Kunstherbst in Ost-Hessen: Der Höhepunkt, das KulturWerk-Festival

Kein verflixtes siebtes Jahr – das KulturWerk-Festival in Schlüchtern vom 10. bis 20. November 

Zum siebten Mal präsentiert das alljährliche Herbst-Festival des KulturWerks ein üppiges, abwechslungsreiches Programm. Soeben erschien ein Flyer der Künstlervereinigung, der ab sofort überall im Bergwinkel ausliegt und auf die Veranstaltungen hinweist. Der Vorverkauf hat begonnen.

Die KulturWerkWoche steht unter dem Motto „Zuckererbsen für jedermann“, einer Forderung des Dichters Heinrich Heine aus seinem ironischen Vers-Epos „Deutschland. Ein Wintermärchen“ (Anlage). Die KulturWerker erarbeiten dazu eine szenische Collage mit Tanz, Musik, Schattenspiel, Sprache und Theater.

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Dieses Thema wurde noch von der im Frühjahr gestorbenen Bildhauerin und Malerin Dorle Obländer vorgeschlagen, die Heine sehr liebte.Ihr ist auch die diesjährige Kunstaustellung gewidmet, das KulturWerk zeigt in Kooperation mit dem Grimm-Haus die letzten Arbeiten der Künstlerin, 19 ironische Märchenbilder (oben „Froschkönig“). Weiterlesen

Finanzkabarett – Chin Meyer in Ost-Hessen

Die Vorankündigung des Finanzkabarettisten Chin Meyer in der osthessischen Presse war so verlockend wie amtliche Erläuterungen zur Vergnügungssteuer. Dazu Dauerregen und Kälte – beste Voraussetzungen für einen miesen Abend im KuKi-Zelt in Schlüchtern.

Der begann mit der Suche des Steuerfahnders Siegmund von Treiber im Zuschauerraum nach alten Kunden. „Ich kenne Sie doch alle!“, bellte er zur Begrüßung und ereiferte sich, „mich nervt das Gejammer der Steuerzahler.“ Atemlos ratterte er alle deutschen Abgaben herunter, die doch wirklich so leicht zu verstehen seien. Dann machte er sich über Steuerbetrüger wie Passivraucher her oder pries Kettenraucher, die in ihrem kurzen Leben 17 Kindertagesstätten förderten.

Nach unterhaltsamen zwanzig Minuten trat Treiber ab und machte Platz für Meyer. Der Finanzkabarettist schwadronierte nun über Reichmacher wie Erben oder Zinsen. Doch immerzu schweifte er ab und stellte absonderliche wirtschaftliche und politische Zusammenhänge her. Durch Autos würden in Deutschland mehr Menschen getötet als durch Islamisten, betriebswirtschaftlich sei das für Al-Qaida ein Unding. Die Terroristen sollten das durchrechnen und dem ADAC beitreten („Freie Fahrt für freie Bürger!“), statt mit Äxten durch Züge zu rennen. Für Schönheits-OPs und Viagra würde mehr Geld ausgegeben als für Alzheimerforschung. „Nun hängen die im Altersheim mit Silikonbrüsten und Dauerständern herum und wissen nicht, was sie damit machen sollen.“

Beharrlich forderte Meyer die neoliberale Ökonomisierung und effizientere Gestaltung aller Lebensbereiche. Vehement stritt er sich häufig (nach kurzer Verwandlung im Off) mit dem Steuerfahnder, ließ den amerikanischen Finanzberater Jack zu Wort kommen oder trällerte und verfremdete bekannte Pop Songs wie Tina Turners Private Dancer: „Ich bin Privat Banker, ich verzock’ Deine Kohle im nu, ah-hu, ah-hu…“

Ein Höhepunkt des Abends… Weiterlesen

Das schräge A-capella-Quartett LaLeLu feiert Jubiläum

 

Mit ihrer furiosen Geburtstags-Show „20 Jahre“ waren LaLeLu im Kultursommer des Main-Kinzig-Kreises in Schlüchtern zu Gast:

Sehnsuchtsvoll im gebrochenen Deutsch säuselte der spanische Sänger Iglisias (Jan Melzer) von den Fahrkünsten seiner Geliebten. Dagegen kreischte dann Mandy, eine sächsische Flamenco-Sängerin (Sanna Nyman), „Bockwurscht allemania / statt spanisch Gamba!“ Für ihre Parodien nutzten die Musiker nur wenige Requisiten – mal eine Sonnenbrille, mal eine Perücke oder einen Hut – und vertrauten ganz ihren Stimmen und mimischen Talenten. Die einzigen Instrumente waren einmal iberische Kastagnetten, alle anderen Töne produzierten die vier Entertainer meist lautmalerisch selbst. Schon bei der ersten Darbietung, einem Jazzstück Glen Millers, suchte man vergebens den – Trompete, Bass und Schlagwerk produzierenden – Synthesizer.

Als „veganes Orchester unter Leitung von Ferdinand Hirse“ präsentierte die Combo eine „Ode an den Grünkernflieger“: „Flieg, Bratling, flieg /in blaue Fernen/ bis zu den Sternen“ zu Klängen von Johannes Brahms. Peter Maffays „Es war Sommer“ wurde kunstvoll dargeboten, authentisch mit rollendem R wie vom Meister selbst. Doch anschließend analysierte und sezierte Tobias Hanf als Musikwissenschaftler ernsthaft die Liedzeilen Maffays so hochelaboriert, dass die Zuschauer vor Lachen fast unter den Stühlen lagen.

Die absonderliche Comedy-Gruppe ist nicht nur komisch sondern musikalisch und schauspielerisch unglaublich versiert, dazu intelligent, spontan und abwechslungsreich. Die Musiker ließen als Stimmenimitatoren zwei Dutzend lebende und tote Prominente im Zelt erscheinen oder saßen mit ihren Reisekoffern auf der Bühne und klopften, trommelten oder kratzten damit einen wilden Rhythmus. Nach der Befragung einer Frau namens Babs aus dem Publikum, schuf das Ensemble aus deren Antworten ein spontanes Liebeslied. Zwischen den kuriosen Darbietungen gab es wenige, einfach nur schöne klassische A-capella-Gesänge: „If I fall in love with you.“ Weiterlesen