„Schaufensterausstellung NeustART – CityART“

Zu einem außergewöhnlichen Schaufensterbummel lud die Vorsitzende des Fuldaer Kunstvereins die Presse ein: In Fenstern von 47 Geschäften der Fuldaer Innenstadt organisierte Anna Härtel-Geise Ausstellungen für die Kunstschaffenden ihres Vereins.

Zwischen den Flaschen einer Weinhandlung tummelt sich ein fettes „Gürteltier“ aus Ton mit echten Ledergurten Foto oben). In einem Blumenladen steckt das Bildnis eines „Zitronenhais“ zwischen weißen Blüten. Auf Tafeln hinter den Brillen eines Optikers beglotzen zahlreiche Augen die Kunden. Manchmal schafft die Kunst in vielen Auslagenfenstern starke Kontraste, oft schmiegt sie sich eng an die jeweiligen Waren: Da hängen etwa zarte Frauenbilder zwischen edlen, scheinbar eigenen Kleidern der Porträtierten.

Die Organisatorin kontaktierte viele Geschäfte und Werkstätten per Mail, in anderen fragte sie persönlich nach: „Mit gut 300 Fotos von künstlerischen Objekten in meinem Notebook bin ich herumgegangen und habe den Leuten Vorschläge gemacht.“ Im Vorbeigehen meint Härtel-Geise, „für den Laden hätte ich auch noch was Passendes gehabt, ich wusste sogar was dort hängen könnte, aber die antworteten nicht auf meine Mail.“ Dafür schlug sie einem Juwelier kleine filigrane Holzskulpturen zum Ausstellen vor. Oder besorgte einem Friseur mit Birkenstämmen im Schaufenster ein riesiges Gemälde mit Birken. Sie selbst fertigte eigens für eine Konditorei kleine Pralinen aus Stoff: „Textiles Hüftgold.“

Die Vielfalt der hinter den Scheiben präsentierten Arbeiten ist riesig, manche Werke sind eher traditionell gemalt oder modelliert, manche sind krasse Herausforderungen oder interessante Provokationen, wie die rostigen Eisenskulpturen zwischen eleganten zarten Frauengewändern.  Auch der Humor fehlt nicht auf dem Parcours, in einer Confiserie werden skurrile Hühner und andere Keramikfiguren gezeigt.

Obwohl die Fensterschau erst Mitte August begann, haben einige Kunstschaffende bereits Arbeiten verkauft. Viele angesprochene Ladenbesitzer äußerten sich während des Rundgangs positiv über die Kooperation zwischen Kunst und Gewerbe. Eine Künstlerin bekam den Auftrag ein Label für einen neuen Balsamicoessig zu entwerfen, einer anderen wurde die Wandgestaltung im Inneren eines Geschäfts angeboten, die dritte kann demnächst eine Schau im gesamten Laden präsentieren.

Das Projekt ist ein exemplarischer ästhetischer Beitrag gegen die Verödung der Innenstädte und erhöht deren Attraktivität. Mit mehr als 130 Objekten erkundet es neue Ausstellungsorte für 34, von Corona geplagte Künstlerinnen und Künstler.

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