Warme Farben gegen das Grau und die Kälte

Zum Beginn der Winterausstellung ist die Kunststation in der Rhön nicht romantisch eingeschneit, ihre Umgebung ist grau in grau, nass und kalt. Wie gut tut es, in die Schau „Farblust – grenzenlos“ von Stefanie Brehm einzutauchen, zwischen ihren fröhlichen vielfarbigen Objekten aus Keramik oder Kunststoff gute Laune zu bekommen. 

Die Künstlerin hatte einst Keramikerin, also Töpferin gelernt, was man ihren kleineren, wunderbar glasierten Arbeiten in der Ausstellung auch ansieht. Es sind aber keine Gefäße zum Gebrauch obwohl sie wie Dosen wirken, sondern winzige Skulpturen oder wie die Töpfer sagen: Zierstücke. Jedoch mit ihren lebensgroßen, aus Ton montierten, oben geschlossenen und polychrom glasierten Zylindern verlässt Brehm das Kunsthandwerk und kreiert autonome Skulpturen. Man kann um sie herumgehen ohne dass die Farbe aufhört: Das Farblust ist tatsächlich grenzenlos. Die Säulen „wollen umtanzt werden, angeregt von Verve und Beschwingtheit des Farbauftrags“, meint Kuratorin Dr. Elisabeth Heil. Ist bei den keramischen Arbeiten noch ein, im weitesten Sinn getöpferter Bildträger vorhanden, so löst sich die Künstlerin mit ihren Werken aus Kunststoff (Polyuretan), den sie in flüssigem Zustand gestaltet, scheinbar völlig von Trägern. Die ausgehärteten, ebenfalls kräftig eingefärbten Objekte, montiert sie direkt an den Wänden.

Roland Stratmann überrascht das Publikum in seiner Ausstellung „WeltLäufig“ zunächst mit einem riesigen, aus Klamotten gestalteten Nashorn, das sich selbst auf einem Abbild zu betrachten scheint. Diese Installation ist Teil eines komplexen ästhetischen Projektes, das der Künstler mit Jugendlichen verwirklichte. Die Zusammenarbeit mit anderen Menschen, auch in fremden Kulturen, ist für ihn ebenso eine Notwendigkeit wie die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen. 

Sein Nashornbild, dem Rhinozeros Albrecht Dürers nachempfunden, ist typisch für viele weitere Arbeiten seiner Schau, in denen er Ansichtskarten als Bildträger nutzt. Diese postalischen Grüße mit Landschafts, Stadt- oder Kunstmotiven, versehen mit persönlichen Zeilen, wurden früher massenhaft verschickt. Der Künstler sucht und sammelt diese Karten, die er thematisch sortiert und zusammenstellt. Er befestigt die beschriebenen Seiten aneinander und nutzt sie als Untergrund, auf den er Zitate aus den Reisetexten schreibt und sie mit irritierenden Bildern versieht. Auf sein mit Zeichentusche gestaltetes Nashorn schreibt er: „Viele Grüße an alle die nach mir fragen.“ Denn das von Dürer auf einem Holzschnitt dargestellte Tier versank mit dem Transportschiff, er musste es im Jahr 1515 aus Erzählungen gestalten. Stratmanns vieldeutige Arbeiten transformieren seine Fundstücke in eigenständige Kunstwerke, die uns auf Reisen in seine eigenartigen Bildwelten mitnehmen.

Reisen dürfen auch Kunstschaffende aus dem Görlitzer oder Fuldaer Raum auf der Via Regia in die jeweilige Partnerstadt, wenn sie für ein monatliches Arbeits-Stipendium vorgeschlagen werden.

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Die Poesie des Augenblicks

„Meine Ausstellung ist der Film über mich“, beteuert ganz ohne Bitterkeit Christine Mann, die diesjährige Via-Regia-Stipendiatin der Kunststation, zum Abschied von Kleinsassen.

Zum vierwöchigen Aufenthalt der Görlitzer Künstlerin in der Rhön gehörte neben dem Ausstellungshonorar nämlich auch eine Salonschau im renommierten Kunsthaus. Doch aufgrund des Corona-Lockdowns gab es keine Vernissage, ihre Ausstellung im Studio wurde (noch) nicht aufgebaut.Stattdessen ließ die Kunststation ein professionelles Video drehen, das auf der Webseite gezeigt wird.

In das zeitweilige Gast-Atelier Manns kamen wenig Leute zum Ansehen ihrer farbenfrohen Gemälde und zu Gesprächen, weil die Kunststation wegen des Lockdowns nur kurz geöffnet war. Doch trotz dieser Unbilden ist die Künstlerin glücklich: „Mir kam die Einsiedelei sehr entgegen“, sagt sie, „vier Wochen lang habe ich einfach nur intuitiv gemalt, gemalt und gemalt. Ich habe keine Bilder, keine Motive geplant, sondern mich und die Farben einfach fließen lassen.“ 

Die Acryl-Farben, die sie spontan nebeneinander, übereinander oder ineinander auftrug, stehen bei ihr immer im Vordergrund. „Wenn überhaupt, dann kommt die Form erst später dazu“, erklärt sie. Eigentlich war sie nach dem Studium Diplom-Pädagogin geworden. Doch auf einer Reise durch Frankreich faszinierten sie die Kirchenfenster der Kathedrale in Reims. Deshalb studierte sie tatsächlich noch in der Akademie Burg Giebelstein verschiedene künstlerische Techniken der Glasgestaltung. 

Eines Tages bekam sie einen alten Röntgentisch, also einen Leuchttisch geschenkt. Auf der von unten beleuchteten Glasplatte drapiert sie nun Reste von farbigen Glasscheiben, Pflanzenteile, Schleier und andere halbtransparente Dinge. Gelegentlich malt sie etwas dazu oder trägt Monotypien auf, bis ihr das Bild stimmig erscheint. So entstehen Material- und Farbcollagen mit wenig figurativen Elementen. Mann fotografiert diese großen Collagen ab und lässt sie ohne weitere Nachbearbeitung auf Alu-Dibond drucken. Diese geheimnisvollen Kompositionen aus Farbe und Licht wirken wie durchscheinende Glasbilder oder moderne sakrale Fenster. Mit der aufwendigen Technik ist der Künstlerin ein individuelles Oeuvre gelungen, das eigentlich im Studio der Kunststation präsentiert werden sollte.

Nun sind diese Arbeiten wenigstens im Film zu sehen, ebenso wie die in Kleinsassen entstandenen Acrylwerke, über die Mann mit der Künstlerin Teresa Dietrich im Video spricht. Auch diese Fuldaer Malerin war vor einigen Jahren im Schloss Königshain bei Görlitz als Stipendiatin zu Gast.

Ebenso wie andere Kunstschaffende der Region etwa Veronika Zyzik, Ulrike Kuborn oder Bernd Baldus. 

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