„24 Wochen“ – Mein Interview mit Regisseurin Berrached

Im Gespräch mit Anne Zohra Berrached

Wir treffen uns im edlen Hotel Roma, in dem die Film-Agenturen gerne Interviews organisieren. Anne Zohra Berrached, die Tochter einer Thüringerin und eines Algeriers schafft es sofort, die etwas steife Hotelatmosphäre aufzulösen. Trotz des eigentlich ernsten Themas lacht sie viel, hat Spaß an dem Zweiergespräch – und ist überaus engagiert. Sie ist so voller Leidenschaft für ihre Ideen, dass man sich sofort vorstellen kann, wie schnell sie ihre Produzenten von dem neuen Filmstoff überzeugen konnte. Bei ihr gehen die Ideen, das Thema, die ausgefeilten Figuren dem Casting voraus, dann erst sucht sie die Schauspieler aus. Nach dem Studium der Sozialpädagogik hat sie zunächst Dokumentarfilme gedreht, das hat wohl ihren Blick auf die Welt geprägt.

„24 Wochen“ – ein sogenannter Abtreibungsfilm – kommt zunächst ins Kino, dann ins ZDF. Meinen Sie, das wird einen Aufschrei geben?

Das wäre doch gut, das wünschen wir uns, denn ich habe als Regisseurin alles getan, um einen Film zu machen, der die Leute berührt und zum miteinander Reden anregt. Julia Jentsch spricht uns ja einige Male direkt mit ihrem Blick an und fragt dadurch, „was würdest Du denn tun?“

Wie konnten Sie die Produzenten und das ZDF vom Thema überzeugen?

Auf der einen Seite habe ich ja schon mit meinem ersten Langfilm „Zwei Mütter“ bewiesen, dass ich es kann. Andererseits haben die wohl gedacht, die ist jung und wild, lassen wir sie doch mal was Neues versuchen. Denen war vielleicht gar nicht klar, was für eine Qualität dieser Film kriegen könnte – (lacht) wir wussten das ja, doch damit haben wir alle erstaunt.

Der Film ist keine sozialpädagogische Schmonzette… Weiterlesen

„24 Wochen“ Großes Kino und ein Interview mit der Regisseurin Anne Zohra Berrached

Der jungen Regisseurin Anne Zohra Berrached (34) ist mit ihrem zweiten Spielfilm „24 Wochen“ großartiges Kino gelungen. Ihr vom ZDF mitproduzierter Film lief im Frühjahr als einziger deutscher Beitrag im Wettbewerb der Berlinale 2016, wurde für den Europäischen Filmpreis nominiert und kommt am 22. September in die Kinos.

Kabarettistin Astrid Lorenz (Julia Jentsch) steht in ihrem Leberwurstkleid schwanger auf der Kabarettbühne und witzelt, „ich bin seit acht Jahren verheiratet, sie sehen, ich mache Gebrauch davon.“ Doch dann erfahren sie und ihr Mann Markus (Bjarne Mädel), ihr zweites Kind wird mit einem Down-Syndrom zur Welt kommen. Beide entscheiden sich nach gründlicher Beratung und langen Gesprächen gegen eine mögliche Abtreibung. Allerdings stellt sich in der 24. Woche der Schwangerschaft heraus, das Ungeborene ist sehr schwer herzkrank und wird keine lange Lebenserwartung haben. In dieser Situation lässt das Gesetz auch einen Abbruch bis zur Geburt zu. Die beiden wissen nicht, was sie tun sollen: „Ausgerechnet das Herz!“ Jede Entscheidung wird – wie in der griechischen Tragödie – eine falsche sein, es gibt keinen Ausweg…

Mit seinen riesigen Nahaufnahmen, ungewöhnlichen Schnitten, eigenartigen Farben, wenig Musik und der großen schauspielerischen Leistung der Protagonisten zieht der spannende Film die Zuschauer in den Konflikt der Familie hinein. Der Streifen rührt zu Tränen und kommt doch ohne Pathos und Kitsch aus, er ist voll überaus dichter Bilder und zeigt, was Worte alleine nicht ausdrücken können. „24 Wochen“ ist ganz großes Kino voller Verzweiflung, Auseinandersetzung und Leidenschaft.

In Berlin sprach ich mit der Regisseurin (Foto Vangelis Antimons) Zum Interview