Die Hessische Tanzszene im „Aufwind“

Mit Spannung erwarteten Tanzfreunde „Aufwind“, die erste Inszenierung des Hessischen Staatsballetts nach der Fusion der Darmstädter und Wiesbadener Tanzbühnen.

Staatsballett – das klingt nach Beamtentänzen am Schwanensee, doch der dreiteilige Abend zeigt ein breites Spektrum modernen Tanzes.Die Trilogie beginnt mit der konventionellen Choreografie „Vom Anfang“ des neuen Ballettchefs Tim Plegge. Ein Teil der dunklen Bühne besteht aus einer schrägen Plattform, auf der zu romantischer Musik einzelne Tänzerinnen und Tänzer balancieren, herunterrutschen, sich berühren und wieder lösen. Dem Besucher schwant fürchterliches, erinnert diese Tanzerei doch an die zähen Arbeiten Mei Hong Lins, der letzten Choreografin. Doch die allzu gefällig Tanzenden werden von den Tönen György Kurtágs aufgestört und zu bizarren Bewegungen getrieben. Bei wechselndem Licht entstehen Bilder „Vom Anfang“, von gestrandeten, gescheiterten aber immer neu beginnenden Menschen. Weiterlesen →

„Im Labyrinth des Schweigens“ – eine Mischung von Polit- und Psychothriller

Der spannende Film über den Frankfurter Auschwitzprozess

Kino soll nicht langweilen, ernste Themen müssen auch unterhalten, fordert Regisseur Giulio Ricciarelli. Konsequent macht sein Film „Im Labyrinth des Schweigens“ aus der mühseligen Vorbereitung des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Ende der 50er-Jahre, spannendes Kino.

„Ihr wart doch alle Nazis!“ Betrunken wankt Johann Radmann durch das nächtliche Frankfurt und pöbelt Bürger an. „Näh doch Hakenkreuze an Deine Kleider!“, beschimpft er seine Freundin, eine Mode-Designerin. In Alpträumen quält ihn KZ-Arzt Mengele mit Operationen ohne Betäubung. Der junge Staatsanwalt wollte ein Held werden, aber die monströsen, bis dahin verschwiegenen Nazi-Verbrechen überfordern ihn. Filmemacher Ricciarelli erzählt seine fiktive Geschichte, auf der Grundlage realer Ereignisse und Personen: Weiterlesen →

Der Literatur-Comedian Tim Boltz in Fulda

Lachen – bis die Stühle krachen

Tim Boltz alias Zeno Diegelmann ist ein Krimischreiber und Literatur-Comedian. Mit seiner Lesung „Rüden haben kurze Beine“ entpuppte er sich im Fuldaer Kulturkeller auch als genialer Schauspieler. Es ist der Höhepunkt der ersten Erzählung, das Publikum kommt aus dem Lachen gar nicht mehr raus: Gerade hat Robert auf dem Tanzboden Jana kennengelernt, Pirouetten gedreht und schmerzhaft einen Spagat versucht. „I will survive“ (Ich werde überleben) paraphrasiert leise die Pianistin Corinna Fuhrmann die Geschichte. Dieser Abend soll die „Nacht der Nächte“ werden, freut sich Robert bereits, doch sein Deo versagt beim Tanzen. Verzweifelt reibt er sich nach Waldmoos riechende Urinsteine aus der Herrentoilette unter die Achseln. Da bricht der Stuhl eines lachenden Besuchers in der ersten Reihe zusammen. Weiterlesen →