Das Tanztheater „The Dying Swan“ der Choreografin Monica Opsahl

KulturWerk-Festival „Zuckererbsen für jedermann“ (3) – ein weiterer Höhepunkt der Festspiele:

Monica Opsahls Ensemble Artodance und einige jüngere ihrer Schülerinnen tanzen das Schicksal zweier Menschen, die vom Schicksal brutal auseinandergerissen werden. Die Überlebende (Julie Opsahl) will die andere nicht gehen lassen, die Sterbende (Jana Quilitz) mag nicht gehen. Düstere Gestalten (Nina Hack, Miriam Kreß, Tanja Appeldorn, Lena Winhold) verkörpern als Todesboten das unerbittliche Verhängnis. Zu den neoromantischen bis experimentell-zerrissenen Klängen Joby Talbots nutzen die jungen Frauen, von denen einige Tanz studieren, die gesamte Bandbreite des zeitgenössischen Tanzes – mit expressiven, auch synchronen Bewegungen und akrobatischen Figuren.

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FOTO Hanswerner Kruse: Die Trennung /  Kreaturen nicht von dieser Welt (ganz oben) 

Verzweiflung und Schmerz, aber auch Härte und Brutalität werden von den Tänzerinnen nicht gemimt. Die entäußerten Gefühle spüren sie in sich und rufen sie dadurch bei den Zuschauern hervor. Jedoch gegen das Leid setzt die Choreografin immer wieder sanfte und doch unendlich fremde „Kreaturen“, die nicht von dieser Welt sind. Sie kommen leichtfüßig hereingetrappelt, bewegen sich spielerisch und akrobatisch – und nehmen auch irgendwann die Gegangene behutsam in ihrem Kreis auf. Sie symbolisieren keinen „Himmel“, kein „Paradies“, sondern verkörpern das Andere, das Neue, dem die Gestorbene möglicherweise begegnen wird: „Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
/ Uns neuen Räumen jung entgegen senden…“, heißt es ja in Hermann Hesses Gedicht „Stufen“.

In einem atemberaubenden, langen Solotanz findet die Gebliebene wieder zu sich selbst. Das Zusammensein der beiden Menschen, ihr Abschied, aber auch ihre dauerhafte Verbundenheit über die Trennung hinaus, werden völlig pathosfrei und kein bisschen kitschig präsentiert. Poetischer Tanz kann authentische Gefühle ausdrücken, die zu formulieren unsere gewohnte Sprache nicht ausreicht – und dadurch unsere Seelen berühren. Die Bühne ist völlig schwarz, die Tanzenden sind auf sich und ihre Körper als Ausdrucksmittel geworfen. Verstärkt werden die eindringlichen Tanzbilder durch die Lichtgestaltung (Manfred Grun) und die Musik des britischen Komponisten.

Monica Opsahl hat im Dying Swan ihre Gefühle zur unheilbaren Krankheit und zum Tod der KulturWerkerin und Freundin Dorle Obländer verarbeitet und ausgedrückt. Doch das Stück löst sich völlig von seinem Anlass, der Trauer Opsahls. Durch die verdichtete Form des Tanzes in der spannenden Choreografie sowie die erstaunliche Präsens und Technik der Tänzerinnen, wird es transformiert und letztlich allgemeingültig. Dazu meint Opsahl: „Das Leben ist oft grotesk und brutal. Ich habe keine Antworten zum Tod oder wie man damit umgehen sollte.“ Weiterlesen

Kunstherbst in Ost-Hessen: Der Höhepunkt, das KulturWerk-Festival

Kein verflixtes siebtes Jahr – das KulturWerk-Festival in Schlüchtern vom 10. bis 20. November 

Zum siebten Mal präsentiert das alljährliche Herbst-Festival des KulturWerks ein üppiges, abwechslungsreiches Programm. Soeben erschien ein Flyer der Künstlervereinigung, der ab sofort überall im Bergwinkel ausliegt und auf die Veranstaltungen hinweist. Der Vorverkauf hat begonnen.

Die KulturWerkWoche steht unter dem Motto „Zuckererbsen für jedermann“, einer Forderung des Dichters Heinrich Heine aus seinem ironischen Vers-Epos „Deutschland. Ein Wintermärchen“ (Anlage). Die KulturWerker erarbeiten dazu eine szenische Collage mit Tanz, Musik, Schattenspiel, Sprache und Theater.

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Dieses Thema wurde noch von der im Frühjahr gestorbenen Bildhauerin und Malerin Dorle Obländer vorgeschlagen, die Heine sehr liebte.Ihr ist auch die diesjährige Kunstaustellung gewidmet, das KulturWerk zeigt in Kooperation mit dem Grimm-Haus die letzten Arbeiten der Künstlerin, 19 ironische Märchenbilder (oben „Froschkönig“). Weiterlesen

Alice’s Adventures In Wonderland…

Eine großartige  und freie Interpretation der Schlüchterner Choreografin Monica Opsahl und ihrer Compagnie Artodance:

Choreografin und Kulturpreisträgerin Monica Opsahl hat mit ihrem Ensemble Artodance und Schülerinnen des Ballettsaals zwei Versionen des Buches „Alice im Wunderland“ inszeniert. Leicht überarbeitet wurden die Ende 2015 uraufgeführten Tanzstücke jetzt erneut gezeigt. Die Version für Erwachsene wird am 23. März noch einmal wiederholt:

Im blauen Kleid tanzt Alice allein auf der Bühne, nach und nach gesellen sich weitere blaugekleidete Tänzerinnen dazu, bewegen sich mit ihr im gemeinsamen Rhythmus. Alice ist begeistert, doch plötzlich verschwinden ihre Ebenbilder, sie bleibt allein zurück. Mehrfach wiederholt sich diese Szene während des Tanzabends: „Wer bin ich denn?“, fragt sich Alice in der Geschichte Lewis Carrolls, nachdem sie in das Wunderland eingetaucht ist und sich so fremd fühlt. Dort wird sie kleiner und größer, vervielfacht sich oder begegnet sich selbst. Opsahl hat Alice Suche nach ihrer Identität zum zentralen Thema des Stückes gemacht. Sie lässt gleichsam die düstere Unterströmung des Textes heraustanzen, während die Kinderfassung mit vielen Liedern und Tänzen fröhlich und luftig bleibt.

Alice folgt dem weißen Hasen in das Land mit den verwirrenden Regeln, nichts ist so wie es scheint. Ihre seltsamen Erlebnisse werden ohne weitere Worte eindringlich tänzerisch ausgedrückt. Die „Grinsekatze“ begleitet Alice durch das Stück und macht ihr Mut. Weil sich in Carrolls Erzählung die Katze oft in mehrere Teile auflöst, wird sie häufig von vier Balletteusen getanzt.

Abstruse Bewegungen bei der Teeparty, grimmige Soldaten im Tanzkampf, kunstvolle Zirkusakrobaten, orientalische Aufmärsche, Tänze der Spielkarten: Immer wieder steigt Alice neugierig und lustvoll in die Rhythmen dieser Formationen ein. Weiterlesen