„Grenzgänge“ im Kunstverein Fulda

Marlies Pufahl, Gerlinde Kielburger und Wolf Bach stellen ihre Arbeiten zum Thema „Grenzgang“ aus. Die Kunstschaffenden präsentieren eine spannende kontrastreiche Ausstellung, die „zwischen Realität und Fiktion“ changiert, so der Untertitel.

In den Galerieräumen beeindrucken den Besucher gleich auf den ersten Blick die lebensgroßen roten Skulpturen Pufahls. Es sind weiblich wirkende Figuren, die von ihr aus groben, unterschiedlich geformten Keramikplatten zusammengesetzt und schwarz verfugt wurden. Diese Wesen selbst sind erkennbare und doch unbestimmte, zerbrechliche und zugleich kraftvolle Grenzgängerinnen – sie vereinigen in sich diese Gegensätze. Zu ihnen gesellt sich eine reduzierte, gerade noch menschlich wirkende grau-weiße Gestalt. Sie sieht wie ein aus Steinen geschichtetes Objekt aus, das zu zwei Bildern Bachs hinter ihr zu gehören scheint. Darauf sind von ihm getürmte graue Findlinge mit menschlichen Zügen dargestellt, welche er mit „Die Schöne und das Tier“ betitelt (Foto unten).

Als nächstes Objekt irritiert ein Gemälde des Künstlers, das von weitem wie eine mit Felsen umsäumte Meerlandschaft aussieht. Doch in deren Mitte bewegt sich etwas brausend Blau-Weißes. Erst beim Näherkommen erkennt man einen, in das Werk collagierten digitalen Schirm der fließendes Wasser zeigt. Fasziniert geht man vor und zurück, um den Moment des Erkennens zu wiederholen. Auch die weiteren Arbeiten des Künstlers sind Grenzgänge zwischen Abbildern und Collagen, in denen er Malereien rauer Landschaften mit Alltagsmaterialien wie Karton, Sand, Holzstückchen oder Wachs verbindet.

Im Kaminsalon staunt man über die rot glühenden Gemälde Gerlinde Kielburgers, die den Betrachter als bedrohliche Wiedergabe der Vulkanausbrüche auf La Palma anmuten. Berge sollen es sein die sie ausstellt, doch die Bilder drücken eigentlich bewusst ihre Gefühle aus. Neben den Gebirgsmassiven könnten auch rasende Fluten oder heftige Stürme die Künstlerin bewegt haben. Ihre Emotionen, etwa Erhabenheit oder Überwältigung, lassen sich beim Betrachten nachempfinden, weil sie die farbkräftigen Gestaltungen oft auf reine Kraft, Bewegung und Dynamik reduziert. Neuerdings experimentiert sie mit Materialien wie Asche, Kaffee oder Eisenspänen, die sie den Acrylfarben untermischt. Dadurch werden die Oberflächen ihrer Arbeiten leicht reliefartig, was die expressive Anmutung noch verstärkt.

Auch Bach hat eine Serie kleinerer Collagen geschaffen, die im weitesten Sinn Landschaften darstellen. Kritisch setzt er sich in den, manchmal abstrahierten Materialcollagen, mit Monokulturen und anderen Umweltsünden auseinander. „Meine Urlaubsbilder“, meint er spöttisch zu den Grenzgängen zwischen Mahnung und Ästhetik. Neben dieser Serie oder den Gebirgen Kielburgers findet man in der Galerie auch kleinere weibliche Figuren Pufahls. Sie sind ebenfalls grob montiert –

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Anne Härtel-Geise „Textile Strukturen“

 

Kunstherbst in Ost-Hessen (Teil 6): Eine sehenswerte Ausstellung im Kunstverein Fulda    

In der Galerie des Kunstvereins drängten sich auf engstem Raum viele Besucher, als die Textilkünstlerin Anne Härtel-Geise zu den fröhlichen Klängen der „Buchonia Klezmer Gang“ ihre Einzelausstellung eröffnete.

„Du armes Schwein, Du!“ In der diesjährigen Jahresschau „Geteilt“ des Kunstvereins Fulda zeigte Härtel-Geise neulich eine lebensgroße, zweigeteilte Sau aus Stoff. Das groteske, kontrovers diskutierte Objekt der Vegetarierin im Vonderau-Museum wurde, erstaunlicherweise, von den Besuchern mit klarer Mehrheit zum Publikumsliebling gewählt. Nun präsentiert die Fuldaerin freie Installationen, Stoffcollagen sowie gestickte Textilkompositionen. Damit zeigt sie die große Spannweite ihres Schaffens in den letzten drei Jahren.

Am Eingang hängt ein selbstironisch wirkendes, maschinengesticktes Porträt der Künstlerin, in der Nähe schweben vor „Blauen Strömen“ gefilzte „Steine.“ Neben dem Büffet an der Treppe schwebt geisterhaft ein erotisches, ausgefranstes weibliches Wesen. Im ersten Stock bringen gestickte Tiergedichte von Heinz Erhardt, mit genähten Abbildungen der Kreaturen, die Besucher zum Lachen: „Es war einmal ein buntes Ding / ein sogenannter Schmetterling / der war wie alle Falter / recht sorglos für sein Alter…“ Kunst kann sehr humorvoll sein, beweist Härtel-Geise mit diesen Arbeiten. Weiterlesen

„Geteilt“ – Jahresausstellung des Fuldaer Kunstvereins (Kunstherbst in Osthessen 2)

„Geteilt“ heißt diesmal die alljährliche Themenausstellung, die der Kunstverein Fulda am Wochenende im Vonderau Museum eröffnete. Die Vernissage war wie immer ein gesellschaftliches Ereignis, zu dem viel Publikum erschien.

Lassen wir in einem Rundgang durch die Ausstellung die Kunst selbst sprechen – also zeigen, wie Künstlerinnen und Künstler eigentlich das Thema angegangen sind: Zu sehen sind einfache, formal geteilte und gespiegelte Gemälde oder zerschnittene Skulpturen. Daneben finden wir viele thematische Objekte mit Titeln wie „Geteilte Zuneigung“, „Geteilte Liebe“ oder „Kindschafts-Teilung“. Psychologische Auslegungen des Mottos zeigen mögliche „Gespaltene Aspekte“ unserer Persönlichkeit. Mit der geteilten Welt in arme und reiche Menschen setzen sich etliche Arbeiten auseinander, gerade die Grafiken „Barmherzigkeit“ versus „Todsünden“ verdeutlichen das besonders. Doch ein Tableau mit unterschiedlich geteilten Apfelstückchen macht fröhlich klar: „Es ist genug für alle da!“ Insgesamt zeigen 31 Künstlerinnen und Künstler 53 Malereien, Grafiken, Skulpturen, Fotografien oder Mischtechniken.

Manche Artefakte – in dieser übrigens hervorragend kuratierten Ausstellung – sind einfach zu verstehen, viele eher verrätselt: Weiterlesen