Das hat Fassbinder nicht verdient…

Unter dem Titel „Enfant Terrible“ bringt der Filmemacher Oskar Roehler jetzt eine – angebliche – cineastische Verneigung vor dem großen Theater- und Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder (1945 – 1982) in die Kinos. 

Diese vermeintliche Hommage ist keine Biografie, kein Biopic, sondern reiht assoziativ schrille Szenen aus Fassbinders Leben aneinander: Münchener Antitheater, erste Filmerfolge, Festivals, Auszeichnungen. Vor allem aber widmet Roehler sich ausgiebig Fassbinders angeblich miesem Umgang mit den Leuten in seinem wilden „Clan“, der ihm als Familienersatz diente, und dem ausschweifenden schwulen Sex. Dazu kolportiert er, der Filmkünstler habe seine Liebhaber in den Tod getrieben oder Kinder gequält. Das wird meist bei schummrigem Licht in bunt bemalten theatralischen Kulissen erzählt. Roehlers eigenartiges Machwerk könnte durchaus ein alter, überzeichneter Streifen von Fassbinder selbst sein. 

Aber fassungslos sitzt man im Kino und denkt, dieses grölende oder sabbernde, andere beleidigende, manchmal an sich selbst zweifelnde und rauschgiftsüchtige Monster mit Schaum vor dem Mund (Oliver Masucci), soll der weltberühmte deutsche Regisseur gewesen sein? Der Mann war 37 als er starb und hatte bis dahin über 40 Spielfilme gedreht, 24 Theaterstücke inszeniert, dazu TV-Serien wie „Berlin: Alexanderplatz“ gemacht, in eigenen oder fremden Streifen mitgespielt, Drehbücher und weitere Stücke geschrieben. „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“, hieß das programmatische Buch des Clanmitglieds Harry Baer über ihn. Für seine „Schlaflosigkeit“ erhielt Fassbinder zahlreiche Preise auf den Filmfestivals in Berlin und Cannes sowie sieben – die meisten bisher vergebenen – Deutsche Filmpreise.

Doch Roehler beschränkt sich in seinem missfälligen Bilderbogen meist auf die private exzentrische Seite des „Enfant Terrible.“ Fassbinders internationale Bedeutung für den „Neuen Deutschen Film“ in den 1970er- und frühen 80er-Jahren dabei auf der Strecke.

Weiterlesen