschauer mehr. Die Pubertierende entdeckt außerhalb des Hauses die körperliche Liebe und hält auch in Krisenzeiten zu ihrer Mutter. Weiterlesen

„Er ist wieder da!“ – Die außergewöhnliche Verfilmung eines außergewöhnlichen Romans

Die Verfilmung des Bestsellers „Er ist wieder da“ von Timor Vermes kommt in die Kinos. Der hervorragende Film unterscheidet sich deutlich von seiner literarischen Vorlage und bewahrt dennoch ihren grotesken Geist: Oft bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

Auf dem Marktplatz einer deutschen Kleinstadt sitzt Adolf Hitler und porträtiert Passanten, die begeistert seine miesen Zeichnungen kaufen. Zum Beginn der Dreharbeiten für „Er ist wieder da“ reiste das Filmteam wirklich durchs Land, um herauszufinden, wie Leute auf den Wiedergekehrten reagieren. Die Frage, darf man das, hat sich durch deren Reaktionen erübrigt. Die Menschen machten Selfies mit dem Führer, schimpften auf die Demokratie und wollten in Gesprächen mit ihm ihre Sorgen loswerden, statt sich über seinen absonderlichen Auftritt zu empören.

Die Filmgeschichte: Im Herbst 2014 erwacht Adolf Hitler (Oliver Masucci) in Berlin unweit des ehemaligen Führerbunkers. Erstaunt versucht er sich im veränderten Berlin zurechtzufinden und Parteigenossen aufzuspüren. Der arbeitslose Filmemacher Sawatzki (Fabian Busch) erkennt die Chance, mit dem vermeintlichen Führer ganz groß herauszukommen… Weiterlesen

Der Mut in Zeiten der Unterdrückung – Jafa Panahis Meisterwerk „Taxi Teheran“ kommt in die Kinos

Jafar Panahis Film „Taxi Teheran“ gewann bei der Berlinale 2015 den Hauptpreis. Das cineastische Meisterwerk zeigt auf eigenwillige Weise das Leben der Menschen in Teheran, der Heimatstadt des iranischen Regisseurs. Jetzt kommt der Film in die Kinos.

Ein schwer verletzter Mann wird zum Krankenhaus gefahren. In das Smartphone des Taxifahrers stammelt er sein Testament. Wird er überleben? Ein mieser Typ schwadroniert über die Todesstrafe für Diebe. Zwei alte Damen lassen die Droschke quer durch die Stadt rasen. Ihr Goldfisch soll zu einer bestimmten Zeit in der Quelle eines Flusses schwimmen. Sonst müssen die abergläubischen Frauen sterben. Der illegale DVD-Händler erkennt den Chauffeur: „Du bist doch Panahi, das hier sind ja Dreharbeiten…“

Tatsächlich ist es Jafar Panahi (55), der iranische, mit Hausarrest und Berufsverbot belegte Filmemacher, der mit einem Taxi durch Teheran fährt und Fahrgäste befördert. In dem engen, geschlossenen Raum filmen Minikameras mit festen Einstellungen die kleinen Dramen oder politischen Streitereien zwischen den Mitfahrern sowie die naseweise Reflexion der zehnjährigen Nichte des Regisseurs über das Filmemachen im Iran. Wieder einmal hat sich der Künstler mutig über das Berufsverbot hinweggesetzt, einen listigen Film gedreht, heimlich außer Landes geschafft – und dafür den Goldenen Bären der Berlinale 2015 erhalten.

Kurz vor den Berliner Filmfestspielen wurden in Paris Redakteure von „Charlie Hebdo“ ermordet, wir kommentierten einige Tage später die Preisverleihung: „In Zeiten, in denen Künstler für die Freiheit der Kunst sterben, darf auch die Kunst für die Freiheit der Künstler kämpfen.“ Weiterlesen

Axel Prahl spielt die Hauptrolle in der Verfilmung von Kafkas „Der Bau“

Der Regisseur Jochen Alexander Freydank hat nach Franz Kafkas Erzählung „Der Bau“ einen Spielfilm mit Axel Prahl gemacht, der nun in die Kinos kommt. Der letzte „Tatort“ aus Münster mit Axel Prahl als Kommissar Thiel hatte 13 Millionen Zuschauer, die absolute Traumquote für das erste deutsche Fernsehen. Solch ein Zuschauermagnet wird der neue Kino-Film, „Kafkas der Bau“, mit dem beliebten Schauspieler sicherlich nicht werden. Wahrscheinlich wird er nicht einmal irgendwo in Osthessen laufen.

Dem Film liegt die gut neunzig Jahre alte, unvollendete Erzählung Kafkas „Der Bau“ zugrunde. Sie ist der Monolog eines Wesens, das sich tief unter der Erde einen weitverzweigten Zufluchtsort schafft, aber auch darin keinen Schutz findet. Denn sein Sicherheitsbedürfnis treibt es zu immer absurderen Handlungen und in noch größere Unsicherheit. Der Schluss ist offen.

Der Regisseur und Kafka-Liebhaber Freydank erlaubt sich eine sehr freie Umsetzung des Textes und zeigt die „Verwandlung“ des Angestellten Franz (Axel Prahl). Der sorgenvolle Familienvater kauft eine Wohnung in einem riesigen Bau, baut ständig neue Sicherungen oder Schlösser ein – und schottet sich so immer stärker von der Welt ab. Jedoch den vermeintlichen Bedrohungen durch Menschen, die ihm alles nehmen wollen, kann er nicht entfliehen. Während der einst prächtige Bau mehr und mehr verfällt, Obdachlose und Diebe von ihm Besitz ergreifen, handelt Franz immer verzweifelter. Schließlich wird er genauso skrupellos und brutal, wie die Menschen die ihn scheinbar bedrohen.  Weiterlesen