Der Mut in Zeiten der Unterdrückung – Jafa Panahis Meisterwerk „Taxi Teheran“ kommt in die Kinos

Jafar Panahis Film „Taxi Teheran“ gewann bei der Berlinale 2015 den Hauptpreis. Das cineastische Meisterwerk zeigt auf eigenwillige Weise das Leben der Menschen in Teheran, der Heimatstadt des iranischen Regisseurs. Jetzt kommt der Film in die Kinos.

Ein schwer verletzter Mann wird zum Krankenhaus gefahren. In das Smartphone des Taxifahrers stammelt er sein Testament. Wird er überleben? Ein mieser Typ schwadroniert über die Todesstrafe für Diebe. Zwei alte Damen lassen die Droschke quer durch die Stadt rasen. Ihr Goldfisch soll zu einer bestimmten Zeit in der Quelle eines Flusses schwimmen. Sonst müssen die abergläubischen Frauen sterben. Der illegale DVD-Händler erkennt den Chauffeur: „Du bist doch Panahi, das hier sind ja Dreharbeiten…“

Tatsächlich ist es Jafar Panahi (55), der iranische, mit Hausarrest und Berufsverbot belegte Filmemacher, der mit einem Taxi durch Teheran fährt und Fahrgäste befördert. In dem engen, geschlossenen Raum filmen Minikameras mit festen Einstellungen die kleinen Dramen oder politischen Streitereien zwischen den Mitfahrern sowie die naseweise Reflexion der zehnjährigen Nichte des Regisseurs über das Filmemachen im Iran. Wieder einmal hat sich der Künstler mutig über das Berufsverbot hinweggesetzt, einen listigen Film gedreht, heimlich außer Landes geschafft – und dafür den Goldenen Bären der Berlinale 2015 erhalten.

Kurz vor den Berliner Filmfestspielen wurden in Paris Redakteure von „Charlie Hebdo“ ermordet, wir kommentierten einige Tage später die Preisverleihung: „In Zeiten, in denen Künstler für die Freiheit der Kunst sterben, darf auch die Kunst für die Freiheit der Künstler kämpfen.“ Weiterlesen

Ein iranischer Vampirfilm?

 „A Girl Walks Home Alone At Night“ wird als erster iranischer Vampirfilm angepriesen und kommt jetzt in die Kinos. Das großartige Werk ist jedoch eher ein surrealistisches Traum- und Liebesspiel als „eine Symphonie des Grauens.“

Ein namenloses Mädchen rollt im flatternden Tschador auf ihrem Skateboard durch die nächtlichen Straßen einer düsteren Stadt. Diese melancholische Vampirin trifft auf Arash, der reglos eine Laterne wie den Mond anglotzt. Verkleidet als Graf Dracula hat er sich – ausnahmsweise völlig mit Drogen zugedröhnt – nach einem Kostümfest verirrt. Irgendwann nimmt er die frierende Unbekannte in seine Arme und meint: „Ich bin ein Vampir, aber Du musst keine Angst vor mir haben…“ Die Situation wirkt so grotesk, weil wir Zuschauer wissen, dass die Fremde bereits einigen Menschen das Blut ausgesaugt hat. Auf ihrem Skateboard schiebt sie Arash zu sich nach Hause, denn der kann nicht mehr laufen. Dort hören sie gemeinsam eine Rockballade, tanzen dazu endlos lange in Zeitlupe…

Der in schwarz-weiß gedrehte Film ist nicht wirklich ein Vampirfilm, seine eigentlich schlichte Geschichte schnell erzählt: Arash (Arash Marandi) muss seinen geliebten Ford Thunderbird dem Dealer Saeed (Dominic Rains) überlassen, weil sein drogensüchtiger Vater bei ihm hoch verschuldet ist… Weiterlesen