Im „Garten der irdischen Freuden“ in Berlin

In der Ausstellung „Garten der irdischen Freuden“ verwandeln 22 internationale Künstlerinnen und Künstler den Berliner Gropius Bau in eine außergewöhnliche Gartenkolonie. Doch beim Rundgang durch die individuellen Parzellen im Museum erlebt man kein fürstliches Gartenfest, sondern diverse künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Motiv des Gartens, an dem Kunstschaffende seit Jahrhunderten arbeiten.

Bereits im großen Lichthof des Hauses bildet ein mit meterhohen Metallregalen abgetrennter Raum einen zivilisierten Garten: In die Fächer des Regals sind einst wilde Pflanzen ordentlich eingetopft, hier ist üppige Natur gezähmt und in Ordnung gebracht. Während der Eröffnungstage dringen aus dem Gewächshaus, in dem ein Musiker sitzt, laute dramatische Synthesizerklänge. Symbolisiert die verstörende Kakophonie unbändige Naturgewalten oder den raschen Klimawandel? Hört man die bedrohliche Unterströmung unter der dünnen Decke unserer Zivilisation? Mit solchen Fragen geht man auf den Parcours.

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Ein Saal mit drei riesenhaften Plastiktulpen ist vollständig mit großen verschiedenfarbigen Punkten auf strahlendweißer Oberfläche bemalt, sogar Fenster und Decke. Man darf nur mit übergroßen Filzpantoffeln durch diese Skulptur schlurfen, die man zunächst witzig und unterhaltsam findet. Doch je länger man darin verweilt, umso mehr spürt man Beklemmung in dieser künstlichen Pop-Art-Welt.

Im Dunklen liegt man auf dicken weichen Stoffschlangen und schaut den an die Decke projizierten Film. Fast ohne visuelle Grenzen verschmelzen in einem Paradiesgarten zwei nackte Evas mit Blumen, Pflanzen und Wasser. Die traumartigen Bilder gleiten sanft ineinander, wechseln ständig zwischen Nahaufnahmen und Blicken durch Kaleidoskope. Weiterlesen

„Hieronymus B.“ – ein neues Gesamtkunstwerk der Choreografin Nanine Linning

Erneut schuf die Choreografin Nanine Linning mit ihrer Tanzcompagnie und weiteren Künstlern durch „Hieronymus B.“ ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk. Im dritten Jahr ihres Engagements in Heidelberg brachte sie ihre Interpretation der bizarren Fantasiewelten des Hieronymus Bosch mit Tanz, Licht, Video, Bildender Kunst und Musik auf die Bühne.

Geflüster, seltsame Musik, Videobilder mit Tanzenden als garstige Mischwesen, die bald auf der Bühne erscheinen: Ein grüner Flügelfrosch bedrängt gierig ein verängstigtes Mädchen, das dann, selbst neu-gierig geworden, auf ihm davonreitet. Ein Vogelmensch mit umgekehrtem Trichter als Hut verrenkt sich voll erotischer Lust. Ein Teil des Publikums im Saal kann erleben, wie die Tanzcompagnie einige Details der opulenten Wimmelbilder des Malers lebendig macht. Die übrigen Besucher begegnen derweil hinter der Bühne hautnah diesen Mischwesen – einem Mädchen, das sich akrobatisch aus einem Ohr windet, dem Liebespaar, das von einem Sensenmann in Fischgestalt getrennt wird. Dann wechseln die Zuschauer die grotesken Szenerien. Weiterlesen