„Traumfrauen“ – ein Film von Anika Decker mit Iris Berben, Elyas M’Barek…

„Traumfrauen“ ist das Regiedebüt der Drehbuchautorin Anika Decker („Keinohrhasen“, „Rubbel die Katz“). Der Film ist eine nette Komödie, die aber mit bekannten Schauspielern großartig besetzt ist.

Margaux (Iris Berben) wird nach 35-jähriger Ehe von ihrem Mann verlassen. „Er ist von mir gegangen“, erzählt sie verschämt, denn nun lebt er mit seiner wesentlich jüngeren Physiotherapeutin zusammen. Ihre Freundin Gundula (Margarita Broich) ist empört: „Die jungen Dinger machen Sachen im Bett, da verfallen denen doch unsere Männer! Wir hatten ja nur Hauswirtschaftslehre in der Schule“

Margaux Töchter haben ebenfalls Liebeskummer, denn die jungen Männer sind auch nicht so toll. Der Freund von Leni (Hannah Herzsprung) hat plötzlich ein Kind mit einer anderen Frau. Ihre unsichere Schwester Hannah (Karoline Herfurth) quält sich mit den Machos in einer renommierten Anwaltskanzlei herum. Ein Kollege möchte lieber das neue Kugellager an seinem Fahrrad ausprobieren, als Sex mit ihr zu haben… Weiterlesen

„Risiken…“ Berlinale Blog (3) 7. Februar 2015

„Sie sind ‚ne faule Sau! Sie riskieren nichts!“, beschimpft Michael Keaton als „Birdman“ im gleichnamigen Film die Kritikerin der New York Times. Eigentlich wollte ich mit diesem Zitat eine Schelte der ewig herumnörgelnden Kollegen beginnen.

Aber nach der großartigen Leistung Nicole Kidmans in dem gestern von mir gesehenen Film „Queen oft the Desert“ schreibe ich doch lieber etwas über das Risiko des Filmemachens. In den ersten beiden Beiträgen des Wettbewerbs gehen Juliette Binoche („Nobody wants the night“) und Kidman das große Risiko ein, jeweils den Film alleine zu tragen. Sie sind in fast jeder Szene präsent und verändern sich dramatisch in ihren Rollen. Sie verkörpern starke, eigensinnige Frauen des gehobenen Bürgertums, die zum Beginn des 20. Jahrhunderts unbeirrt das Risiko wagten, in Eis- oder Sandwüsten zu gehen. Beide Frauen haben wirklich gelebt, jedoch sind die Filme keine Dokumentationen. „Es geht eher darum, die Persönlichkeit zu erkennen und zu zeigen“, meinte Regisseur Werner Herzog gestern auf der Pressekonferenz und Kidman fügte hinzu: „Wir wollten vor allem eine glaubwürdige Geschichte erzählen.“

Ein wirklich großes Risiko geht der im Iran wegen „Propaganda gegen das System“ mit Berufsverbot belegte Filmemacher Jafar Panahi ein. Bereits im letzten Jahr zeigte er trotz des Verbots der iranischen Regierung auf der Berlinale den Film „Pardé“, der nach seinen Anweisungen von einem Ko-Regisseur gedreht wurde. Im jetzigen Wettbewerbsfilm „Taxi“ chauffiert er selbst Bekannte und Fremde durch Teheran, diskutiert, scherzt oder streitet mit ihnen vor der im Auto eingebauten Kamera. Das ist nicht nur ein enormes politisches sondern auch ein cineastisches Risiko, aber dieser Film ist erstaunlich spannend und interessant.

Foto (Handy):
Die Pressevorführung war extrem voll, ich konnte lediglich dieses Handy-Foto aus der hintersten Reihe machen…

Mukashi, mukashi… Japanische Märchen und der Einfluss der Brüder Grimm

Zum Buch “Geschichten aus Tono” des Steinauer Grimm-Hauses (1)

Gerade ist das Begleitbuch zur Herbstausstellung „Kizen Sasaki – der japanische Grimm“ im Steinauer Grimm-Hauses erschien. Es enthält die erste deutsche Übersetzung der frühesten Sammlung japanischer Volkserzählungen, das „Tono Monogatari“ (Geschichten aus Tono).

Diese, im Buch reich illustrierten Texte wurden in der Gegend um die Stadt Tono im Norden Japans gesammelt und 1910 veröffentlicht. Museumsleiter Burkhard Kling hat sie erstmalig vom Englischen ins Deutsche übersetzt und kommentiert. „Über 100 Bücher haben die Japaner gerade bestellt“, erzählt Kling strahlend und meint, „zur Ausstellung war die Herausgabe des Buches noch nicht gesichert. Ohne die Unterstützung des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst wäre sie gar nicht möglich gewesen.“ Weiterlesen

Kunstspaziergang durch Istanbul

Istanbul bietet nicht nur orientalisches Flair in der Hagia Sophia, den Gärten der Sultane oder im Großen Basar, sondern auch eine interessante, moderne Kunstszene.

Auf der Istiklai Caddesi, der mondänen Einkaufsstraße, drängeln sich täglich unzählige Menschen. Bereits hier lockt der Raum für Kunst ARTER derzeit mit provozierenden Kunstwerken aus Süd-Ost-Asien: Unechte erotische Geldscheine, klassische chinesische Bodenvasen mit aufgemalten Kanonen, Blechkronen aus recycelten Dosen oder Fantasieuniformen mit absonderlichen Orden. Auf fünf Etagen inszeniert die private Stiftung Koç seit 2010 wechselnde Ausstellungen.

Auch das Museum Istanbul Modern wird hauptsächlich von einem Mäzen unterstützt. Hinter einer Moschee liegt die ehemalige Lagerhalle mit 8.000 qm Ausstellungsfläche direkt am Bosporus. Seit 2004 wird in der oberen Etage mit „Geçmiş ve Gelecek“ (Vergangenheit und Zukunft) eine dauerhafte, spektakuläre Mischung türkischer und internationaler Kunst präsentiert. Weiterlesen

Die Hessische Tanzszene im „Aufwind“

Mit Spannung erwarteten Tanzfreunde „Aufwind“, die erste Inszenierung des Hessischen Staatsballetts nach der Fusion der Darmstädter und Wiesbadener Tanzbühnen.

Staatsballett – das klingt nach Beamtentänzen am Schwanensee, doch der dreiteilige Abend zeigt ein breites Spektrum modernen Tanzes.Die Trilogie beginnt mit der konventionellen Choreografie „Vom Anfang“ des neuen Ballettchefs Tim Plegge. Ein Teil der dunklen Bühne besteht aus einer schrägen Plattform, auf der zu romantischer Musik einzelne Tänzerinnen und Tänzer balancieren, herunterrutschen, sich berühren und wieder lösen. Dem Besucher schwant fürchterliches, erinnert diese Tanzerei doch an die zähen Arbeiten Mei Hong Lins, der letzten Choreografin. Doch die allzu gefällig Tanzenden werden von den Tönen György Kurtágs aufgestört und zu bizarren Bewegungen getrieben. Bei wechselndem Licht entstehen Bilder „Vom Anfang“, von gestrandeten, gescheiterten aber immer neu beginnenden Menschen. Weiterlesen

„Im Labyrinth des Schweigens“ – eine Mischung von Polit- und Psychothriller

Der spannende Film über den Frankfurter Auschwitzprozess

Kino soll nicht langweilen, ernste Themen müssen auch unterhalten, fordert Regisseur Giulio Ricciarelli. Konsequent macht sein Film „Im Labyrinth des Schweigens“ aus der mühseligen Vorbereitung des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Ende der 50er-Jahre, spannendes Kino.

„Ihr wart doch alle Nazis!“ Betrunken wankt Johann Radmann durch das nächtliche Frankfurt und pöbelt Bürger an. „Näh doch Hakenkreuze an Deine Kleider!“, beschimpft er seine Freundin, eine Mode-Designerin. In Alpträumen quält ihn KZ-Arzt Mengele mit Operationen ohne Betäubung. Der junge Staatsanwalt wollte ein Held werden, aber die monströsen, bis dahin verschwiegenen Nazi-Verbrechen überfordern ihn. Filmemacher Ricciarelli erzählt seine fiktive Geschichte, auf der Grundlage realer Ereignisse und Personen: Weiterlesen

Der Literatur-Comedian Tim Boltz in Fulda

Lachen – bis die Stühle krachen

Tim Boltz alias Zeno Diegelmann ist ein Krimischreiber und Literatur-Comedian. Mit seiner Lesung „Rüden haben kurze Beine“ entpuppte er sich im Fuldaer Kulturkeller auch als genialer Schauspieler. Es ist der Höhepunkt der ersten Erzählung, das Publikum kommt aus dem Lachen gar nicht mehr raus: Gerade hat Robert auf dem Tanzboden Jana kennengelernt, Pirouetten gedreht und schmerzhaft einen Spagat versucht. „I will survive“ (Ich werde überleben) paraphrasiert leise die Pianistin Corinna Fuhrmann die Geschichte. Dieser Abend soll die „Nacht der Nächte“ werden, freut sich Robert bereits, doch sein Deo versagt beim Tanzen. Verzweifelt reibt er sich nach Waldmoos riechende Urinsteine aus der Herrentoilette unter die Achseln. Da bricht der Stuhl eines lachenden Besuchers in der ersten Reihe zusammen. Weiterlesen