Keine Prothese für einen redenden Mund – ein Heinrich-Heine-Abend mit Jan-Markus Dieckmann

Am Donnerstagabend, den 17. November, gibt der Wiesbadener Schauspieler Jan-Markus Dieckmann (38) einen Heine-Abend in der KulturWerk-Halle, der sich wohltuend von traditionellen und langweiligen Lesungen unterscheiden wird.

Der Schauspieler, wenn wir ihn denn überhaupt so nennen wollen, sitzt allein auf der Bühne. Auf dem Tisch vor ihm mehrere Bücherstapel, ein Lichtpult, ein PC, um ihn herum etliche Requisiten. Auch Koffer dürfen natürlich nicht fehlen, denn Heinrich Heine (1797 – 1856) war ja ein ruheloser, ein getriebener Reisender, der seine Erlebnisse aufschrieb. Der Akteur liest deshalb die Texte des Dichters gerade nicht im schwarzen Rollkragenpullover mit einem Wasserglas vor sich, wie er spöttisch anmerkt. Denn schon im Schauspielstudium lernte er, Heine-Gedichte szenisch umzusetzen: Mit Bewegungen im Raum, Musik , stimmlichen Variationen und unterschiedlichem Licht.

Diekmanns Metamorphosen als Heine und dann wiederum in des Dichters Gestalten, gehören zu den Traumreisen, auf die er sein Publikum mitnimmt. Beispielsweise traf Heine bei seiner Harzreise auf den Fluss Ilse, der in der Fantasie des Dichters zur sagenhaften Prinzessin wird. Diese Phantasmagorie macht Dieckmann auf der Bühne lebendig. Eben noch war er der vortragende Dichter, nun verwandelt er sich in das schöne Weib und schäkert mit dem Publikum.

„Natürlich steht die Sprache Heines ganz klar im Vordergrund“, sagt Dieckmann, „doch jeder Text hat seine eigene Stimmung, die man zeigen kann, manche lassen sich auch im Sprechgesang vortragen.“ In der Ein-Mann-Show macht Dieckmann alles selbst, steuert die Technik sogar von seinem Tisch aus: „Die Grenze zwischen vor und hinter der Bühne verschwindet“, meint er dazu.

„Ich habe mich schon als Teenie für Heine interessiert“, erinnert er sich, „und er kam auch in der Schauspielschule vor. Irgendwann habe ich mir die Gesamtausgabe gekauft und war erstaunt, welche Facetten Heines Werk hat. Er war ein streitbarer und widersprüchlicher Geist, rannte gegen jede Mauer an. Das hat mich fasziniert, deshalb wollte ich auch schon früh irgendwann mal einen Heine-Abend machen.“

Dieckmann ist Mitbegründer des Freien Theaters Wiesbaden und Ensemble-Mitglied des Frankfurter Kabaretts „Die Schmiere“. „Ich bin ein großer Schauspieler“, protzt er – und lacht los, „ich bin doch 1,91 Meter groß.“ Der Mann sprüht nicht nur voller Ideen, sondern hat auch viel Humor!

Heinrich-Heine-Abend mit Jan-Markus Dieckmann: Donnerstag, 17. November 20 Uhr in der Schlüchterner KulturWerk-Halle, Gartenstr. 50

Weitere Veranstaltungen

Tanztheater „Dying Swan“, Choreografie von Monica Opsahl für das Ensemble Artodance:
Freitag 18. November 20 Uhr

Cello-Sonaten von Strawinsky, Beethoven und Chopin: Leander Kippenberg (Cello) & Edward Liddel (Klavier): Samstag 19. November 20 Uhr

Finissage mit Leitersprüchen: Sonntag 19. November 16 Uhr / Theater allerArt, Einakter des Satirikers Slawomir Mrozek: Sonntag 19. November 18 Uhr

Foto: Jan-Markus Dieckmann in Aktion (privat)

Ein Wetzstein des Geistes? Jürgen von der Lippe in Fulda

 

Jürgen von der Lippe war zu Gast in der ausverkauften Orangerie und amüsierte sein Publikum glänzend mit einem Feuerwerk von intelligenten Witzen, derbem Klamauk, schrägen Gesängen und fröhlichen Kinderspielen.

Wie schafft dieser dicke Mann es nur, ästhetischer Feingeist und dann unflätiges Ferkel zu sein, einen oberlehrerhaften Schlaumeier und bald darauf den herzlichen Spaßmacher zu geben? Egal was er, gekleidet mit wechselnden Hawaiihemden, auf der Bühne darbietet, das Publikum hängt ihm an den Lippen. Und was für eine freche Lippe riskiert er im katholischen Fulda: „Ich habe ja mit der schützenden Hand der Kirche am Genital pubertiert“, erklärt der einstige Messdiener zu Beginn.

„Lippe ist der Wetzstein des Geistes“, hieß es schon beim Dichter Ernst Moritz Arndt im 18. Jahrhundert. Dieser Einschätzung macht das Multitalent Jürgen Dohrenkamp alle Ehre: Damit die Journalisten mit seinem Künstlernamen Wortspiele bilden könnten, habe er sich von der Lippe genannt. So, das waren die Wortspiele, kommen wir nun zur Show.

Ziemlich schnell beschäftigt sich von der Lippe, scheinbar aus dem Stegreif, mit den aktuellen Ereignissen in Amerika: „Ach der Arme…“ Trump habe doch nur diese unsäglich Pfiffi-Frisur, um Mitleid bei den Frauen zu wecken. „Aber es ist schon ganz gut, nicht noch so eine Regierungspräsidentin im Hosenanzug sehen zu müssen.“

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