Ein lebendiger Erfahrungsraum: Die Pina-Bausch-Ausstellung im Berliner Gropius-Bau

 

Diese Stimme!

großmann-klein-1010048.jpgBereits vor der Vernissage hört man aus der Menge die rauchige Stimme Mechthild Großmanns, der Staatsanwältin aus dem Münster-Tatort. Welcher Fan der Serie weiß wohl, dass die Schauspielerin als einzige „Nicht-Tänzerin“ mehr als 30 Jahre lang Mitglied im Wuppertaler Tanztheater war? Zur Eröffnung liest sie aus einer Rede der Choreografin (Foto rechts).

Im Lichthof des Gropius-Baus steht ein – erst irritierender – riesiger schwarzer Klotz. In ihm ist die Probebühne der Compagnie rekonstruiert, das 50er-Jahre-Kino „Lichtburg“. Hier hat Bausch alle ihre Stücke mit dem Ensemble entwickelt. Prächtige Kleider und feine Anzüge hängen an Garderobenständern, Spiegel an den Wänden. Ballettstangen und ein Klavier stehen am Rand. Die Tänzerin Ann Endicott (66), die von Anfang an in Wuppertal dabei war, ermuntert behutsam Besucher zur Einstudierung eines einfachen Tanzes, der „Nelken-Linie“ (siehe Kasten). Dieses „Warm-up“ zur Ausstellung wird mehrmals täglich angeboten. Staunend kann man selbst erleben, dass vieles Tanz sein kann, wie Bausch einst erklärte.

Darüberhinaus gibt es Workshops und Performances, um in der „Lichtburg“ Ensemble-Mitgliedern zu begegnen. Die Idee kam aus der Compagnie selbst, um so Besuchern einen Zugang zur seinerzeit einmaligen, neuen Arbeitsweise der Bausch zu ermöglichen: Das rekonstruierte Lichtspielhaus wird zum lebendigen Erfahrungsraum…

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„Mach Dich hübsch“

Zur Retrospektive Isa Genzkens im Berliner Gropius-Bau

Jetzt im Frühling quillt der Gropius-Bau mit Ausstellungen geradezu über: Die Bandbreite reicht von der „Kunst der Vorzeit“ über die „Sprache der Schönheit“ der Maya-Kultur bis zu Fotografen und Aktionskünstlern der Moderne. Nun gesellt sich dazu noch die derzeit im Ausland bekannteste deutsche Künstlerin Isa Genzken (* 1948) mit einer großen Retrospektive.

Im riesigen Lichthof des Ausstellungshauses scheinen meterlange flache oder röhrenartige, kräftig bemalte Objekten aus Holz über dem Boden zu schweben. Die gut vier Jahrzehnte alten „Ellipsoiden“ und „Hyperbolos“ Genzkens haben nur minimale Auflagepunkte und bilden einen rätselhaften aber spannenden Kontrast zum neoklassizistischen Umfeld. Es mag sein, dass sich das Gebäude mit diesen völlig abstrakten Gebilden aufhübscht, denn der Untertitel dieser Schau fordert: „Mach Dich hübsch!“ An einem Ende des Hofes steht die hübsche Bronzeskulptur eines nackten Jünglings mit Kopfhörern, an den Seitenwänden hängen riesige Porträts von hübschen Ohren (1980) mit und ohne Schmuck.

„Ich wollte schon immer den Mut haben, total verrückte, unmögliche und auch falsche Dinge zu tun.“
(Isa Genzken 1994)

Doch die bisher größte Berliner Einzelausstellung Genzkens ist ansonsten eher sperrig und herausfordernd – sie erschließt sich nicht ohne weiteres den Besuchern und erfordert ihre Mitarbeit. Einfach zu begreifen sind ihre „Schauspieler“ (ab 2013) und „Nofreteten“ (2014), denen man in der ersten Halle neben dem Lichthof und später in weiteren Sälen begegnet: Weiterlesen

Der Berliner Gropius-Bau zeigt frühe avantgardistische Fotografien von Germaine Krull (1897 – 1985)

Der Berliner Gropius-Bau zeigt frühe avantgardistische Fotografien von Germaine Krull (1897 – 1985), die nach dem 1. Weltkrieg das „Neue Sehen“ stark beeinflusste.

Weiche entblößte Frauenkörper oder harte Maschinenteile, Clochards oder Can-Can-Tänzerinnen. Überraschende Vogelperspektiven oder verfremdende Details. Porträts mit viel Licht und Schatten oder bloß menschliche Hände. Die junge deutsche Fotografin schuf in wenigen Jahren ein vielfältiges und innovatives Oeuvre.

„Zottel“, wie sie genannt wurde (und wie sie auf frühen Bildern auch aussieht), hatte eine schwierige Jugend. Dann war sie als junge Revolutionärin an der Münchener Räterepublik beteiligt. In der Sowjetunion warf man sie als Abweichlerin ins Gefängnis, da verging ihr schnell der Kommunismus: Mitte der 1920er-Jahre widmete sie sich in Amsterdam und Paris wieder der Fotografie. Aber Krull blieb unangepasst und rebellisch, das beeinflusste ihren künstlerischen Blick… Weiterlesen