Nicht nur Baden, Wandern oder Bergsteigen: Zeitgenössische Kunst auf Teneriffa (3)

Teil 3: Im Kulturpark Mariposa

Von Puerto de la Cruz aus machten wir einen Ausflug um die halbe Insel in den Süden nach Mariposa. Wir wussten vorher nichts von diesem Kunstgarten, sondern wurden durch Hinweise im Internet darauf aufmerksam. Das Projekt gefiel uns so gut, dass wir nach dem Besuch spontan unsere Reise verlängerten, weil wir einige Tage an diesem Ort verbringen wollten. Hier unsere Reisenotizen:

Aus einem großen eisernen Herzen sprudelt Wasser für einen Bach. Ein gigantisches blaues Betonbrot prunkt auf einem Plateau zwischen blühenden Kakteen. In einer Grotte kann man auf Edelsteinsesseln Platz nehmen. Überall stößt man beim Gang durch den Mariposa-Park auf Skulpturen und andere Kreationen aus diversen Materialien. Doch was zunächst wie ein Museum im Freien wirkt, erfasst man nach einiger Zeit als begehbares Gesamtkunstwerk: Denn gestaltete Natur und Artefakte bilden hier eine fühlbare, nicht zu trennende Einheit.

Der über zwei Hektar große Kunstgarten liegt im Süden Teneriffas, nahe dem Städtchen Arona in den Bergen, abseits der touristisch überlaufenen Küste. Bekannt ist diese wundervolle Anlage auf Teneriffa wenig: Das soll auch so bleiben, denn sie ist keine populäre Touristenattraktion wie der Zoo „Loro Park“. Wer sich aber sensibel auf die eigenartige Schönheit und ästhetische Herausforderung einlassen mag, ist für eine Führung oder einen längeren Aufenthalt willkommen und kann Unvergessliches erleben. 

Wir verbrachten fünf Tage an diesem Ort, der schon den kanarischen Ureinwohnern als magischer, kraftvoller Platz galt – und anschließend blieben wir noch eine weitere Woche. Man kann in einigen kreativ gestalteten Häusern oder Zelten übernachten und so zeitweise in der Kunst leben. Diese Behausungen sind ebenfalls Teil des Gesamtkunstwerks.

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Nicht nur Baden, Wandern oder Bergsteigen: Zeitgenössische Kunst auf Teneriffa

Teil 1 Santa Cruz

Fast ganz Europa war ein Risikogebiet, als wir im November nach Teneriffa kamen, jedoch die Kanarischen Inseln gehörten damals noch nicht dazu. Wir wollten nicht nur Cabra und Conejo, Ziegen und Kaninchen essen, die Sonne genießen und in Teresitas baden – sondern vor allem moderne und zeitgenössische Kunst entdecken.

Zweimal verlängerten wir unsere Kunstreise auf insgesamt sechs Wochen. Unterstützt wurden wir bei unseren Entdeckungen vom spanischen Fremdenverkehrsamt und dem Kulturgarten Mariposa. Zwölf Tage lang lebten wir zunächst direkt am Meer in einem kleinen Apartment, von dem aus wir mit dem Leihauto auf abenteuerlichen Serpentinen über die Berge nach Santa Cruz fahren konnten.

Wenn man vom Süden über die Autobahn in die Hauptstadt Teneriffas kommt, fährt man zunächst an der alten Raffinerieanlage mit zum Teil kräftig bemalten Öltanks vorbei. Rechts zum Atlantik hin liegt etwas weiter das gewaltige futuristische Gebilde AUDITORIO mit einem gigantischen Betonbogen darüber (Foto oben), was einen wirklich zum Staunen bringt. Während der moderne Bau drei Kongress- bzw. Konzertsäle beherbergt, ist der mächtige Bogen völlig funktionslos: Er ist einfach nur kühn, spannend und fantasieanregend: wie eine große Welle, die vom Ozean in die Stadt schwappt, oder wie eine gewundene Brücke, die Stadt und Atlantik verbindet, oder wie ein riesiger Vogelschnabel.
Hier glaubt man, dass die Architektur früher als Königin der Künste galt.

Die Oberflächen des Gebäudes sind mit Millionen von weißen Kachelbruchstücken versehen, eine Hommage an die Mosaikkunst des katalanischen Baumeisters Antoni Gaudí. Per se ist dieses Werk des international arbeitenden Architekten Santiago Calatrava ein Ruheort. Als Tempel der Künste schirmt er die Besucher*innen von dem nahen Hafen, den Autostraßen und dem neuen Hochhausviertel ab. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt die von Caesar Manrique gestaltete Badelandschaft Parque Maritimo.

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