KulturWerk-Festival in Schlüchtern: Multimediales Spektakel „Zuckererbsen für jedermann“ (2)

 

Auf ihrem Festival in Schlüchtern präsentierten KulturWerker aus diversen künstlerischen Bereichen ihre diesjährige Eigenproduktion. Das begeisterte Publikum erlebte eine Theatercollage aus poetischen, düsteren und surrealen Bildern zu Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“.

„Im traurigen Monat November war’s / Die Tage wurden trüber…“ So beginnt Heines Vers-Epos, so begann auch das KulturWerk-Projekt an dem trüben Novemberabend, das wichtige Stationen der Reise des Dichters in Szene setzte. Als die Zuschauer durch eine Mauer aus großen Kartons gelassen wurden, erlebten sie deutsche Kleinstaaterei, wie einst der Poet nach seiner Rückkehr aus Frankreich: „Kommen sie nach Darmstadt“ oder „In Bayärn, I’ sag’s Oich“, warben die Akteure.

„Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut“, Schauspieler Alex Finkel sprach Heines Lob des deutschen Essens, das hinter der Schattenleinwand aufgetischt wurde. Auch zu den folgenden Szenen rezitierte er längere Textpassagen und spielte oft die Rolle als Dichter. Die Pappkartons, die vorher die Grenze bildeten, wurden umgeräumt zum Bett des „Vater Rheins“, in dem kleine, blau beleuchtete Balletteusen zwischen Plastikplanen das Wasser tanzten: „Da sah ich fließen den Vater Rhein / Im stillen Mondenglanze.“

Doch nach diesen schwärmerischen Szenen brachen böse Feindbilder auf: Ein Franzose (Luc Laignel) und ein Deutscher (Arnold Pfeifer) stritten über den Fluss hinweg: „Ihr Kartoffelfresser.“ „Sie sollen ihn nicht haben / den freien deutschen Rhein!“face-1992.jpg

„Und viele Bücher trag ich im Kopf!“ Die Schattenspielerin (Hannah Wölfel) verleibte sich damals verbotene Bücher ein, während Tänzerinnen (Monica und Julie Opsahl, Jana Quilitz) äußere und innere Zensur ausdrückten. Mit einem derben Stocktanz trieben sie dann den Heine-Darsteller in die Enge, der die legendären Sätze deklamierte: „Ein neues Lied, ein besseres Lied / Oh Freunde, will ich
euch dichten! / Wir wollen hier auf Erden schon / Das Himmelreich errichten.“ Später begegnete der Dichter im deutschen Wald den wilden Wölfen und bekannte, selbst einer der ihren zu sein.

Um das multimediale Stück zu „verstehen“, musste man kein Kenner des „Wintermärchens“ sein. Die mal bedrohlichen, mal verträumten Szenen sprachen für sich und wurden noch klarer durch die Texte. Auch die Absichten der KulturWerker waren deutlich, etwa die damaligen Feindbilder zu zeigen, die sich heute bei Flüchtlingen manifestieren. Eindeutig war die Botschaft des Stücks, nachdem die Spieler von den kleinen, nun weißen Tänzerinnen aus kartonierten Schützengräben befreit wurden: Weiterlesen