„Eternal Prisoners“ – großartiges Tanztheater in Kassel

Das Kasseler Staatstheater zeigt mit dem Titel „Eternal Prisoner“ (Ewige Gefangene) zwei recht diverse Tanzstücke verschiedener Choreografen.

Eine Tänzerin ist als grelle Sängerin auf einer fahrbaren Rampe in heftiger Bewegung erstarrt. Zu ihrem Micky-Maus-Gekrächze, das sich später als Playback erweist, schieben seltsame Figuren mit starren Gesichtern, schlechten Perücken und sportlich-schrillen Klamotten die Rampe an den Bühnenrand. Eckig auf Händen und Füßen gehend, den Hintern in die Luft gestreckt, krabbeln sie hoch zur Sängerin. Plötzlich toben sie wie lebendig gewordenen Schaufensterpuppen mit rhythmisch-abstrusen Bewegungen auf der Minibühne herum. Die Tanzenden frieren ein, werden zeitlupenhaft lebendig, tanzen erneut, formieren sich zu szenischen Skulpturen: Köpfe nähern sich zum Küssen und zucken zurück. Manche schreien stumm. Einzelne zeigen hirnrissige Model-Posen. Ausdruckslos mimen stumme Körper wilde Playback-Gesänge. Eine zeigt Spitzentanz im Nebel auf Roller Blades.

Das kleine Ensemble dekliniert mal hysterisch und aufgedreht, mal behutsam und stoisch Künstliches durch – kreiert Rockstars, Roboter, Schaufensterpuppen, Androiden. Kurze dramatische Momente blitzen auf, in flüchtigen Szenen wird Schmerz, Gewalt, Zuneigung sichtbar, doch nichts ist echt und wirklich, alles ist Schein. Einzelne brechen aus, jubeln „ich existiere“ – werden aber von anderen gemaßregelt: „Du existierst NICHT!“

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