Das Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch – voller Lust auf ein reiches Erbe

Mit einem frühen und einem späten Werk der vor sechs Jahren gestorbenen Choreografin Pina Bausch ging das Wuppertaler Tanztheater in die Sommerpause. Die nächste Spielzeit beginnt zum ersten Mal in dessen 40-jähriger Geschichte mit „Neuen Stücken“ einiger Gastchoreografen – doch ein „Neuanfang“ des berühmten Ensembles ist das nicht!

Nur eine Tänzerin steht auf der Bühne, zeigt sich von allen Seiten, bleckt die Zähne, streift die Haare zurück. Weitere Frauen kommen, bald lässt sich das ganze weibliche Ensemble taxieren. Dann verwandeln die Männer durch Vervielfachung und Übertreibung alltäglicher Verhaltensweisen die Bühne in einen grotesken „Kontakthof“. Der Name des Stückes ist sein Inhalt – was tun Menschen alles, um zu gefallen, um jemanden zu finden, um nicht einsam zu sein? Dieses Beziehungsthema, das in zahllosen assoziativen Szenen mal verzweifelt, mal humorvoll umkreist wird, hat heute nichts von seiner Aktualität verloren.

Es war ein Skandal als Pina mit diesem Stück vor fast vier Jahrzehnten formal und inhaltlich das klassische Ballett und den Modern Dance infrage stellte. „Mich interessiert nicht, wie die Menschen sich bewegen, sondern was sie bewegt“, meinte die Choreografin. Sie wollte den Tanz nicht revolutionieren, aber sie suchte gemeinsam mit ihrem Ensemble nach neuen, lebensnahen Ausdrucksformen. Viele alt gewordene Akteure sind in diesem Stück seit zwanzig Jahren oder länger dabei, nur wenige sind unter vierzig. Pina hat dieses zeitlose Werk einige Jahre vor ihrem Tod zunächst mit älteren Laien über 65 inszeniert, später sogar mit Teenies.

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