„Persischstunden“

„Ach nee, nicht schon wieder Nazifilme“, war die Stimmung auf der letzten Berlinale, als es um den Film „Persischstunden“ ging, der außer Konkurrenz in der Reihe Special Gala gezeigt wurde. Doch der Streifen wurde aufgrund seiner skurrilen aber berührenden Geschichte begeistert gefeiert und kommt – verspätet durch Corona – erst jetzt in die Kinos.

 Dieser  sehenswerte Film changiert zwischen Grauen und Komik, erreicht aber nicht die kühne Gratwanderung zwischen diesen beiden Polen wie Roberto Benigni in seinem Film „Das Leben ist schön“ von 1997. Die Film-Geschichte (Inhalt siehe unten) beruht nicht ganz auf wahren Begebenheiten, sondern setzt sich – verdichtet – aus verschiedenen Erzählungen Überlebender zusammen. Meistens hält der Film glaubwürdig das Gleichgewicht zwischen Komik und Entsetzen – das Lachen bleibt einem oft im Hals stecken.

Doch die Erschießungen der jüdischen Menschen am Anfang, dann ein Transport mit gutgenährten nackten Toten ins Krematorium: 
Das geht gar nicht! 
Das Grauen der Nazi-Verbrechen ist filmisch nicht darstellbar, dieses Thema hat Claude Lanzmann intensiv beschäftigt und er hat alle Versuche in dieser Richtung kritisiert. Christian Petzold hat zu recht in „Phoenix“ seine Anfangsszene gestrichen, in der Nina Hoss schwer verletzt die Erschießungen überlebt. Dagegen ist die Alltagsbrutalität in „Persischstunden“ durch sadistische Nazis cineastisch vertretbar und macht immer wieder deutlich, wo wir uns befinden: Auf jeden Fall nicht in der Küche eines Luxusrestaurants…

Zum Inhalt:
Als Nazihorden die Juden eines Lagers ermorden, kann sich ein Mensch retten: Kurz zuvor hatte er ein Stück Brot gegen einen persischen Bildband getauscht, dieses Buch macht ihn als „Perser“ glaubwürdig für den SS-Hauptsturmführer Koch (Lars Eidinger). Der will unbedingt Farsi lernen, um nach dem Krieg in Teheran ein deutsches Restaurant aufzumachen.

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