Kurz vor dem Jahresende begannen in der Kunststation die beiden umfangreichen Winterausstellungen. In einer präsentieren 21 Mitglieder der „Frankfurter Künstlergesellschaft“ ihre Arbeiten unter dem Titel „Nähe aus Distanz“.
Nach dem Eintritt begegnet man der überlebensgroßen weiblichen Skulptur „Hurdy Gurdy“. Übersetzt heißt der englische Titel „Drehleier“ – im übertragenen Sinn steht sie also für Bewegung und Dynamik. Das Reisigbündel in ihren Händen verweist auf Hurdy-Gurdy-Girls: arme junge Frauen, die im 19. Jahrhundert aus dem Hessischen in die USA auswanderten und dort hart arbeiten mussten.

Diese Figur ist jedoch kein Opfer. Breitbeinig, standfest und selbstbewusst steht sie auf einem kleinen Rollwagen und suggeriert Kraft und Eigenständigkeit. Als Auftakt verweist sie auf ein Motiv, das sich in der Ausstellung mehrfach findet: selbstbestimmte, starke feminine Figuren.
Eigenartige weibliche Holzwesen, eine heißt „Grazie“, zeigen sich nur leicht bekleidet oder nackt aufeinander stehend. Die teils bemalten Skulpturen aus Linden- oder Ahornholz sind ineinander verdreht und verschlungen, manche Körperteile sogar nach innen gewölbt. Als Installation irritiert diese Frauengruppe, doch durch ihre Gestaltung – als Konkav-Tiefenreliefs – wird immense Lebensfreude und Bewegung spürbar.



