„Finale“ des 4. Land Art Festivals am Rande der Rhön 3. und 4. September

„Zwischen Zivilisation und Wildnis“

Schwebende Mooskugel, ein farbenfrohes Baumkleid, riesige Fotos von Menschen in Bäumen, verspiegelte Geisterfiguren… Um diese Werke zu selbständig zu betrachten, kommen täglich viele Neugierige zum Heiligenborn in Hutten am Rand der Rhön.

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„Ganz im Glück“ (links) / „Baumkuchen“ (unten)
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Zum „Finale“ am 3. und 4. September präsentiert das KulturWerk ein kleines Festivalprogramm:  Am Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 20 Uhr sind dort viele Kreative anwesend und verführen zu Künstlergesprächen oder angeleiteten Kunstaktionen. Hannah Wölfel, Bildhauerin und Kunstpädagogin, macht um 14.30 und 17.30 Uhr Führungen über den Kunst-Parcours.

Manche Skulpturen werden dabei von Tänzerinnen der Compagnie ARTODANCE – Choreografie Monica Opsahl – zum Leben erweckt (Foto oben)

„Mutierte Wegschnecke“ von Norbert Blücher (unten)  Weiterlesen

Kunst in Osthessen: Die 37. „Kunstwoche Kleinsassen“ in der Rhön

 

Lange vor der offiziellen Eröffnung der 37. Kunstwoche Kleinsassen sind die Stände der Künstler und Kunsthandwerker aufgebaut. Viele Besucher strömen bereits Sonntagfrüh in das Malerdorf, unterhalten sich mit den Ausstellern und kaufen ihre Werke.

Farbenfrohe florale Bilder oder abstrakte Kompositionen, organische Holzobjekte oder blecherne Gartenplastiken, putzige Sammlerbären oder grenzwertige Hundekissen – und natürlich jede Menge großartige Goldschmiede- und Keramikarbeiten unterschiedlicher Provenienz: Zwischen Rhöner Bratwurst und Blasmusik ist nicht nur reichlich Raum für qualitativ sehr unterschiedliche Arbeiten, die jeden Geschmack bedienen. Es lassen sich auf dem Markt außerdem überraschende Objekte entdecken, etwa betonte Maserungen flacher Holzscheiben, die dadurch wie grafische Strukturen oder Gesichter wirken. Der direkte Kontakt und die Gespräche mit den Kreativen gehören sowieso zum Kunstfestival. „Wo soll ich denn sonst Urlaub machen als hier?“, meint scherzend eine Goldschmiedin aus Eschwege, die immer wieder gerne im Malerdorf ausstellt.

Auf der Biebertalstraße findet fröhliches Marktreiben statt, jedoch haben die Dorfbewohner auch wie immer Scheunen, Ställe und Garagen ausgeräumt, die Künstler als rustikale provisorische Galerien nutzen. Auf der „Kunstwiese“ werden als Masken zusammengeschweißte Schaufeln, Stahlkugeln auf langen Stangen und zahlreiche weitere Metallobjekte präsentiert. Eine Mode-Designerin zeigt eigenartige Leinwand-Drucke von Tanzenden, die sie mit Nähten betont: „Ich zeichne mit der Nähmaschine“, erklärt sie. Viele Kunsthandwerker warten nicht nur auf Kundschaft, sondern führen täglich kreative Techniken vor und erläutern sie. Überall wird gehämmert, gepinselt, gezeichnet, gedrechselt und geschnitzt.

In diesem Jahr scheinen die Kleinsassener stärker als sonst mit dem Festival verwoben zu sein. Etliche haben behelfsmäßige Raststätten aufgebaut und bieten „Milse-Burger“ oder Käsespätzle an. Auch die Kunststation ist nach vielen Jahren endlich wieder ein wichtiger Teil der Kunstwoche geworden. Hier kocht ein Künstler „Wüstenmocca“, doch statt aus dem Kaffeesatz zu lesen… Weiterlesen

Guildo Horn rockt Osthessen

Beatmusik statt Schlager / als Moderation blödes Gelaber

Guildo Horn schaffte es mit seiner Gesangsdarbietung „Guildo hat euch lieb“, vor gut zwanzig Jahren beim European Song Contest, auf den siebten Platz. Danach wurde es stiller um ihn, doch eine kleine Fangemeinde vergaß ihn nie. Am Wochenende trat er mit seiner Gruppe „Die Orthopädischen Strümpfe“ in Schlüchtern auf.

Tick-tick-tick! Rums! Rums! Schwere Gitarren-Riffs, dröhnende Bässe, hartes Schlagwerk: Die „Orthopädischen Strümpfe“ fetzen los, wie eine frühe Beatband, die Musikanten posieren lustvoll als wilde Rockstars. „We love Rock ‘n Roll“, die harten Klänge Joan Jetts von 1982, übersetzt Guildo singend mit rauer Stimme: „Ich find’ Schla-ger toll!“

„Griechischer Wein“, „Mendocino“ und weitere betagte deutsche Oldies werden ebenso laut und ruppig dargeboten, obwohl der Sänger doch versprach, er wolle seine Besucher in ein sanftes Land entführen, in dem Milch und Honig flössen und mit ihnen ins „Traumboot der Liebe“ steigen. Aber eigentlich entpuppt sich der Mann, trotz Blödelsprüche in der Moderation und unsäglicher Verkleidung, die er nach und nach ablegt, als ziemlich cooler Rocker. Seine eigensinnigen Coverversionen deutscher Schlager sind keine Persiflagen, wie sie in den 1990er-Jahren Mode waren.

Mit dem teilweise bunt verkleideten Publikum ist „der Meister“, wie ihn die Veranstalter ankündigten, schnell im intensiven Kontakt; er hat es fest im Griff. Der Sänger springt in die Menge, spricht einzelne direkt an: „Du da, mit dem Bart, dich wollen wir hüpfen sehen!“ Enthusiastisch tun die meisten, was sich der singende Turnlehrer von ihnen wünscht, auf der Stelle hüpfen, die Arme schwenken oder in den Himmel recken. Die deutschen Schlagertexte singen alle sowieso lauthals und klatschend mit.

Erstaunlicherweise sind viele Besucher noch nicht so alt, um ständig orthopädische Strümpfe tragen zu müssen. Die Party vereint junge und ältere Fans, die jeden Unsinn mitmachen und ausgelassen über alle Späße lachen. Gute einhundert Minuten lang bietet die Combo harte Beatmusik dar – aber Guildo hat ein sensibles Gespür, wann mal etwas anderes kommen muss. Zu den Rockrhythmen klimpert er auch mal mit Kuhglocken die Melodie von Marianne Rosenbergs, „Er gehört zu mir“, oder entpuppt sich an kleinen Trommeln als unbändiger Percussionist. Weiterlesen

„The Ukulele Orchestra of Great Britain“ in Osthessen

 

In der ausverkauften, völlig überfüllten Nieder-Mooser Kirche war am Sonntag „The Ukulele Orchestra of Great Britain“ zu Gast. Im Rahmen der Sommerkonzerte und des 225. Geburtstags der Orgel, wollten die Veranstalter dem Publikum etwas Besonderes bieten.

Erstaunlicherweise klangen die Instrumente der weltberühmten Kapelle überhaupt nicht schrammelig und gar nicht so exotisch wie erwartet, sondern meist eher wie sehr hoch gespielte Gitarren. Dazu wurden großartige Gesänge angestimmt: Eine der Musikerinnen sang zu Ukulele-Klängen „I’m dancing barfoot“ von Patti Smith, berührend interpretierte die zweite Musikerin einen Song Joni Michels. „Kiss“ von Prince wurde ziemlich schräg und näselnd dargeboten und „Pinball Wizard“ von „The Who“ präsentierte die Gruppe sogar a cappella. Alle die im Konzert zu Gehör gebrachten Songs waren eigentlich keine Cover-Versionen, sondern umgeschriebene, oft solo oder vielstimmig gesungene, sehr eigen-artig vorgetragene Interpretationen. Und natürlich fuhren sie alle in die Beine, gerne hätten wohl manche Besucher im Gotteshaus getanzt.

Einige Stücke wurden als Filmmusik angekündigt, wie das Thema des Italo-Westerns „Spiel mir das Lied vom Tod.“ Der schnell vom Publikum erkannte Titel wurde mit viel Gepfeife, Geschnalze, Gepuste und anderen vokalen Einlagen der Spieler garniert. Gerne wird das Orchester als komödiantische Kapelle angekündigt, aber Musik-Clowns sind die acht britischen Damen und Herren nun wirklich nicht.

Allerdings ist die abwechselnde, ausnahmslos englische Moderation der Instrumentalisten voller Wortspiele und bissigem schwarzen Humor. Gestenreich und doch unterkühlt streiten sie untereinander oder bestaunen theatralisch das Gerede der anderen. Im zweiten Teil des Programms legten sie im Spiel an Komik etwas zu – zeigten pantomimische Einlagen, bei denen sie immer mal „einfroren“ oder mit Tierstimmen quietschten und jaulten. Einer… Weiterlesen

Finanzkabarett – Chin Meyer in Ost-Hessen

Die Vorankündigung des Finanzkabarettisten Chin Meyer in der osthessischen Presse war so verlockend wie amtliche Erläuterungen zur Vergnügungssteuer. Dazu Dauerregen und Kälte – beste Voraussetzungen für einen miesen Abend im KuKi-Zelt in Schlüchtern.

Der begann mit der Suche des Steuerfahnders Siegmund von Treiber im Zuschauerraum nach alten Kunden. „Ich kenne Sie doch alle!“, bellte er zur Begrüßung und ereiferte sich, „mich nervt das Gejammer der Steuerzahler.“ Atemlos ratterte er alle deutschen Abgaben herunter, die doch wirklich so leicht zu verstehen seien. Dann machte er sich über Steuerbetrüger wie Passivraucher her oder pries Kettenraucher, die in ihrem kurzen Leben 17 Kindertagesstätten förderten.

Nach unterhaltsamen zwanzig Minuten trat Treiber ab und machte Platz für Meyer. Der Finanzkabarettist schwadronierte nun über Reichmacher wie Erben oder Zinsen. Doch immerzu schweifte er ab und stellte absonderliche wirtschaftliche und politische Zusammenhänge her. Durch Autos würden in Deutschland mehr Menschen getötet als durch Islamisten, betriebswirtschaftlich sei das für Al-Qaida ein Unding. Die Terroristen sollten das durchrechnen und dem ADAC beitreten („Freie Fahrt für freie Bürger!“), statt mit Äxten durch Züge zu rennen. Für Schönheits-OPs und Viagra würde mehr Geld ausgegeben als für Alzheimerforschung. „Nun hängen die im Altersheim mit Silikonbrüsten und Dauerständern herum und wissen nicht, was sie damit machen sollen.“

Beharrlich forderte Meyer die neoliberale Ökonomisierung und effizientere Gestaltung aller Lebensbereiche. Vehement stritt er sich häufig (nach kurzer Verwandlung im Off) mit dem Steuerfahnder, ließ den amerikanischen Finanzberater Jack zu Wort kommen oder trällerte und verfremdete bekannte Pop Songs wie Tina Turners Private Dancer: „Ich bin Privat Banker, ich verzock’ Deine Kohle im nu, ah-hu, ah-hu…“

Ein Höhepunkt des Abends… Weiterlesen