Jazz-Sängerin Brenda Boykin und das Jan Luley Trio

In Ost-Hessen mit eigenwilligen musikalischen Interpretationen zu Gast

Das Konzert begann ohne Sängerin mit dem einhundert Jahre alten St. Louis Blues, dem ein extrem langes Intro des Schlagzeugers Tobias Schirmer vorausging. Der frühere Schlüchterner trommelte vor, wo es denn lang gehen sollte: Zunächst Latino-Rock mit schrägen Percussion Soli, dann stiegen Bandleader Luley am Piano und Paul G. Ulrich am Bass mit wildem Boogie Woogie ein.

Als der Pianist forderte: „Genug der Instrumente“, fegte Boykin auf die Bühne und durch die Jazzgeschichte. Die Sechzigjährige sprang zwischen Duke Ellingtons Swing, traditionellem Blues und fröhlicher Rockmusik hin und her. „Als ich Teeny war, habe ich Rock ‘n Roll gehört“, gestand die Sängerin, „darum greife ich manchmal in diese Tüte.“ Mit „dreckiger“ Saxophon-Stimme drohte sie dann im Elvis-Song „Trouble“, „If you’re looking for trouble/ You came to the right place …“ (Wenn Du Streit suchst, bis Du hier gerade richtig…).

Die rockigen Cover-Versionen waren keine 2-Minuten-Stückchen wie im Original, bei Brenda und ihrem Trio entstanden daraus eher kleine Jazz-Opern. Die Sechzigjährige brachte mit ihrer unglaublichen Bühnenpräsens die triste Schlüchterner Stadthalle zum Grooven. Sie rockte, swingte und rappte, forderte stimmlich ihre Instrumentalisten heraus – schnurrte den Bass an, fetzte sich mit dem Schlagwerk, wetteiferte in höchsten Tönen mit dem Piano. Dazwischen illustrierte sie mit Slapsticks und Pantomimen die Liebesdramen der Songtexte.

Die Besucher, mit denen sie durchgehend im Kontakt blieb, erlebten kein einstudiertes Spektakel, sondern eine sehr spontane Darbietung. „Man muss höllisch aufpassen, was von ihr kommt“, sagte Schirmer nach dem Konzert, „um sofort reagieren zu können.“ Sängerin und Band zerlegten ziemlich unvermittelt traditionelle Jazz- und Rockstücke, improvisierten viel und sprangen durch diverse Musikstile. Danach setzten sie dann verspielt alles bravourös wieder zusammen. Weiterlesen